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Stadttunnel-Gegner: “Bau kommt dreimal so teuer”

12.11.2021 • 22:50 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Initiative Statttunnel demonstrierte beim künftrigen Portal Altstadt. <span class="copyright">hartinger</span>
Initiative Statttunnel demonstrierte beim künftrigen Portal Altstadt. hartinger

Initiative „stattTunnel“ fordert Aktualisierung der Kostenberechnung und Kosten-Nutzen-Analyse.

Dort, wo seit Kurzem der erste Stollen für den Stadttunnel Feldkirch in den Berg getrieben wird, hat sich gestern ein kleines Grüppchen Menschen versammelt, um einmal mehr gegen das viel diskutierte Straßenbauprojekt zu protestieren. Die streitbare Initiative „stattTunnel“ forderte die Politik auf, das Megaprojekt „aus dem vergangenen Jahrtausend“ zu stoppen und die Berechnungen aus dem UVP-Verfahren von 2013 zu aktualisieren.

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Sinnbild für zerplatzte Träume

Die beiden Sprachrohre der Initiative, Friederike Egle und die frühere Umweltstadträtin Marlene Thalhammer (Grüne), hatten beschriftete Luftballons zur Freiluft-Pressekonferenz neben der Pädagogischen Hochschule mitgebracht. Am Ende wurde den Luftballons mit einer Nadel symbolträchtig der Garaus gemacht. „Als Sinnbild für die zerplatzten Träume der Jugend“, erklärte Egle. Auf den Luftballons standen Schlagworte wie „Bäume“, „frische Luft“ und „Bildung“. Bei letzterer, so führte Egle aus, „muss um jede Planstelle gefeilscht werden. Beim Straßenbau hingegen ist Geld kein Problem“.

Zerplatze Träume: Die Tunnelgegner stechen mit einer Nadel in die mitgebrachten Luftballons. <span class="copyright">hartinger</span>
Zerplatze Träume: Die Tunnelgegner stechen mit einer Nadel in die mitgebrachten Luftballons. hartinger

“Dreimal so teuer”

Apropos Geld: Das Land beziffert die Kosten für den Stadttunnel mit 260 bis 275 Millionen Euro. Diese Berechnung hält die Initiative für längst überholt. Egle weist darauf hin, dass die Berechnungen der Baukosten im UVP-Verfahren aus dem Jahr 2011 stammen. „Aufgrund der Kostenentwicklung am Markt gehen wir von einer Verdopplung bis Verdreifachung der Baukosten aus“, betonen Egle und Thalhammer.

Klimakosten

Ebenfalls noch einmal durchgerechnet werden sollte nach Ansicht der Initiative die Kosten-Nutzen-Analyse, vor allem in Hinblick auf die Klimakosten, sagt Thalhammer. „In den Einreichunterlagen sind die Klimakosten mit null Euro angegeben. Uns ist kein Straßenbauprojekt bekannt, das weder im Bau noch in der Nutzung Klimakosten verursacht.“

Lkw-Problem

Als weitere wichtige Maßnahme sieht Thalhammer die Lösung des Lkw-Problems. Wie berichtet, entsteht vor dem Zollamt Tisis immer wieder ein Lkw-Stau, der teilwiese bis zum künftigen Standort des Portals Tisis zurückreicht. Dieses Problem muss das Land laut einer Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts noch vor der Fertigstellung des Tunnels im Jahr 2030 in den Griff bekommen. Die Initiative forderte am Freitag einmal mehr, dass Politik und Verkehrsplanung sich der Sache sofort annehmen sollen. „Die Bevölkerung kann nicht weitere zehn Jahre warten“, sagt Egle.

Noch gerichtsanhängig

Ganz allgemein kritisieren Egle und Thalhammer, dass mit dem Bau des Erkundungsstollens bereits begonnen wurde, obwohl das endgültige Urteil des Höchstgerichts noch nicht vorliege. Wie berichtet, hatte die Initiative eine außerordentliche Revision am Verwaltungsgerichtshof eingebracht, dem Rechtsmittel wurde allerdings keine aufschiebende Wirkung zuerkannt. Das Land darf also rechtlich gesehen mit den Bauarbeiten beginnen.

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