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Kampf gegen Folter und Wahlfälschung

21.11.2021 • 14:33 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Oppositions-Ikone Swetlana Tichanowskaja
Oppositions-Ikone Swetlana Tichanowskaja AFP

Swetlana Tichanowskaja führt die weißrussische Protestbewegung.

Ihr Mann ist seit Mai 2020 im Gefängnis in Weißrussland. Sie sprangen für ihn als Präsidentschaftskandidatin gegen Lukaschenko ein, obwohl sie nie Politikerin sein wollten. Nach Ihrem Sieg mussten sie mit Ihren zwei Kindern ins Exil nach Litauen und führen von dort aus die Demokratiebewegung an. Wie kommen Sie mit dieser permanenten Ausnahmesituation zurande?

SWETLANA TICHANOWSKAJA: Ein normales Familienleben ist ohne meinen Mann unmöglich. Ich versuche eine gute Mutter für meine Kinder zu sein. Die Zeiten sind wirklich hart, aber ich weiß, welche Verantwortung ich trage. Ich muss mit vielem fertig werden. Doch hinter mir stehen Millionen Bürger, die dasselbe wollen wie ich: die Freilassung aller politischen Gefangenen und Neuwahlen in Weißrussland. Mein Leben ist ein Kampf, aber ich habe keine Wahl; ich muss tun, was zu tun ist.

Haben Sie Kontakt zu Ihrem Mann?

In Weißrussland haben politische Gefangene keine Möglichkeit, direkt mit ihren Verwandten zu kommunizieren. Das läuft über Anwälte. Wir können Briefe schreiben, das tun auch meine Kinder.

Zur Person

Swetlana Tichanowskaja (Sviatlana Tsikhanouskaya), geboren 1982, arbeitete ursprünglich als Übersetzerin. 2020 kandidierte sie als Oppositionskandidatin bei der Präsidentschaftswahl und führte in der Folge mit einem Frauen-Trio die Protestbewegung an.

Swetlana Tichanowskaja
Tichanowskaja mit Bildern von verletzten DemonstrantenAPA

Fritz-Csoklich-Demokratie-Preis

Der Styria-Medienkonzern vergibt den Fritz-Csoklich-Demokratiepreis 2021 an das Führungstrio der weißrussischen Opposition unter Swetlana Tichanowskaja und ihren Mitstreiterinnen Maria Kolesnikowa und Veronika Zepkalo.

Der Preis wurde erstmals 2019 vergeben – ausgezeichnet wurde damals der Universalkünstler Arik Brauer für seinen Einsatz gegen politische Polarisierung.

Der Preis wird in Erinnerung an den langjährigen Chefredakteur der Kleinen Zeitung, Fritz Csoklich (1929–2009), ausgeschrieben, der sich zeit seines Lebens um das Funktionieren von Demokratie bemühte.

Festnahmen bei Protesten gegen die Wahlfälschung in Minsk
Festnahmen bei Protesten gegen die Wahlfälschung in MinskAPA

Stichwort: Weißrussland

Seit 1994 ist der autoritär regierende Alexander Lukaschenko in Weißrussland (Belarus) an der Macht. Bei der Präsidentschaftswahl 2020 gab es vielfache Hinweise auf Fälschung.
Die EU erkennt den von Lukaschenko behaupteten Wahlsieg nicht an und verhängte Sanktionen. Europa beschuldigt Lukaschenko zudem, in organisierter Form Flüchtlinge aus Krisenregionen an die EU-Außengrenze gebracht zu haben.

Das Führungstrio der weißrussischen Opposition: Swetlana Tichanowskaja mit Maria Kolesnikowa (zu elf Jahren Haft verurteilt) und Veronika Zepkalo (musste ins Exil)
Das Führungstrio der weißrussischen Opposition: Swetlana Tichanowskaja mit Maria Kolesnikowa (zu elf Jahren Haft verurteilt) und Veronika Zepkalo (musste ins Exil)AP
Die EU macht Lukaschenko für die Flüchtlingskrise an der polnisch-weißrussischen Grenze verantwortlich
Die EU macht Lukaschenko für die Flüchtlingskrise an der polnisch-weißrussischen Grenze verantwortlichAPA
Maria Kolesnikowa wurde zu elf Jahren Haft verurteilt
Maria Kolesnikowa wurde zu elf Jahren Haft verurteiltAPA