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Kampfansage an Schweizer Banken

28.11.2021 • 13:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Sophia Spiegel, Hubert Schwäzler und Matthias Spiegel sind Liti-Link. <span class="copyright">Hartinger</span>
Sophia Spiegel, Hubert Schwäzler und Matthias Spiegel sind Liti-Link. Hartinger

Liti-Link verhilft Schweizer Bankkunden zu Geld.

Das Schweizer Bankensystem ist ein mächtiges. Die eidgenössischen Nachbarn gelten weltweit als Kompetenzzentrum, wenn es um Geldgeschäfte geht. Vermögende des ganzen Planeten legen ihr finanzielles Hab und Gut in der Schweiz an, darauf vertrauend, die Profis in Sachen Banking und Fondsmanagement wissen es richtig anzulegen und zu verwalten.
Nun gibt es aber ein Trio aus Vorarlberg, welches sich die Verträge der Schweizer Banken mit ihren vermögenden Kunden genauer angesehen hat und dabei auf einen Passus in den Verträgen der Wertschriftendepots gestoßen ist, der aktiv dafür sorgt, dass Anleger finanzielle Nachteile aus ihren Geschäften mit Schweizer Banken ziehen.

Retrozessionen

Hubert Schwärzler sowie die Geschwister Matthias und Sophia Spiegel haben es sich zur Aufgabe gemacht, den Anlegern zu ihrem Recht zu verhelfen und gehen juristisch gegen die Schweizer Großbanken vor. Mit ihrer Firma Liti-Link AG, die 2017 gegründet wurde, vertreten sie Kläger, welche die sogenannten Retrozessionen von Großbanken wie UBS, Credit Suisse, Julius Bär oder HSBC zurückfordern.

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Bei Retrozessionen handelt es sich um eine Art Vermittlungsprovision oder Kickback, der von den Banken einbehalten wird, ohne dass die Kunden es tatsächlich wissen. In den unterzeichneten Verträgen wird zwar der Verzicht auf die Auszahlung bestätigt, allerdings ist der Passus nicht klar aufgeschlüsselt und hält auch vor dem Schweizer Bundesgericht nicht stand. Die Kunden wissen im Grunde gar nicht, worauf sie verzichten, sagt Matthias Spiegel. Der Paragraf sei absichtlich umständlich formuliert, um die Kunden in die Irre zu führen.
„Es gibt bereits fünf bundesgerichtliche Urteile, dass der Verzicht nicht rechtens ist und dennoch kassieren die Banken einfach weiter. Die Retrozessionen, die eigentlich den Kunden zustehen, machen in etwa zwölf Prozent der Gewinnsumme der Schweizer Banken aus. Im Jahr werden in der Schweiz vier Milliarden Franken an Retrozessionen kassiert“, erklärt Liti-Link -Geschäftsführer Hubert Schwärzler.

Hubert Schwärzler ist Gründer und Eigentümer von Liti-Link.<span class="copyright"> Hartinger</span>
Hubert Schwärzler ist Gründer und Eigentümer von Liti-Link. Hartinger

Vergleiche mit Banken

Mit seinem Unternehmen verhilft der Brandner den Bankkunden zu ihrem Recht und somit auch zu Geld. Bei einem Wertschriftendepot von 200.000 Franken können bis zu 25.000 Franken zurückgeholt werden. Geld, das den Anlegern zusteht, von den Banken aber einbehalten wird. Liti-Link vertritt die Kläger juristisch und Matthias Spiegel führt die Verhandlungen mit den Großbanken. Zu einem Prozess mit abschließendem Urteil kommt es so gut wie nie. Der Grund ist simpel: Die Banken streben einen Vergleich an, um nicht durch einen verlorenen Prozess Aufsehen zu erregen und somit das Interesse noch mehr Kunden auf sich zu ziehen. Daher kommt es in der Regel zu einem Vergleich, der den Kunden bis zu 80 Prozent der Schadenssumme einbringt.

Wirtschaftsexperte Matthias Spiegel führt die Verhandlungen mit den Banken und ist auch Prokurist. <span class="copyright">Hartinger</span>
Wirtschaftsexperte Matthias Spiegel führt die Verhandlungen mit den Banken und ist auch Prokurist. Hartinger

Davon profitiert auch Liti-Link. Sie versprechen ihren Kunden nämlich für sämtliche Kosten aufzukommen, behalten sich aber bei einem Vergleich einen Teil als Honorar ein. Wird kein Erfolg erzielt, bekommt das Trio von Liti-Link auch kein Honorar.

„Der Kunde hat kein Risiko. Wir übernehmen die kompletten Kosten und auch die Risiken. Er bekommt von uns nie eine Rechnung, sondern nur Geld. Er muss auch nichts liefern, sondern wir brauchen nur den vollständigen Namen, das Geburtsdatum, Adresse, bei welcher Bank er war und eine Unterschrift. Den Rest machen wir“, erklärt Spiegel.

1500 bearbeitete Fälle

Wichtig dabei ist, dass die Kommunikation mit den Banken respektvoll ist. „Wir hinterlassen keine verbrannte Erde, weil viele unserer Kunden weitere Geschäftsbeziehungen zu der Bank haben. Aber wir fordern, was den Leuten zusteht“, fügt Schwärzler hinzu. Normalerweise gehen die Geschäftsbeziehungen der Kunden mit den Banken nach dem Vergleich aber in die Brüche. Laut Schwärzler sei der Vertrauensverlust zu groß.

„Viele Anleger können nicht glauben, dass ihre Bank sie betrügt. Aber es ist tatsächlich so und wir haben die Beweise. Wir haben mittlerweile 1500 Fälle, die wir bearbeiten und die Hälfte ist bereits abgeschlossen. Dieses Vorgehen der Banken ist äußerst unappetitlich und gehört aufgedeckt. Banken haben seit der Bankenkrise ein angeknackstes Image und es ist nicht ganz zu Unrecht“, erklärt Schwärzler.

Sophia Spiegel ist als Juristin die Rechtsabteilung des Unternehmens. <span class="copyright">Hartinger</span>
Sophia Spiegel ist als Juristin die Rechtsabteilung des Unternehmens. Hartinger

Laut eigenen Angaben hat Liti-Link in Summe bereits einen zweistelligen Millionenbetrag von den Schweizer Banken für seine Kunden zurückholen können. Tendenz steigend.