Allgemein

In komplexer Welt Lösung möglich machen

14.11.2021 • 17:55 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Symbolbild
Symbolbild EtiAmmos – stock.adobe.com

Optimist oder Pessimist? Experten setzen auf „Ermöglicher“.

Berufliche Erfolge in unruhigen Zeiten sind per se eine Herausforderung. Alles scheint im Umbruch, Aufbruch oder Abbruch. Das Ende der Linearität, die permanent zunehmende Beschleunigung und der exponentielle Wandel kreieren immer häufiger unvorhersehbare Entwicklungen und Ereignisse. Daraus ergeben sich neue Fallen, Ängste, aber auch Chancen. Alte Leitsätze und tradierte Lösungen reichen dabei selten.

Was gefragt ist, ist Wissen, das richtige Maß an Mut und Risikobereitschaft, den bewährten Weg dann und wann zu verlassen. Berater bezeichnen das neuerdings als „Lösungsbegabungen“. Der Genetiker Markus Hengstschläger und Zukunftsforscher Matthias Horx haben diesbezüglich drei Typen herausgefiltert.

Die Optimisten

Selbst die Zuversicht ist nicht eindimensional. Horx unterscheidet in seinem Buch „15½ Regeln für die Zukunft“ zwischen taktischen Optimisten, die nur so tun als ob und eigentlich zynisch sind, und selbstbetrügerischen Optimisten, die von tief sitzenden Schwierigkeiten ablenken wollen. Als dritte Spielart nennt Horx den narzisstischen Optimisten, „der sich in Wahrheit wenig um das Wohlergehen der Welt schert, und das Lächeln eher als eine Art Zwangshaltung einübt – als Maske, hinter der man das eigene Elend verbergen kann“.

Hengstschläger fügt noch den blauäugigen Optimisten dazu. Er handelt nach dem Grundsatz „Das geht sich schon aus!“ Begleitet wird dieser unbeschwerte Problemlösungszugang von einem ausgeprägten Verlassen auf „die anderen“. Was fehlt, ist Eigenverantwortung als Teil eines gesellschaftlichen Gesamtsystems. Ernüchterndes Ergebnis: Die Probleme kommen – und bleiben, weil gelöst wird von dieser Gruppe nichts. Was folgt, sei eine allgemeine Mitmachkrise, so Hengstschläger.

Horx warnt vor einer anderen Dimension des Optimismus: ein fast hysterischer Positivismus. Man muss das Schlechte, das Schlimme, das Deprimierende ignorieren, darf es nicht an sich heranlassen. „Wer in seiner zuversichtlichen Grundhaltung aber Hindernisse ignoriert, stellt sich selbst ein kognitives Bein“, warnt Horx: „Er fällt über seine Selbst-Illusionen, wenn es nicht klappt.“ An diesem Punkt läuft man dann Gefahr, ins diametrale Lager überzulaufen.

Die Pessimisten

Sie haben es „immer schon gewusst, dass das nichts werden kann“. Und selbst wenn es sich dieses Mal noch irgendwie ausgehen sollte: Spätestens beim nächsten Mal wartet der Untergang. Deshalb erkennen sie wenig Grund, sich zu engagieren. Daraus ableitend, sieht Hengstschläger auch diese Gruppe als Teil einer gesellschaftlichen Mitmachkrise. Geraunzt wird viel, gelöst wenig. Und wenn den Justament-Pessimisten ein Stein vom Herzen fällt, fällt er ihnen bestimmt auf den Fuß. Dagegen kreiert der Pessimist laut Horx eine „innere Vermeidungsstrategie, die ihn unverletzlich machen soll“.

Darin liege auch die Attraktivität des Pessimistischen: Man versuche, so Horx, durch die mentale Vorwegnahme von Schmerzen diese Schmerzen zu vermeiden: „Das Schlimme ist nur: Es stimmt nicht.“ Beispiel? Zahnarztbesuch. Der Zukunftsforscher begründet seinen Ratschlag, sich vom „Hin-und-Hertaumeln zwischen Optimismus und Pessimismus“ zu verabschieden, provokativ: „Pessimismus führt irgendwann zu Bösartigkeit und Verbitterung. Optimismus führt zu fürchterlichen Enttäuschungen mit Depressionsgarantie. Was dann?

Die Possibilisten

Auf ihnen, den Ermöglichern, ruht die Hoffnung, ist Hengstschläger überzeugt. Sie machen das Problem zur Lösung. Possibilisten wissen, dass „alles nicht ganz einfach ist“, aber auch, dass es das ohnehin noch nie war und auch in Zukunft nicht sein wird. Sie vertrauen aber darauf, dass immer eine Lösung existiert, wenn nicht gar eine Verbesserung. Versteht man Possibilismus demnach als „Umgang mit Unwägbarkeiten und Unsicherheiten auf einer vertrauensvollen Basis mit sich selbst“ (Horx), wird diese „Anpacker“-Mentalität in Zeiten der Um-, Auf- und Abbrüche als solide Basis für beruflichen Erfolg.

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.