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Mega-Kiesabbau wird konkreter

14.11.2021 • 10:59 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
So sieht das Naherholungsgebiet Paspels derzeit noch aus.
So sieht das Naherholungsgebiet Paspels derzeit noch aus.

UVP-Vorverfahren für Abbaugebiet wurde bereits beantragt.

Seit die Landesregierung das Moratorium für Nassbaggerungen im Jahr 2018 aufgrund drohender Rohstoff- und Deponie-Engpässe aufgehoben hat, werden im Gebiet Paspels in Feldkirch wieder große Kiesgewinnungspläne geschmiedet. Wie berichtet, will die Agrargemeinschaft Altgemeinde Altenstadt als Grundbesitzerin gemeinsam mit Hilti & Jehle auf einer Fläche im Ausmaß von rund 50 Fußballfeldern rund 7,5 Millionen Tonnen Kies abbauen und 8 Millionen Kubikmeter Aushubmaterial einbauen. Ein Millionengeschäft. Im Jahr 2020 gründeten genannte Akteure die Kiesverwertung Feldkirch Paspels GmbH. Beide Partner halten jeweils 50 Prozent an der Gesellschaft.

Geht es nach den Projektwerbern könnte das Gebiet in 60 Jahren so aussehen.
Geht es nach den Projektwerbern könnte das Gebiet in 60 Jahren so aussehen.

Die Pläne werden nun langsam, aber sicher immer konkreter, wie eine NEUE-Nachfrage bei den Projektwerbern und im Landhaus ergab. Bereits im Juli beantragte die GmbH die Durchführung eines freiwilligen UVP-Vorverfahrens. Darin wird unter anderem der Umfang der für die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) notwendigen Untersuchungen festgelegt. „Die Sachverständigen haben zwischenzeitlich ihre Beurteilung schriftlich der Behörde vorgelegt“, heißt es aus dem Büro des zuständigen Landesrats Marco Tittler (ÖVP). Man sei bemüht, das Vorverfahren rasch abzuschließen, sodass für das Projekt möglichst bald eine Umweltverträglichkeitsprüfung beantragt werden könne.

Hilti&amp;Jehle-Geschäftsführer Alexander Stroppa. <span class="copyright">Hartinger</span>
Hilti&Jehle-Geschäftsführer Alexander Stroppa. Hartinger

Einreichung im Frühjahr 2022

Hilti & Jehle-Geschäftsführer Alexander Stroppa und Agrar-Obmann Robert Ess rechnen mit einer Einreichung im Frühjahr 2022. „Wir haben uns ganz bewusst für den langen Weg eines UVP-Verfahrens entschieden. Unser Projekt soll für alle transparent und nachvollziehbar sein. Etwaige Befürchtungen von Anrainern werden wir sehr ernst nehmen“, sagt Stroppa. Die UVP wird wohl mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Die Kosten für das Verfahren schätzt der Geschäftsführer auf rund eine Million Euro (!). Besonders genau geprüft werden müssen in diesem Gebiet mögliche Auswirkungen auf die Grundwasserströme, zumal in der Nachbargemeinde Meiningen noch jeder Hausbesitzer seinen eigenen Brunnen schlägt. „Das war natürlich das erste, das wir untersuchen lassen haben“, sagt Ess. Mit offenbar positivem Ergebnis – auch im Hinblick auf ein mögliches Schadensereignis bei der Altdeponie in den Rüttenen. „Die Situation für die Brunnen würde sich in diesem Fall durch unser Projekt sogar verbessern“, ergänzt Stroppa.

Robert Ess, Obmann der Agrargemeinschaft. <span class="copyright">NEUE Archiv</span>
Robert Ess, Obmann der Agrargemeinschaft. NEUE Archiv

Verkehr

Ebenfalls ein sensibles Thema sind die Auswirkungen auf den Verkehr. Agrar-Obmann Ess weist diesbezüglich darauf hin, dass das Abbaugebiet nicht im Siedlungsgebiet liege und an das hochrangige Straßennetz angeschlossen sei. Seiner Meinung nach sind das „ganz klare Vorteile“. Befürchtungen der Marktgemeinde Rankweil, dass die geplante Kiesgrube zu deutlich mehr Verkehr an den bereits stark belasteten Kreiseln zwischen Autobahn und Interspar Altenstadt führen könnte, sind laut Stroppa bereits durch Berechnungen widerlegt worden. „Wir müssen schon seit Jahren Rohkies zuführen. Diese Lkw-Fahrten würden wegfallen, weil das Material ja dann über ein Förderband direkt in die Kiesaufbereitung geliefert werden würde“, schildert der Geschäftsführer.

Rechtsgutachten noch in Arbeit

Wie berichtet, hat die Stadt Feldkirch vor mehr als zwei Jahren ein Privatgutachten in Auftrag gegeben, das der Frage nachgeht, welche rechtlichen Ansprüche die Stadt auf die im Jahr 1960 an die Agrar Altenstadt übertragenen Grundstücke hat. Die Endausarbeitung der Expertise wird wohl noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Laut Stadtrat Benedikt König (ÖVP) möchte der Gutachter noch Tatsachenerhebungen aus alten Protokollen vornehmen, „die transkribiert werden müssen, da die Handschriften sehr unleserlich sind“. Sobald das Gutachten fertig ist, werde man es als ers­tes mit der Agrargemeinschaft diskutieren so König.

Abgebaut werden sollen durchschnittlich 150.000 Tonnen Kies im Jahr. Dies entspricht laut Stroppa „mehr oder weniger“ jener Menge, die Hilti & Jehle derzeit im Werk neben dem künftigen Abbaugebiet aufbereitet. Die Abbaufelder sollen in weiterer Folge kontinuierlich mit Aushubmaterial und Waschschlamm, der bei der Kiesaufbereitung anfällt, verfüllt werden. Am Ende, so der Plan, soll die Aushubdeponie wieder aufgeforstet werden und ein rund neun Hektar großes Flachwasserbiotop entstehen.

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