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Wo Späne fliegen und Unikate entstehen

04.11.2021 • 14:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Schon als Kind besuchte Roithmeir seinen Opa in der Tischler-Werkstatt. Bei einem Drechselkurs entfachte bei ihm die Leidenschaft und Liebe zum Drechseln. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Schon als Kind besuchte Roithmeir seinen Opa in der Tischler-Werkstatt. Bei einem Drechselkurs entfachte bei ihm die Leidenschaft und Liebe zum Drechseln. Klaus Hartinger

Aus „Johann“ wird „Hansi“, und im Hobby wird aus Roithmeir „Dräxlmeir“.

Hansi „Dräxlmeir“ Roithmeir

Tel: 0664-4138755, E-Mail: info@draexlmeir.at, Web: www.draexlmeir.at

Geschäft: „KUNSchT inna“, Ketschelenstraße 1, Feldkirch-Gisingen (Di, Do und Fr von 14.30 bis 18 Uhr, Sa von 9 bis 12 Uhr.

Adventsausstellung: Freitag, 12. November von 14.30 bis 20 Uhr.

Das Leben ist eine runde Sache – plus minus ein paar Ecken und Kanten.“ Das ist die Lebenseinstellung von Johann Roithmeir, gerufen Hansi. Sie passt auch zu seinem wichtigsten Hobby. Diesem geht er nach, wenn seine Frau mit einer Nebenbeschäftigung befasst ist, die es nur gibt, weil es Roithmeirs Hobby gibt: Er drechselt, und währenddessen präsentiert und verkauft sie die Ergebnisse im Laden „KUNSchT inna“ gegenüber in Feldkirch-Gisingen.

Schalen sind es und Mühlen, die entstehen, wenn er seine Werkzeuge aus Metall auf das aufgespannte und rasch um sich selbst rotierende Stück Holz treffen lässt. Alles, was auf diese Weise aus dem Holz erwächst, ist irgendwie rund. Es entstehen auch wirkliche Kugeln und Schmuckanhänger mit runder Grundform.

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Klaus Hartinger


Aus ausgesuchten Hölzern sind sie, wobei der Hobbydrechsler mit Werkzeugen und Ölen ihr besonderes Schimmern und ihre Farbtiefe herausdestilliert. Die Optik wie die Haptik sind warm, die Unterschiedlichkeit der Hölzer wird betont. Die helle Knorzigkeit der Zirbe zum Beispiel, das satte Graubraun des Nussbaums, der sanfte Rotton der Esche. Die Eigenheiten von Robinie, Zwetschge, Kirsche, Buche, Olive, Birne.


Roithmeir, der hauptberuflich als Controller bei der Firma Blum angestellt ist – „nüchterne Zahlen“ –, arbeitet mit fast allen Hölzern außer der ihm zu harzigen Fichte. Trotzdem hat er einen Liebling: Besonders angetan hat es ihm die Zirbe, langsam wachsend, oft uralt, mit eigenwilligen Einschlüssen, weich und mit dem unverkennbaren, wohltuenden Duft. Weiches Holz lässt sich leichter bearbeiten. Dafür verzeiht es nichts, sagt der Drechsler. Er weiß, wovon er spricht, jeder seiner Handgriffe erfordert Konzentration.

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Viel Arbeit für ein Stück

Vor ein paar Jahren hätte er beinah einen Finger an die Bandsäge verloren. Er hat Glück gehabt, der Respekt während der Arbeit mit den Maschinen ist seit dem noch gewachsen. „Wenn du das Holz nicht richtig einspannst, kann es sein, dass es dir mit tausend Umdrehungen pro Minute um den Kopf fliegt. Da ist dann ein Loch drin“, kommentiert er trocken.


Nicht nur das Gefahrenpotenzial, auch die Arbeit ist immens. Entwürfe machen, geeignetes Holz suchen und beschaffen, mit der Motorsäge zuschneiden, mit der Bandsäge zurechtschneiden, eventuell mehrere Stücke zusammenleimen, drechseln, schleifen, schmirgeln, ölen.

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Und dann? Warten die Unikate in dem kleinen Laden auf ihr passendes Gegenstück, den Menschen, der sagt: „Genau das hab ich gesucht“. Wenn sie es bei Dräxlmeir finden, sind sie begeistert. Oft spielt der Zufall mit. Ein Ehepaar spaziert vorbei und entdeckt das Kleinod mitten in Feldkirch-Gisingen, das der Holzwerkelnde sich mit seiner Schwägerin teilt. Sie lebt ihre Kreativität mit Sprüchen und Kunstwerken aus Draht aus. Das können gedrahtete Wort-Bilder sein oder Rentiere aus Draht mit konischen Bäuchen aus Holz.


Die Zusammenarbeit zwischen Roithmeir und ihr entsteht aus beidseitigen Ideen. An den Wänden des Kunsthandwerkerladens hängen aber auch Aquarelle von Roithmeirs Schwiegermutter, stehen urwüchsige Skulpturen seines Schwiegervaters, die direkt aus Holzscheiten zu erwachsen scheinen. Nicht zu vergessen die liebevoll handgearbeiteten und kalligrafierten Karten von Roithmeirs Frau.

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Wer den Laden betritt, erlebt die Schaffenskraft einer ganzen Familie. Und wer einen zu drechselnden Sonderwunsch anzumelden hat, den verweisen Frau oder Schwägerin schon mal in die Werkstatt um die Ecke. Dort ist „Hansi“ dann persönlich beim Drechseln zu erleben.

Erst einmal abwarten

Wo die Späne fliegen, entstehen runde Sachen aus verschiedensten Brettern. Er zeigt ein übermannshohes Brett von zirka zehn Zentimetern Dicke. Das frische Holz muss erst einmal lagern, um zu trocknen. In einem Jahr trocknet jeweils eine Dicke von 1,5 Zentimetern. Da ist Rechnen angesagt – und Geduld.


Aber nicht nur: „Meistens bekommst du die Bretter nur mit einer Länge von vier Metern. Das hier ist Schwarznuss, so ein Brett kostet schon mal 400 Euro.“ Womit klar ist, dass eine saubere Planung auch eine Kostenfrage ist. Damit ist der Controller in seinem Element.

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Oder doch eher dann, wenn die Holzflocken durch die Luft sausen? Wenn er ein uraltes Stück Zirbe bearbeitet, zählt er schon mal die Jahresringe. Über einhundert können es sein. Ein Leben, das in einem neuen Umfeld auf eine neue Art und Weise weitergeht.


Woher er seine Inspirationen bekommt? Die sind einfach da, sagt der 54-Jährige. Manchmal stammen sie auch aus dem Internet. Besonders stolz ist er auf seine Zirbenbrotdosen, in denen das Brot lange frisch bleibt, und auf seine Kräuterhäcksler, spezielle Hackmesser in der Holzschale, die frische Kräuter fast wie von selbst zerkleinern. Und darüber hinaus ästhetisch sind, wie alles Hölzerne aus Hansi „Dräxlmeirs“ Händen.

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Weitere Infos unter: www.epu.wko.at