Kommentar

Auf dem Rücken der Kinder

17.11.2021 • 08:39 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
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Jon Cherry/Getty Images/AFP

Auch Kinder landen mittlerweile auf den Intensivstationen.

Die Infektionszahlen bei Kindern und Jugendlichen steigen rapide an. Wie die Ages berichtet, ist die Sieben-Tages-Inzidenz bei unter 5-Jährigen auf 450 gestiegen.

Bei den 5- bis 14-Jährigen beträgt die Inzidenz sogar knapp 2300, was den höchsten Wert aller Altersgruppen bedeutet. In den Spitälern werden mittlerweile auch unter 12-Jährige behandelt. Die jüngste Intensivpatientin ist vier Jahre alt. Das Mädchen leidet nach einer Coronaerkrankung an der Multiorgan-Entzündung PIMS, einer Covid-Folgewirkung.

Für die unter Zwölfjährigen gibt es noch keinen zugelassenen Impfstoff. Aus diesem Grund sind sie besonders schützenswert. Doch gleichzeitig haben die Kinder keine Interessensvertretung, die jedes Mal laut aufschreit, wenn ihnen Unrecht getan wird. Es fehlt die Lobby und eine Stimme, die von der Politik gehört wird. Die Erkrankung der Kinder wird in Kauf genommen. Auch von all jenen, die sich nicht impfen lassen. Sie wälzen die Verantwortung für die Gesundheit der Jüngsten auf eben diesen ab.

Hohe Belastung

In den Apotheken gibt es außerdem keine kostenlosen Antigentests für zu Hause mehr. Diese dienten den Eltern aber zur Testung der Kinder in den eigenen vier Wänden, wenn der Nachwuchs Symptome entwickelte. Kinder sind von Oktober bis März sehr anfällig für Husten, Schnupfen oder auch Fieber. Die Volksschulen, Kindergärten und Spielgruppen sind voll von hustenden Kindern. Eltern können nicht jedes Mal bei einer Erkältung der Kinder der Arbeit fernbleiben und Pflegeurlaub beantragen. Das würde den Rahmen sprengen und kein Arbeitgeber mitmachen.

Tests zu teuer

Daher war es zielführend, mit Wohnzimmertests zumindest abzuchecken, ob eine Coronainfektion vorliegt oder nicht. Diese Möglichkeit wurde nun genommen, da die Kosten für die Antigentests für viele Familien nicht zu stemmen sind. Vier Lollipop-Tests in der Apotheke kosten 60 Euro. Bei der aktuellen Infektionslage wäre es wichtig, weiterhin kostenlose Schnelltests anzubieten. Da es diese aber in den Apotheken nicht mehr gibt, schicken viele Eltern die Kinder trotz Husten in die Spielgruppe, die Volksschule oder den Kindergarten. Schließlich haben sie keine andere Wahl, nicht wissend, ob sie eventuell infiziert sind. Im Falle einer Coronainfektion stecken sie weitere, ungeimpfte Kinder an und das Virus verbreitet sich. Doch wen interessiert das schon. Schließlich sind es nur Kinder und ihnen fehlt bekanntlich die Stimme, um von der Politik gehört und damit ernstgenommen zu werden.