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Stadtspital Dornbirn in finanziellen Nöten?

23.11.2021 • 22:35 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Stadtspital Dornbirn in finanziellen Nöten?
Das Stadtspital in Dornbirn. Klaus Hartinger

Ärztlicher Leiter informierte angehende Ärzte, dass sie Basisausbildung nicht antreten können.

Das Krankenhaus der Stadt Dornbirn befindet sich offenbar in einer derart schwierigen finanziellen Situation, dass diese sich jetzt auch auf die Ausbildung angehender Medizinerinnen und Mediziner auszuwirken droht. Diesen Eindruck erweckt jedenfalls ein rund zwei Monate altes Schreiben von Primar Walter Neunteufel, das der Wirtschaftspresseagentur.com zugespielt wurde.

Walter Neunteufel ist der ärztliche Leiter des Krankenhauses Dornbirn und gehört zusammen mit Verwaltungsdirektor Helmut Fornetran und Pflegedirektor Bertram Ladner der dreiköpfigen obersten Krankenhausleitung an.

“Dramatisch geändert”

Neunteufels Schreiben von Anfang September 2021 richtete sich an angehende junge Ärztinnen und Ärzte, die ihre Basisausbildung am Krankenhaus Dornbirn beginnen sollten. In dem Schreiben heißt es: „Seit unserem letzten Gespräch hat sich sowohl die finanzielle Situation, als auch der Dienstpostenplan des Krankenhauses Dornbirn dramatisch geändert. Die Gründe dafür sind die Verschlechterung der finanziellen Situation und der Budgets der Krankenhäuser insgesamt sowie die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie.“
Aus diesem Grund könne der den angehenden Ärztinnen und Ärzten in Aussicht gestellte Anstellungstermin für die Basisausbildung nicht eingehalten werden und man müsse sie auf die Warteliste setzen.

Keine Garantie

Zudem schreibt Neunteufel weiter, dass es von den ökonomischen Grundlagen und der Personalfluktuation abhänge, ob und wann im Jahr 2022 ein Arbeitsbeginn für die Basisausbildung vereinbart werden könne. „Nach der Basisausbildung endet Ihr Vertrag. Aus derzeitiger Sicht können wir nicht garantieren, dass Sie in die Facharztausbildung oder in die Ausbildung zum Arzt für Allgemeinmedizin übernommen werden. Ich bedauere diesen unausweichlichen Schritt“, schließt Neunteufel.
Ob Primar Neunteufel als ärztlicher Leiter des Krankenhauses dieses Schreiben in Eigenregie oder in Abstimmung mit der übrigen Krankenhausleitung und mit dem Rechtsträger Stadt Dornbirn verfasst hat, bleibt offen. Folglich bleibt auch offen, ob Bürgermeisterin Andrea Kaufmann darüber informiert war. Denn auf eine diesbezüglich konkrete Anfrage geht das Krankenhaus Dornbirn in einer schriftlichen Stellungnahme nicht ein. Auch weitere Fragen blieben eher vage beantwortet. Bestätigt wurde die Existenz des Schreibens.

Stadtspital Dornbirn in finanziellen Nöten?
Der ärztliche Leiter Primar Walter Neunteufel. Klaus Hartinger

Das Krankenhaus Dornbirn verweist in seiner Stellungnahme darauf, dass derzeit 18,5 Ärzte und Ärztinnen ihre Basisausbildung und die Ausbildung zum Allgemeinmediziner absolvieren würden. Dazu kommen 38 Ärzte und Ärztinnen in Facharztausbildung. Am Dienstpostenplan 2021 habe sich nichts geändert und derzeit seien „alle Stellen besetzt“. Nachbesetzungen würden dann erfolgen, wenn eine Stelle durch Abschluss der Ausbildung oder Kündigung frei werde. „Die Ausbildung von Fachärzten und Fachärztinnen ist für das Krankenhaus von höchster strategischer Bedeutung, solche Spezialisten und Spezialistinnen sind am Arbeitsmarkt nur schwer zu finden“, so die Dornbirner Krankenhausleitung. Auf die Planungen für das Jahr 2022 wurde nicht eingegangen.

Landeskrankenhäuser

Im Unterschied zum Krankenhaus Dornbirn handelt es sich bei allen anderen Krankenhäusern in Vorarlberg um Landeskrankenhäuser. Sie werden von der Vorarlberger Krankenhaus-Betriebsgesellschaft (KHBG) in Feldkirch geführt. Von der KHBG heißt es zum Thema Ausbildung junger Ärzte und Ärztinnen nahezu wortgleich wie in Dornbirn, dass die „Ausbildung von höchster strategischer Bedeutung sei“. Man habe 2022 die Anzahl der Ausbildungsstellen in den Landeskrankenhäusern in verschiedensten Bereichen erhöht. Da diese Spezialisten und Spezialistinnen am externen Arbeitsmarkt schwer zu rekrutieren seien, setze man sehr stark auf die konzerninterne Ausbildung, so die KHBG.

Abgang steigt

Hinsichtlich der wirtschaftlichen Situation des Krankenhauses Dornbirn hat Neunteufel unterdessen nicht ausgesprochen überzogen formuliert. Denn der finanzielle Abgang steigt dort unaufhörlich seit Jahren. So betrug der Abgang im Jahr 2013 rund 21 Millionen Euro, im Jahr 2017 waren es schon rund 30 Millionen Euro. In den Jahren 2018 und 2019 kletterte der Abgang von 31,4 Millionen Euro auf 31,8 Millionen Euro. Das erste Pandemiejahr 2020 zog erwartungsgemäß wie auch bei anderen öffentlichen Gesundheitseinrichtungen eine Blutspur durch die Bilanz. So sprang der Abgang im Vorjahr auf 39,5 Millionen Euro. Ob sich diese Dynamik heuer etwas einbremst, bleibt offen.
Der finanzielle Abgang des Krankenhauses Dornbirn wird von Bund, Land Vorarlberg, den Patientengemeinden und der Stadt Dornbirn getragen. Günther Bitschnau/wpa

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