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Kein Schnitzel mehr auf der Schattenburg

21.11.2021 • 10:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Schattenburg. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Schattenburg. Stiplovsek

Die Pächterfamilie hört nach 30 Jahren auf.


Es ist 30 Zentimeter lang, dünn ausgeklopft und vor allem bei Bustouristen beliebt: Das Schattenburgschnitzel. Ab Ende April hat der im einstigen Sitz der Grafen von Montfort servierte „Bröselteppich“ vorerst ausgedient. Denn die Pächterfamilie Gmeiner hat nach mehr als 30 Jahren den Vertrag gekündigt. Verpächterin ist die Freizeitbetriebe Feldkirch (FBF) GmbH, eine ­100-Prozent-Tochter der Stadt Feldkirch. Von der Kündigung betroffen ist auch die Minigolfanlage.

In ihrem Schreiben, das die NEUE einsehen konnte, geben die Pächter Armin und Gerlinde Gmeiner unter anderem den grassierenden Personalmangel als Beweggrund an. Es seien keine Saisonmitarbeiter zu finden, auch nicht bei „enormer Überbezahlung“. Zudem, so heißt es weiter, hätten „Corona-Umsatzeinbußen, Fixkosten, Kurzarbeit-Selbstkosten sowie das Behalten der Mitarbeiter“ alles aufgebraucht, was man sich „aufgebaut und erwirtschaftet“ habe.

Das Schattenburgschnitzel ist weitum bekannt. <span class="copyright">Privat</span><br>NEUE, Stiplovsek
Das Schattenburgschnitzel ist weitum bekannt. Privat
NEUE, Stiplovsek

Fehlende Investitionen

Aber auch von einem massiven Investitionsstau ist die Rede. Viele Investitionen, wie etwa die Beleuchtung des Innenhofs, den Bau einer Bar und einer Schank sowie die Anschaffung eines In-duktionsherds, habe man selbst getragen. Vonseiten des Verpächters soll es laut Kündigungsschreiben stets geheißen haben, „wir haben kein Geld“ oder „das Budget wurde gestrichen“. Letztlich sei es aber „nur durch die Investitionen gelungen, die entsprechenden Umsätze zu erzielen und 3,5 Millionen Euro an Pacht zu bezahlen“.
Nach den der NEUE vorliegenden Informationen zahlt Gmeiner eine Umsatzpacht in der Höhe von neun Prozent (mit Untergrenze). Im Jahr 2019 kamen so rund 136.000 Euro Pacht zusammen, was einen Umsatzerlös von mindestens 1,5 Millionen Euro bedeutet.

Kein Schnitzel mehr auf der Schattenburg
Pächter-Ehepaar Gerlinde und Armin Gmeiner. NEUE

“Spiegelbild der Wertschätzung”

Zudem bemängelt Gmeiner, wie die Führung der FBF mit ihm und seiner Familie umgesprungen sei. So habe man ihm Jahr 2018 angedroht, den Pachtvertrag der Schattenburg aufzukündigen, wenn er den Pachtver-trag der Minigolfanlage beende. Die Äußerungen, so heißt es in dem Schreiben, seien „ein Spiegelbild der Wertschätzung“ gegenüber der Pächterfamilie.

Es gibt allerdings auch andere Stimmen, die sagen, dass Gmeiner teilweise nicht zu erfüllende Forderungen gestellt haben soll. Dem Vernehmen nach soll er beispielsweise die Deckung des Betriebsausfalls verlangt haben, als eine Sanierung der WC-Anlagen im Raum stand.

Streit um Wahrzeichen

Er habe den Pachtvertrag schweren Herzens gekündigt, sagt Gmeiner gegenüber der NEUE. „Das ist mein Kind. Nach drei Jahrzehnten ist mir dieser Schritt wirklich nicht leichtgefallen.“ Auch im NEUE-Gespräch findet er kritische Worte gegenüber den Stadtverantwortlichen. Man habe die Burg vernachlässigt, sagt er. „Sie ist ein Juwel, aber man pflegt sie nicht. Das ist tragisch.“

Stadtrat Benedikt König. <span class="copyright">Stadt Fk</span>
Stadtrat Benedikt König. Stadt Fk

Stadtrat entgegnet

Der für Wirtschaft und Tourismus zuständige Stadtrat Benedikt König (ÖVP) entgegnet, dass die Stadt immer dazu gestanden sei, ihr Wahrzeichen zu pflegen. „Es ist aber nicht unsere Aufgabe, dem Pächter die Profitmaximierung sicherzustellen. Es ist ihm jederzeit freigestanden, selbst initiativ zu werden und einen Teil des offenbar lukrativen Erlöses in die von ihm genutzte Infrastruktur zu reinvestieren“, so König. Die Stadt habe jedenfalls schon vor längerer Zeit entschieden, Liegenschaften nur noch im Edelrohbau bzw. in Grundausstattung zu verpachten. „Denn jeder hat bei der Ausstattung Sonderwünsche, die er sich bei Pachtende ablösen lassen will. Wir sind hier dem Steuerzahler verpflichtet. “
Laut König werden sowohl das Restaurant als auch der Minigolfplatz wieder zur Pacht ausgeschrieben. Gleichzeig werde sich eine interne Arbeitsgruppe mit den Möglichkeiten einer neuen Nutzung beschäftigen. „Die Frage ist ja, ob diese Art der Gastronomie noch zeitgemäß ist.“

Augenscheinlich kein Interesse an der Fortführung der Schlosswirtschaft hat der Nachwuchs. Sohn René Gmeiner führt mittlerweile das neue Hotel „Night Inn“ samt Restaurant am Feldkicher Bahnhof und ist auch am Lokal in der Jahnhalle und am Burgerlokal „One More“ beteiligt.

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