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Der Stratege in Sachen Einkauf

28.11.2021 • 15:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Der Götzner Daniel Breuss hat sich eine klar definierte Nische gesucht: Er optimiert die Einkäufe seiner Kunden.<span class="copyright">klaus hartinger</span>
Der Götzner Daniel Breuss hat sich eine klar definierte Nische gesucht: Er optimiert die Einkäufe seiner Kunden.klaus hartinger

Daniel Breuss berät Unternehmen im strategischen Einkauf.

Daniel Breuss arbeitet als selbst­ständiger Unternehmensberater. Sein Büro hat er im Gasthaus Hirschen in Alt­ach. Wie das kommt? Das Gasthaus führt seine Frau gemeinsam mit seinem Schwager. „Ich arbeite nicht von zu Hause aus, sonst würde ich damit wahrscheinlich so schnell nicht aufhören“, erklärt der 36-Jährige. Und an diesem Arbeitsplatz ist ein warmes Mittagessen gesichert.
Seine Kunden sind internationale Firmen. „Wegen der Zeitverschiebung telefoniere ich am Morgen mit den asiatischen Firmenchefs, den Tag über mit den europäischen und am Abend mit den amerikanischen“, erklärt Breuss schmunzelnd. Tatsächlich besteht sein Beruf viel aus Reden. Aus Beraten, Überzeugen, Verhandeln, Informieren.

Der Götzner hat sich eine klar definierte Nische gesucht: Er optimiert die Einkäufe seiner Kunden. Im einfachsten Fall führt er Preisverhandlungen mit den Lieferanten, die umso leichter sind, je größer die gekauften Stückzahlen werden. „Wenn ich über den Einkaufspreis von 10.000 Schrauben spreche, habe ich ganz andere Verhandlungsmöglichkeiten, als wenn ich über Hunderter-Stückzahlen spreche“, erklärt Breuss.

Die Kunden des 36-Jährigen sind international verortet.<span class="copyright">klaus hartinger</span>
Die Kunden des 36-Jährigen sind international verortet.klaus hartinger

Wenn er einen Beratungsauftrag übernimmt, geht es immer auch um Strukturen. Oft haben Unternehmen zum Beispiel einen Lieferanten, nur weil das „schon immer“ so war, obwohl die Konkurrenz vielleicht passendere und/oder günstigere Angebote hätte. Oft fehlt auch die nötige Übersicht über den eigenen Einkauf, weil Verhaltensweisen über Jahre gewachsen sind und nicht hinterfragt werden. Bündelt das Unternehmen zum Beispiel seinen Einkauf auf ein, zwei Lieferanten, bekommt es dort mehr Rabatt, weil die gekaufte Menge insgesamt größer ist. Und es fällt leichter, den Überblick zu bewahren.

Bedarfsanalyse

Zum strategischen Vorgehen bei der Beratung gehört es für Breuss auch, eine Bedarfsanalyse zu erstellen. Muss für die Herstellung eines Produkts zum Beispiel eine neue Produktionslinie aufgebaut werden? Wie können dann beim Bau eines neuen Firmengebäudes Kosten gespart werden? Dazu verschafft er sich erst einmal einen Überblick über marktübliche Preise. Das A und O ist tatsächlich das höfliche, aber unmissverständliche Kommunizieren, auch mit den Teams der Firma, die er berät. Denn es sorgt auf allen Seiten für Klarheit und spart Zeit und Ressourcen, was wiederum die Kernkompetenz des 36-Jährigen ist. „Nur nett sein ist in meinem Beruf nicht angesagt“, sagt der Unternehmensberater und lacht.

Ein weiterer wunder Punkt bei vielen Firmen ist die Lagerhaltung. Braucht das Unternehmen wirklich so viele Teile und Rohstoffe? Das Lager teilweise abzubauen, kann auch wiederum kostensparend sein.

Referenzen: Breuss hat einem großen Pharmaunternehmen geholfen, die Produktionsstraße für die Herstellung eines Corona­impfstoffs kosteneffizient zu gestalten. <span class="copyright">klaus hartinger</span>
Referenzen: Breuss hat einem großen Pharmaunternehmen geholfen, die Produktionsstraße für die Herstellung eines Corona­impfstoffs kosteneffizient zu gestalten. klaus hartinger

Rechtlich kennt Breuss sich ebenfalls gut aus, denn zu seinem Job gehört es, Verträge zu prüfen sowie zu erstellen. „90 Prozent aller Verträge sind Standardverträge. Aber bei einem großen Einkaufsvolumen empfiehlt es sich, spezielle Verträge mit besonderen Konditionen abzuschließen.“ Oft geht es auch um Zollbestimmungen. Da kauft ein Kunde beispielsweise bei einem Lieferanten in Indien, weil dieser die benötigten Teile günstig herstellt. Rechnet man aber die Lieferzeit und die Zollgebühren mit ein, stimmt die Rechnung oft nicht mehr. „Ist das Bestimmungsland die Schweiz, und die Firma kauft in Slowenien die nötigen Teile statt in Indien, hat sie auf diese Weise 3000 Euro Zoll gespart.“ Für ein sehr großes Unternehmen keine sehr große Summe. Aber wenn es häufiger in Indien Teile bestellt, macht sich das natürlich trotzdem bemerkbar. Es geht also nicht um den Preis an sich, sondern um die Gesamtkosten.

Bankgarantien

Ein weiterer wichtiger Punkt, den der Jungunternehmer anspricht: Nicht alle Unternehmen sichern ihre Zahlungen durch eine Bankgarantie ab. Sie haben dann entsprechende Schwierigkeiten, wenn der Lieferant die bestellte Ware nicht schickt. Die Erfahrung aus 18 Jahren Einkaufsoptimierung? „Veränderung ist am Anfang schwer, in der Mitte chaotisch und am Ende großartig!“ Breuss hat bereits einmal ein Vorarlberger Unternehmen vor der Insolvenz retten können. Solche Erfahrungen prägen. Auch insgesamt würde der Betriebswirt, der die gesamte Bandbreite der Industrie berät, gern mehr für Vorarlberger Unternehmen tun. Im Bereich „kleine und mittlere Unternehmen“, wo die Nähe zum Kunden eine ganz besondere ist.

Er weiß, wovon er spricht, denn er hat einem großen Pharmaunter­nehmen geholfen, die Produktionsstraße für die Herstellung eines Coronaimpfstoffs kosteneffizient zu gestalten. Die Summen, um die es dabei geht, übersteigen das Fassungsvermögen eines Durchschnitts-Zahlengehirns bei weitem.
Wen Daniel Breuss auch berät, eines beherzigt er immer: „Lass auch deinen Verhandlungspartner einen Gewinner sein. Vielleicht hilft er dir bei deinem nächsten Geschäft.“

Weitere Infos unter:
www.epu.wko.at

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