Allgemein

Wenn erwachsene Männer weinen

24.11.2021 • 19:27 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Der Christkindlemarkt in Dornbirn ist geschlossen. Was bedeutet das für die Stadt?


Im Hochsommer beginnt in Dornbirn der Christkindlemarkt-Countdown. Denn im August fragt Elfi Raith vom Stadtmarketing die Stammaussteller, ob sie auch in diesem Jahr mit einem Stand dabei sein wollen. Da sie sich mit ihrem Angebot bewährt haben, bekommen sie den Vortritt vor Neulingen. Allein die Kunsthandwerker belegen 12 bis 13 Hütten, und da sie jede Woche wechseln, betreut Raith rund 40 Kreative. Dabei kommt es aufs Produkt an, „drei Drechsler und drei Sockenhersteller auf einmal machen keinen Sinn“, sagt sie. Die Handelsstände auf dem Markt sind dagegen über die ganzen vier Wochen von denselben Beschickern besetzt. Diese Vorgehensweise hat Tradition.
Vergangenes Jahr allerdings ist der gesamte Christkindlemarkt Corona zum Opfer gefallen. Dieses Jahr steht das noch nicht endgültig fest: „Wir sind zuversichtlich, dass wir ab dem 13. Dezember vielleicht wieder aufsperren dürfen“, sagt Raith. Bislang war nur von Freitag, 19., bis Sonntag, 21. November, offen. Zwei Wochen hat der Aufbau der Hütten gedauert. „Wir haben einen der schönsten Christbäume. Er wurde uns von einer Frau gespendet, die am 25. Dezember ihr Kind bekommen hat“, erzählt sie. „Und ein Elektriker hat fünf Kilometer Lichterketten verlegt. Dafür kommt er eine Woche lang jeden Abend und arbeitet die Nacht durch, um gut sehen zu können, ob alle Lichter brennen.“

2019 war die Welt noch in Ordnung. <span class="copyright">Hartinger</span>
2019 war die Welt noch in Ordnung. Hartinger

Weihnachtliche Stimmung

Von Forst- und Werkhof kommen Hütten, Zäune und Krippe. „Die Krippentiere aus Baumstämmen sind wieder besonders schön geworden. Wir haben beschlossen, alles soweit aufgebaut zu lassen, um weihnachtliche Stimmung zu verbreiten. Sollte sich herausstellen, dass wir nicht noch einmal aufsperren dürfen, können wir immer noch abbauen.“ Bitter wäre das, keine Frage. Denn: „Die Gastronomie braucht den Handel und der Handel braucht die Märkte, um die entsprechende Kundenfrequenz zu haben.“ Die Stimmung beim Aufbau war gut, erzählt Raith, trotz der Unsicherheit, ob man überhaupt aufsperren könne. „Wir haben gesagt: ,Wir bringen es her, und wenn es am Ende nur schön aussieht.‘“ Am meisten tun ihr die Aussteller leid, die planen, herstellen, sich freuen auf etwas, das dann wieder einmal ins Wasser fällt. Die drei Tage war der Christkindlemarkt mit 2G-Regel und Maskenpflicht offen.

Vorgesehen war auch, die Tradition der Back- und Bastelstube fortzuführen, mit jeweils nur acht Kindern auf einmal. Wenn das ab Mitte Dezember möglich ist, soll tatsächlich wieder gebastelt werden. „So oder so, den Christkindlemarkt aufzubauen hat in jedem Fall Sinn gemacht. So hatten wir Zeit, alles abzufotografieren, und können jetzt überlegen, was wir uns Neues einfallen lassen können“, zieht Elfi Raith eine Zwischenbilanz.

<span class="copyright">Hartinger</span>
Hartinger

Weitere Märkte

Im Gegensatz zum Christkindlemarkt konnte der Ostermarkt heuer stattfinden, erzählt die für alle Märkte außer dem Christkindlemarkt zuständige Silvia Hagspiel-Eisenhofer. „Dass der Ostermarkt möglich war, haben wir als absoluten Lichtblick empfunden“, sagt sie.

„Es war spürbar, dass die Leute wieder raus wollten. Wir haben im April auch auf den Märkten alle Maske getragen.“ Im Sommer war dann der Kunsthandwerksmarkt „Bsundrigs“, „das war ein Markttag wie aus dem Bilderbuch – die Sonne schien, die Stimmung war entspannt, und wir hatten das Gefühl, das Leben kehrt zurück.“ Da funktionierten auch Foodtrucks, die ihr Angebot „to go“ präsentierten. Auf Stehtische wurde verzichtet, um zu verhindern, dass sich die Menschen zu nahe kommen. „Nicht alle Regeln sind spontan leicht verständlich und auch nicht immer gleich nachvollziehbar.“ Auch, was den normalen Wochenmarkt betrifft, ist ihre Erfahrung des Öfteren: Ob und unter welchen Bedingungen Marktbeschicker ihrem Gewerbe nachgehen dürfen, kann über Existenzen entscheiden. „Wenn ich einen gestandenen Mann am Telefon habe, 50-jährig und fast zwei Meter groß, der weint, weil er nicht verkaufen darf, das lässt einen nicht kalt.“

<span class="copyright">fasching.photo</span>
fasching.photo

Manchmal ist ein Verkaufsverbot auch Auslegungssache. „Im Speziellen trifft es auch Mischbetriebe auf dem Markt, wie auch im lokalen Handel. Einen Teil der Ware verkaufen zu dürfen, wobei eventuell das restliche Warenangebot viel beliebter ist, das macht nicht immer Sinn.“ Manche Entscheidungen sind schwierig, das Durchhalten ist es auch. „An den Marktfahrern kann man sich ein Beispiel nehmen. Sie sind wie Felsen in der Brandung und lassen sich nicht so schnell beirren“, sagt Silvia Hagspiel-Eisenhofer.

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.