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Die Feuerwehrleute der Lüfte

14.11.2021 • 11:00 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
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Flughelfer Egg

Seit über 40 Jahren gibt es in Vorarlberg Flughelfer ­bei Feuerwehr.

Insgesamt 13 Tage lang waren fast 9000 Helfer – darunter 7750 Feuerwehrleute – in Niederösterreich mit der Bekämpfung eines Waldbrandes in der Marktgemeinde Reichenau an der Rax beschäftigt. Dabei kamen insgesamt 16 unterschiedliche Fluggeräte zum Einsatz, die zusammen etwa fünf Millionen Liter Wasser über dem Einsatzgebiet abgeworfen haben.

Mit großem Interesse hat auch Sepp Wirthensohn aus Egg die Geschehnisse in Nieder­österreich verfolgt. Er ist seit 1975 Feuerwehrmann in seiner Heimatgemeinde, aber auch Landeskoordinator der Feuerwehr-Flughelfer in Vorarlberg. Zudem ist Wirthensohn Mitglied im Sachgebiet „Waldbrandbekämpfung und Flugdienst“ beim Bundesfeuerwehrverband.

Vier Stützpunkte

Seit über 40 Jahren gibt es in Vorarlberg Flughelfer bei der Feuerwehr. Sie sind speziell für diese Aufgabe ausgebildet und kommen bei Waldbränden, bei denen die Löscharbeiten von Hubschraubern unterstützt werden, zum Einsatz. Die Experten fungieren dabei als Bindeglied zwischen den Einsatzkräften der Feuerwehr und den Piloten. Wie in anderen Bereichen gibt es Stützpunktfeuerwehren, die diese Spezialaufgabe übernehmen. Im Bereich des Flugdienstes sind dies die Feuerwehren Egg, Hohenems, Frastanz und Nüziders. In jedem Bezirk gibt es somit eine Wehr, in der vier ausgebildete Flughelfer ihren Dienst tun. Dazu kommen noch jeweils 10 bis 15 speziell geschulte Feuerwehrleute, die als Landeplatzhelfer zum Einsatz kommen.

Sepp Wirthensohn ist schon seit 1975 Feuerwehrmann in seiner Heimatgemeinde. Mittlerweile ist er auch Landeskoordinator der Feuerwehr-Flughelfer. <span class="copyright">Hartinger</span>
Sepp Wirthensohn ist schon seit 1975 Feuerwehrmann in seiner Heimatgemeinde. Mittlerweile ist er auch Landeskoordinator der Feuerwehr-Flughelfer. Hartinger

In den Zuständigkeitsbereich der Flughelfer fallen alle Aufgaben, die im Zusammenhang mit dem fliegenden Gerät stehen. So unterstützen sie beispielsweise bei der Festlegung geeigneter Landeplätze und sorgen für die Sicherheit aller Beteiligten. Ebenso bereiten sie Lasten vor, die mit dem Hubschrauber ins Einsatzgebiet gebracht werden, oder sie koordinieren den Transport von Einsatzkräften auf dem Luftweg. Die Spezialisten unterstützen außerdem den Einsatzleiter der örtlichen Feuerwehr mit ihrem Fachwissen und kümmern sich um die gesamte Logis­tik im Zusammenhang mit dem Hubschraubereinsatz. Nicht zuletzt koordinieren die Experten in den meisten Fällen auch den Flugbetrieb. Eine Ausnahme sind dabei laut Wirthensohn jedoch Einsätze, an denen mehr als drei Maschinen des österreichischen Bundesheers beteiligt sind. Dann wird die Koordination von den Verantwortlichen des Heeres übernommen.

Gegenseitiges Vertrauen

Die Tätigkeit als Flughelfer ist äußerst komplex. Daher stehen jedes Jahr neben der üblichen Aus- und Weiterbildung mindestens zwei Übungen auf dem Programm. „Dies ist auch im Manual von Polizei und Bundesheer so vorgeschrieben“, betont Wirthensohn. Denn nur durch die regelmäßige Zusammenarbeit lässt sich eine Vertrauensbasis aufbauen. Schließlich tragen sowohl die Piloten als auch die Flughelfer eine hohe Verantwortung. Umso wichtiger ist es, sich im Einsatz aufeinander verlassen zu können und gut zusammenzuarbeiten.

