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Happy End noch vor dem Lockdown

22.11.2021 • 18:58 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Happy End noch vor dem Lockdown
Eine rührende Geschichte, fantasievoll inszeniert: „Pünktchen und Anton“ in Bregenz. Anja Köhler

„Pünktchen und Anton“ sorgte für einen gelungenen Theaterabend.

Zum Glück konnte sie noch stattfinden, die Premiere des Familienstücks „Pünktchen und Anton“, das am vergangenen Samstagabend ohnehin bereits um ein Jahr verspätet auf die Bühne kam. Trotz des herannahenden Lockdowns und Umbesetzungen wurde der Schritt gewagt, und am Vorarlberger Landestheater war noch ein herzerwärmend schöner Abend zu erleben – sowohl für die Erwachsenen als auch die anwesenden Kinder.

Diese sind offenbar liebend gerne dieser spannenden Geschichte gefolgt, die viele liebenswerte und auch schräge Figuren bereithält. Nun ist nur noch zu hoffen, dass die gleich ab 13. Dezember geplante Aufführungsreihe dann auch wirklich fortgesetzt werden kann: Es wäre ein Gewinn für das vorweihnachtliche Kulturangebot in der Region.

Happy End noch vor dem Lockdown
Rechts vorne: Nico Raschner und Bo-Phyllis Strube. Anja Köhler

Für die Zuschauer ab sechs Jahren hat Regisseurin Catharina May eine leicht erfahrbare, zugleich aber eben auch spannende und abwechslungsreiche Erzählweise entwickelt: Kurze Szenen wechseln sich rasch ab, da staunt der Zuschauer schon manchmal, wie schnell die mobilen Holzhäuschen zu einer anderen Szenerie umgebaut werden können (Bühne: Jennifer Schleif). Der Autor von „Pünktchen und Anton“ Erich Kästner hatte in den 1931 erschienenen Roman „Nachdenkereien“ eingestreut, in dieser Theaterproduktion fand man ein anderes passendes Mittel, um dem Stück einen kommentierenden Rahmen beizugeben: Luzian Hirzel zeigt sich neben seinen weiteren Rollen als Herr Zeigefinger, der zusammen mit dem Publikum das Geschehene reflektiert und Fragen aufwirft, sich aber auch immer wieder charmant in die Szenen einbringt.

High Heels

Natürlich sind es die beiden Titelrollen, die dieses Stück bestimmen. Ein bisschen frech, aber sehr liebenswert, vor allem mit übersprudelnder Ener­gie und Fantasie lässt Maria Lisa Huber Pünktchen auf der Bühne erscheinen. Luise Pogge, dem Mädchen aus reichem Hause, mangelt es an nichts Materiellem, nur der Vater hat nie Zeit für seine Tochter, und die Mutter interessiert sich mehr für den Zuwachs ihrer Garderobe. Lustig ist Nico Raschner, der sowohl als Pünktchens Vater als auch als Einbrecher Robert ein großes rundes Bäuchlein hat. Viele Lacher erzeugt auch Vivienne Causemann als Pünktchens Mutter, die – bevorzugt in Pink, mit High Heels und riesen Schleife im Haar – über ihre Migräne klagt (Kostüme: Wicke Naujoks). Dass man sich bei den Events der High Society mit den „Sagmeisters“ und „Rhombergs“ trifft, das findet vor allem das erwachsene Vorarlberger Publikum witzig.

Happy End noch vor dem Lockdown
Sebastian Schulze sprang für David Kopp ein. Anja Köhler

Eine beeindruckende Leistung zeigt Sebastian Schulze, der sehr kurzfristig für David Kopp einspringen musste, sich dafür aber ausgezeichnet in seine Rolle als Anton eingefunden hat. Der Junge kümmert sich wie ein Erwachsener um seine kranke Mutter und versucht, im Straßenverkauf genug Geld zu verdienen. Im Spiel mit Pünktchen aber kann Anton hingegen einfach ein Kind sein – es ist sehr rührend, die Freundschaft der beiden mitzuerleben, und sie dabei zu beobachten, wie sie ihre Streichhölzer und Schuhbänder auf der Straße feilbieten.


May lässt es sich in dieser Inszenierung nicht entgehen, den amüsanten Höhepunkt der Erzählung auszukosten: Robert der Teufel bricht mit Hilfe von Fräulein Andacht (auch im Mehrfach-Einsatz: Bo-Phyllis Strube)in die Wohnung der Pogges ein. Mit dem beherzten Einsatz der dicken Berta (Hirzel) gelingt es, den Übeltäter zu schnappen. Die mehrfachen Schläge mit der Bratpfanne sorgen für Lacher und haben sich also gelohnt.

Paradies

Das glückliche Ende gelingt und wird entsprechend zelebriert, das gibt Szenenapplaus, der an diesem Abend mehrfach ausbricht. Doch dann kehrt Herr Zeigefinger auf die Bühne zurück und erinnert daran, dass ein Happy End im Theaterstück einfacher ist wie im echten Leben, das nicht immer gut ausgeht. Doch es sei möglich, dass das Leben wieder zum Paradies wird, wenn man sich nur gegenseitig helfen, ein wenig von seinem Reichtum abgeben würde. Wenn das kein passendes Advents-Familienstück ist!