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Corona: Nur gemeinsam geht es uns allen gut

21.11.2021 • 15:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Heidi Salmhofer mit ihrer Sonntags-Kolumne in der Neue am Sonntag.

Da ist ja kein Ebola, dann würd’ ich’s verstehen“, ist ein Satz, der mir in letzter Zeit in Bezug auf die Maßnahmen gegen die noch immer anhaltende Pandemie öfters untergekommen ist. Das gruselt mich. Reicht die Anzahl an toten Mitmenschen noch nicht? Muss die Gefahr erst so groß sein, dass sich auch wirklich jeder essenziell bedroht davon fühlt?

Bei Ebola kann ich mir im Kopf wirklich keine Ausrede mehr zurechtlegen, dass es ja „eh nur“ die Schwächeren, Kränkeren, Älteren unserer Gesellschaft betrifft. Schon allein dieser Gedankengang ist so grauslich, dass es mir eine Gänsehaut aufzieht. Ich finde, genau das macht uns zu Menschen, dass wir auch auf jene unter uns Rücksicht nehmen, die weniger robust durchs Leben gehen können. Brauchen wir wirklich eine direkte, greifbare ­Bedrohung des eigenen Lebens, damit wir als Gemeinschaft handeln?

Dabei hat uns dieses verdammte Virus doch schon in seiner grausamsten Form gezeigt, dass es jeden von uns grob erwischen kann. Niemand ist gefeit davor, dass er für Wochen, angeschlossen an Beatmungsgeräte, auf der Intensivstation landet. Aber für manchen ist das noch immer gedanklich viel zu weit weg. Sind wir untereinander schon so entfremdet, dass wir vergessen haben, was es heißt, auch für Menschen, die sich nicht in unserem direkten Umfeld bewegen, empathisch zu sein? Ich kann nachvollziehen, dass man sich nicht mit jedem Leid dieser Welt beschäftigen mag, das kann einem das Leben schon ganz schön madig machen. Aber wenn es doch wirklich so einfach wäre, einander zu helfen? Es stimmt, wir können uns leider nicht als Gemeinschaft gegen Krebs wehren, wir können als Gemeinschaft wenig gegen Herzkrankheiten tun oder gegen Tumore. Aber wir können ganz simpel und ganz einfach, ganz unpolitisch und unkapriziös diesem Virus den Kampf ansagen.

Und ja, wir können gemeinsam verhindern, dass ein Wiener Papa auf der Intensivstation um sein Leben kämpft, dass eine Kärntner Oma dieses Weihnachten keine Kekse für ihre Enkeln machen kann. Wir können gemeinsam verhindern, dass dieses – man möge mir die Wortwahl verzeihen – Scheiss-Virus anfängt, auf unsere Kinder loszugehen. Es ist ein Paradox, aber wenn jeder nur auf sich schaut, geht’s uns allen nicht gut. Und jetzt werde ich noch einmal motivierend sagen: Halten wir zusammen, erledigen wir noch einmal in gekonnter Manier diesen nächsten Lockdown – wir sind bei sowas ja alle miteinander schon Vollprofis – und dann zeigen wir endgültig diesem Virus unseren Mittelfinger. Gemeinsam. Mit Freude.

Heidi Salmhofer ist freiberufliche Theatermacherin und Journalis­tin. Sie lebt mit ihren Töchtern in Hohenems.