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Wien ermöglicht Impfungen für Kinder

04.11.2021 • 16:26 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Eine Impfstraße für Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren soll es bald in Wien geben
Eine Impfstraße für Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren soll es bald in Wien geben (c) APA/dpa/Christoph Soeder (Christoph Soeder)

Wien will Impfstraße für die Altersgruppe der Fünf- bis Zwölfjährigen.

Wien wird Impfstraße für Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren einrichten, teilte Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) am Donnerstag mit. Der Impfstoff von Biontech/Pfizer hat für diese Altersgruppe aber noch keine Zulassungserweiterung der Europäischen Arzneimittel Agentur EMA erhalten, eine Entscheidung wird im November erwartet.

Darauf will Wien aber nicht warten. Auch eine Empfehlung des Nationalen Impfgremiums (NIG) wird es wohl zum Start der Impfstraße noch nicht geben. „Eine solche können wir ohne EMA-Entscheid nicht aussprechen“, sagt Herwig Kollaritsch, Mitglied des NIG, im Gespräch mit der Kleinen Zeitung. Ohne die formelle Zulassung sei man rechtlich in einem „ganz anderen Bereich“. Nämlich in jenem des „Off-label-use“. Dieser beschreibt den Einsatz eines Medikamentes abseits der eigentlichen Zulassung. Dies ist weder unüblich noch illegal, allerdings liegt das Risiko beim Arzt, da das Impfschadengesetz ohne medizinische Indikation nicht greift – siehe Faktenbox am Ende des Artikels.

Rechtliche Grauzone

In Wien will man die rechtliche Grauzone insofern lichten, indem man die Impfungen medizinisch begründet, zumindest nach Aussage von Michael Binder, dem medizinische Leiter des Gesundheitsverbunds bei der Pressekonferenz am Donnerstag. In diesem Fall würde das Impfschadengesetz greifen.

Wann genau das Angebot in Wien geschaffen wird, ist noch nicht fixiert. Man sei nun auf der Suche nach Kinderärzten, die bereit sind, die Immunisierungen in der geplanten Einrichtung vorzunehmen, sagte ein Sprecher von Wiens Gesundheitslandesrat Peter Hacker im Gespräch mit der APA. Zudem werde das Angebot auch Familien offenstehen, die nicht in Wien gemeldet seien.

Genaue Datenanalyse notwendig

Die Risiko-Nutzen-Abwägung der EMA hätte abgewartet werden sollen, sagt Kollaritsch. „Wir waren bei den Erwachsenen bei jedem Detail sehr vorsichtig, bei den Kindern sollten wir dies auch sein.“ Gerade bei Kindern sei das Nutzen-Kosten-Risiko im Detail abzuwägen. Eine genaue Übersicht und Analyse aller Daten, etwa im Hinblick auf Myokarditis und Perikarditis nach einer Impfung, sei für eine solche Entscheidung wichtig gewesen.

Natürlich sei die Anzahl der Neuinfektionen aktuell enorm hoch, ebenso wie das Ansteckungsrisiko für Kinder. Der Impfexperte gibt auch zu bedenken, dass für den Schutz in der vierten Welle diese Impfungen für Kinder nun wohl zu spät kommen würden. “Bei den Erwachsenen haben wir jedes kleinste Detail genauestens abgewogen, ich wäre dafür, diese Sorgfalt nun auch bei den Kindern walten zu lassen”, sagt Kollaritsch. Vor allem vor dem Hintergrund, dass “die Zahlen derart hoch sind, weil sich zu wenige Erwachsene impfen lassen”.

Was heißt "Off-label" eigentlich?

„Off-label“ bezeichnet die Verwendung eines medizinischen Präparats abseits der eigentlichen Zulassung. Das bedeutet: Ein Medikament – oder eben ein Impfstoff – wird für etwas eingesetzt, für das es formal keine Zulassung hat. Eine „Off-label“-Verwendung ist weder illegal noch unüblich, es kommen aber andere rechtliche Parameter zum Tragen als bei einer Anwendung innerhalb der eigentlichen Zulassung.

Ein „Off-label-use“ bedingt eine vertiefte Aufklärung. Grundsätzlich müssen eine Ärztin, ein Arzt die „Off-label“-Verwendung auch mit einer medizinischen Indikation begründen, das könnte etwa das Risiko einer Infektion mit Covid-19 sein.

Das Risiko tragen im Falle einer „Off-label“-Anwendung die Ärztin oder der Arzt. Denn die Herstellerfirma übernimmt keinerlei Haftung. Und hat auch das Nationale Impfgremium noch keine Empfehlung ausgesprochen, übernimmt auch der Staat in Form des Impfschadengesetztes keine Haftung. Bleibt also die zivilrechtliche Haftung – und diese trägt der Arzt.