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22-Jähriger übernimmt App-Schmiede

09.11.2021 • 21:02 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Lukas Gehrer (links), neuer Mehrheitseigentümer bei Appful, mit dem Gründer des Start-ups Jürgen Ulbrich. <span class="copyright">Frederick Sams</span>
Lukas Gehrer (links), neuer Mehrheitseigentümer bei Appful, mit dem Gründer des Start-ups Jürgen Ulbrich. Frederick Sams

Der Vorarlberger Lukas Gehrer hat als ­Geschäftsführer des Start-ups Appful große Ziele.

Der Höchster Jungunternehmer Lukas Gehrer hat gemeinsam mit einem Geschäftspartner das deutsche Start-up Appful.io übernommen. Das Unternehmen, das bisher seinen Sitz in Mainz hatte, bietet Apps für iOS und Android an, die nach dem Baukastensystem erstellt werden. Der 22-jährige Höchster betreibt die von ihm selbst gegründete Werbeagentur „Wordsmattr“ und fungiert fortan als Geschäftsführer bei Appful, wo er nun Mehrheitseigentümer ist. Mit an Bord bei der Übernahme ist auch die Black Panther Ventures UG mit Sitz im deutschen Falkensee. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Apps können mithilfe von Appful nach dem Baukasten-Prinzip erstellt werden. <span class="copyright">Appful GmbH</span>
Apps können mithilfe von Appful nach dem Baukasten-Prinzip erstellt werden. Appful GmbH

Das Start-up Appful wurde 2016 von den damals 18-jährigen Jürgen Ulbrich und Oskar Neumann gegründet. Sie haben ein Baukastensystem entwickelt, mit der sich Kunden, die über eine WordPress-Webseite verfügen, eine eigene mobile App zusammenstellen können. Wird diese dann im Apple-Store für iPhones oder bei Google Play für Android-Handys veröffentlicht, wird eine jährliche Abo-Gebühr für Appful fällig. Zu den bisherigen Kunden gehören Unternehmen wie Vaude oder Organisationen wie Greenpeace und Peta.

Potenzial in Nischen

Das Start-up soll „zu einem der größten Player für App-Baukästen in Europa“ werden, erklärt Gehrer. Glaube man Statistiken könnten 2025 bereits zwei Drittel aller mobilen Anwendungen aus Baukasten-Elementen wie jenen von Appful bestehen. Potenzial gebe es vor allem in Nischen. Darum lege man den Fokus auf Kunden, „die Content in Form von Text, Bildern und Videos verteilen oder verkaufen möchten“. Dies seien Zeitungen, digitale Infoprodukte, aber auch Unternehmen oder Vereine sowie die öffentliche Hand. Gerade für Letztere seien die Kosten für die App-Entwicklung interessant. Diese seien mit dem Baukastensystem von Appful um bis zu 90 Prozent unter jenen einer herkömmlichen App-Agentur.

Appful

Das Start-up Appful wurde 2016 von Jürgen Ulbrich und Oskar Neumann gegründet. 2017 erwirtschaftete das Unternehmen eigenen Angaben zufolge einen sechsstelligen Umsatz im „Software as a Service“-Bereich, berichtet die Plattform brutkasten.com. Seitdem sei dieser weiter gewachsen, wird Ulbrich auf der Webseite zitiert.

Der neue Geschäftsführer möchte für das Unternehmen, das bisher seinen Sitz in Mainz hatte, ein Team in Österreich aufbauen. Er ist überzeugt davon, dass eine Agentur für güns­tige Apps auch hierzulande Erfolg haben kann, obwohl es immensen Druck aus Ländern mit einem niedrigeren Lohnniveau gebe. Andernorts würden Entwickler bis zu 30 Prozent weniger verdienen.
Trotzdem haben sich die Verantwortlichen von Appful dazu entschieden, österreichische und deutsche Talente zu fördern. Man glaube daran, dass sich dies auch lohnen könne, wenn das Produkt gut sei, betont Gehrer.

Persönliche Beratung

Er sieht Appful zudem nicht als reines Software-Unternehmen. Vielmehr sollen die Kunden trotz des Baukastensystems verstärkt beim Aufbau ihrer Anwendung unterstützt werden. Denn die meisten Apps, die heute im Alltag verwendet würden, hätten ein Millionen-Budget. Umso wichtiger sei es, dass bei neuen Apps das Benutzererlebnis stimme. Daher gehöre zum Arbeiten mit dem Baukastensys­tem auch persönliche Beratung bei Design und Aufbau. Mit Kundenkontakt und individuellem Support, möchte man sich bei Appful von der Konkurrenz abheben. „Wenn ich Kunde bin, möchte ich jederzeit anrufen können, wenn meine App einen Fehler hat“, meint Gehrer. Bei vielen Internet-Start-ups lande man dabei jedoch in einem Callcenter, das nur bedingt Ahnung vom Produkt hat. Dies solle bei Appful nicht so sein, sagt der 22-Jährige.

Schwierige Suche nach Kapital bremst Start-ups

Bereits im Alter von 15 Jahren hat Lukas Gehrer damit begonnen, Texte im Internet zu veröffentlichen. Nur wenige Zeit später entstand daraus die Werbe­agentur „Wordsmattr“, über die mittlerweile Werbeanzeigen in Magazinen, Podcasts und Zeitungen im DACH-Raum vermittelt werden. Dazu produziert der aus Höchst stammende Jungunternehmer einen wöchentlichen Podcast namens „Der Apfeltausch“.

Die nunmehrige Übernahme des deutschen Start-ups Appful (siehe rechts) sieht der 22-Jährige auch als Zeichen für das Potenzial von Jungunternehmern aus Vorarlberg. Denn zurzeit seien IT-Start-ups hierzulande leider unterrepräsentiert, meint Gehrer. Sich mit einem Unternehmen selbstständig zu machen, sei in Österreich gar nicht so schwierig – vor allem im Vergleich mit Deutschland. Es gebe gute Unterstützung durch die Institutionen, während der Aufwand in der benachbarten Bundesrepublik durchaus höher sei.

Der gebürtige Vorarlberger sieht jedoch Europa in Sachen Start-ups allgemein hinter anderen Regionen wie etwa den USA. Herausfordernd sei es vor allem, an Risikokapital zu gelangen. In Europa seien potenzielle Geldgeber diesbezüglich konservativer als ihre US-Kollegen. „Hier wird fünf Mal nachgerechnet, ob das Risiko ja nicht zu hoch ist – in den USA nur zwei Mal. Schlussendlich ist nichts ohne Risiko“, erklärt der Unternehmer.

In der Gesellschaft sei der Start-up-Gedanke mittlerweile durchaus etabliert. Menschen würden ermutigt, ihre Visionen in die Tat umzusetzen. Und es seien hierzulande „tolle Ideen“ vorhanden. Nachholbedarf gebe es aber im Bildungssystem, meint Gehrer. Hier fehle es oft an den Freiräumen oder auch an der Ermutigung, Neues auszuprobieren. Dabei brauche es keine großen Änderungen, um Jugendlichen den Start-up-Gedanken näher zu bringen. Umso lohnender sei dies, wenn daraus spannende Dinge entstünden.

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