Auch der Transport von Lasten ist im Ernstfall eine wichtige Aufgabe. <span class="copyright">Hartinger</span>
Auch der Transport von Lasten ist im Ernstfall eine wichtige Aufgabe. Hartinger

Dies spiegelt sich daher auch in der Ausbildung der Feuerwehrleute wider. Sie müssen nicht nur über die Waldbrandbekämpfung Bescheid wissen, sondern sie müssen sich auch mit den Hubschraubern, die zum Einsatz kommen, auskennen. „Es geht darum, zu wissen, was möglich ist und was nicht“, bringt es der Landeskoordinator auf den Punkt. Dabei geht es beispielsweise um die Frage, wie viel Last ein Helikopter befördern kann. Auch mit den Piloten gibt es einen engen Austausch, um von ihnen zu erfahren, was fliegerisch möglich ist und was nicht. Dies ermöglicht es auch, als Bindeglied zwischen den Besatzungen der Fluggeräte und dem Feuerwehr-Einsatzleiter zu fungieren.

Es geht darum, zu wissen, was möglich ist und was nicht.

Sepp Wirthensohn, Landeskoordinator Flughelfer

Die Flughelfer sind zwar allesamt auch Feuerwehrleute, im Einsatz tragen sie jedoch eine andere Bekleidung als ihre Kollegen. „So sind sie von den Piloten schon von Weitem und aus der Luft erkennbar“, erläutert Wirthensohn. Zudem verfügen die Experten über eigene Funkgeräte, die es ihnen ermöglichen, auf einer speziellen Frequenz mit der Hubschrauberbesatzung zu kommunizieren, ohne dabei vom restlichen Funkverkehr der anderen Einsatzkräfte gestört zu werden.

Löschwasser

Egg und Nüziders sind nicht nur Flughelfer-, sondern auch Waldbrandstützpunkte. Daher verfügen die Feuerwehren über weiteres Spezialgerät zur Brandbekämpfung. Dazu gehören etwa spezielle Löschrucksäcke, die Feuerwehrleute im Gelände nutzen können. Die Utensilien sind auf einem eigenen Anhänger gelagert. Auf diesem befinden sich auch eine Pumpe sowie C- und D-Schläuche. Früher wurden nach Angaben von Wirthensohn Schläuche mit größerem Durchmesser verwendet, allerdings sei mit diesen unnötigerweise auch viel Wasser verbraucht worden. Dieses ist aber gerade in unwegsamem und schwer zugänglichem Gelände oftmals Mangelware. Darum ist ein sparsamer Umgang damit gefragt.

Für die Waldbrandbekämpfung verfügen die Stützpunkte über spezielles technisches Gerät. <span class="copyright">Hartinger</span>
Für die Waldbrandbekämpfung verfügen die Stützpunkte über spezielles technisches Gerät. Hartinger

Nicht zuletzt ist auf dem Anhänger auch noch ein sogenannter Bambi Bucket verstaut. Der faltbare Behälter fasst 400 Liter Wasser und kann an einer langen Leine an einem Hubschrauber befestigt werden, um Waldbrände aus der Luft zu bekämpfen. Genauso gut können mit dem Bambi Bucket aber auch Löschwasserbehälter gefüllt werden, damit Feuerwehrleute den Brand am Boden eindämmen können.

Handarbeit

In der öffentlichen Wahrnehmung ist sicherlich der Wasserabwurf der bekannteste Einsatzzweck von Hubschraubern bei der Waldbrandbekämpfung. Allerdings erfüllen die Fluggeräte – wie bereits erwähnt – noch viele weitere Aufgaben, die für die Feuerwehrleute im Einsatz von genauso großer Bedeutung sind. Umso erfreulicher ist es für Wirthensohn, dass die Zusammenarbeit mit der Polizei, dem Bundesheer und auch privaten Betreibern in Vorarlberg gut funktioniert. „Das Löschen eines Waldbrandes ist dennoch Handarbeit, bei der Hubschrauber eine sinnvolle Ergänzung sind – für Mannschafts-, Material- und Wassertransporte ebenso wie zur laufenden Lageerkundung“, sagt der Experte.

Brandbekämpfung aus der Luft im Jahr 2015 in Nüziders. <span class="copyright">vol.at/Pletsch</span>
Brandbekämpfung aus der Luft im Jahr 2015 in Nüziders. vol.at/Pletsch

Um größere Schäden durch Brände zu verhindern, spielen zahlreiche Faktoren eine Rolle. Laut Wirthensohn gehört dazu etwa eine rasche Alarmierung der Einsatzkräfte. Ein wichtiger Faktor ist auch, dass die Feuerwehren im Land gut mit Tank­löschfahrzeugen und teilweise auch Großtanklöschfahrzeugen ausgerüstet sind. Dadurch ist im Ernstfall eine gute Löschwasserversorgung garantiert. Weiters sei auch das Bewusstsein in der Bevölkerung gestiegen, wenn es um die Verhinderung von Waldbränden geht, freut sich der Egger Feuerwehrmann. Und sollte es dennoch zum Ernstfall kommen, stehen er und zahlreiche weitere freiwillige Helfer bereit, um dem Feuer die Stirn zu bieten. So wie es jüngst die Tausenden Kollegen in Niederös­terreich getan haben.

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