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Ein Vergnügen, das von kurzer Dauer war

19.11.2021 • 21:51 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Ein Vergnügen, das von kurzer Dauer war
Eine Woche lang konnte der Bregenzer Weihnachtsmarkt heuer geöffnet bleiben. Hartinger (7)

Am Sonntag war der Bregenzer Weihnachtsmarkt eröffnet worden. Eine Woche später muss er wieder schließen.

Anfang der Woche. Es ist früher Abend und nicht besonders kalt. Der Bregenzer Weihnachtsmarkt auf dem Kornmarktplatz hat seit wenigen Tagen geöffnet und für einen Wochentag sind dort relativ viele Leute unterwegs. Maskenpflicht gibt es nicht. „Bis jetzt ist es ganz ok“, sagt ein Süßwarenverkäufer, dessen Stand sich gleich am Anfang des Marktes befindet. Er steht hinter einem großen Lebkuchenherz, auf dem „Ich liebe dich“ steht. Wenn es so bleibe, dann sei das durchaus in Ordnung. Sollten weitere Maßnahmen kommen, werde es schwierig, meint er. An einen Lockdown denkt er nicht.

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Das Geschäft sei ganz gut angelaufen, erklärte der Süßwarenverkäufer.

An einem weiteren Stand verkauft Gehard Marschik aus Wolfurt Holzwaren. Die Produkte, darunter Gewürzmühlen, Schneidebretter und Dekoartikel, sind aus heimischen Hölzern und alle von ihm selbst hergestellt, betont er. Bereits am Eröffnungstag, am Sonntag, war viel los, erzählt Marschik. Am Anfang werde aber eher geschaut und erst am Schluss gekauft, so seine Erfahrung. „Ich habe den Leuten aber gesagt, sie sollen gleich kaufen, weil man nicht weiß, wie lange der Markt wirklich offen bleiben kann“, sagt er. Wie richtig er damit lag, wusste er zu dem Zeitpunkt allerdings noch nicht. „Die Leute wollen raus“, stellt er fest, „Weihnachten steht vor der Tür.“

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Wollte eigentlich seine Holzprodukte verkaufen: Gerhard Marschik aus Wolfurt.

Gleich daneben in einer kleinen Ecke steht ein „Maroni-Mann“ vor einem warmen Ofen, auf dem die Pfanne liegt, in der er die Kastanien bratet. Es ist Benjamin Ganterer aus Südtirol, der bereits zum fünften Mal auf dem Weihnachtsmarkt in Bregenz ist. Bisher sei es ganz gut gelaufen, erzählt er. Vielleicht ein bisschen weniger als in anderen Jahren sei bisher gegangen, aber er sei schon zufrieden, zeigt sich der Südtiroler pragmatisch.

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Bei den Gastrobereichen wurde streng kontrolliert.

Sehr gut gefüllt sind an diesem Tag die abgesperrten Gastrobereiche. Dort wird streng kontrolliert. Nicht nur der 2-G-Nachweis, sondern auch ein Lichtbildausweis müssen vorgezeigt werden. Dann erst erhält man ein Armband, dessen Farbe jeden Tag wechselt. Damit können dann alle Gastrobereiche betreten werden. Einer der Kontrolleure ist Manfred. Seinen Nachnamen möchte er nicht nennen. „Es wird alles versucht, um reinzukommen“, erzählt er. So würden Leute regulär reingehen und dann versuchen, ihr Handy mit dem Grünen Pass an (vermutlich ungeimpfte) Kollegen nach draußen zu geben. Es seien auch viele falsche Impfpässe dabei, informiert der Security-Mann. Vom Großteil der Kontrollierten gebe es aber viel Zustimmung für die strenge Handhabe, berichtet er.

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“Ausnützen, so lange es geht”: Susanne Grass und Nadina Hirscher aus Lustenau.

In einem der Gastrobereiche sitzen auch Nadina Hirscher („wie der Skifahrer“) und Susanne Grass aus Lustenau vor einem Glühwein. Die beiden sind mit ihren Kindern da, die sich auf der kleinen Eisfläche vor dem vorarlberg museum tummeln. Es ist heuer ihr erster Besuch auf dem Weihnachtsmarkt, erzählen die zwei Frauen. „Wir wollen die Stimmung genießen und es ausnützen, so lange geöffnet bleibt“ – die Befürchtung, dass das nicht bis Weihnachten der Fall sein wird, schwingt mit. Eine Befürchtung, die sich nun bestätigt hat. Es sei einfach etwas anderes, den Glühwein auf einem Weihnachtsmarkt zu trinken als zu Hause, stellen die beiden fest.

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Die drei Freundinnen Leonie, Verena und Melanie.

In einem anderen Gastrobereich sind die drei 16- und 17-jährigen Freundinnen Leonie, Verena und Melanie. Die Mädchen kommen aus Hohenweiler, Eichenberg und Lauterach und haben einiges vor, wie sie mit einem Lachen und nicht ganz ernst erzählen: „Wir kommen jeden Tag, weil wir alle farbigen Armbänder wollen.“ Daraus wird jetzt nichts. An diesem Tag waren sie aber lange in der Schule, berichten sie, und den Abschluss bildete der gemeinsame Besuch des Marktes.

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Spezialitätenverkäuferin Tanja Kohler.

Gleich daneben steht die Vorarlbergerin Tanja Kohler in einem Stand mit Südtiroler Spezialitäten. „Der Sonntag war überraschend gut“, erzählt sie. Dafür, dass 2-G gelte, merke man eigentlich keinen Unterschied zu früher.

Damit ist es nun aber fast vorbei. Bis morgen Abend soll der Weihnachtsmarkt noch geöffnet bleiben, wie der Verantwortliche des Bregenzer Stadtmarketings am Freitagnachmittag mitteilte. Ab Montag ist der Bregenzer Weihnachtsmarkt 2021 dann schon wieder Geschichte. Ebenso wie der Christkindlemarkt in Dornbirn, der erst gestern eröffnet worden war und morgen wieder schließt.