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Wie Vorarlberg zu seinem Namen kam

05.12.2021 • 16:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Bevor man über Schiffe streiten konnte, musste der Name Vorarlberg erst entstehen. <span class="copyright">Neue</span>
Bevor man über Schiffe streiten konnte, musste der Name Vorarlberg erst entstehen. Neue

Es dauerte ein Zeit lang bis Vorarlberg seinen Namen bekam.

Vorarlberg hätte dieser Tage sein 300-jähriges Namensjubiläum feiern können, wäre im Landesarchiv nicht eine ältere Erwähnung der Landesbezeichnung aufgetaucht. Noch 1972 datierte der Historiker Otto Frass in einem Beitrag über die Namen der Bundesländer die älteste Quelle der Bezeichnung Vorarlberg auf den 2. Dezember 1721. Allerdings findet sich im Landesarchiv in Bregenz eine früherer Beleg. Schon 1708 findet sich „Vorarlberg“ in einem Schreiben der Landstände.

Aus Freiburger Sicht

Bevor das Land überhaupt einen Namen bekam, wurde es auch nicht als solches wahrgenommen. Im Mittelalter wurden die habsburgischen Besitzungen noch als „Herrschaften vor dem Arlberg“ oder auch „enhalb des Arlbergs“ bezeichnet. Sie hiengen verwaltungsrechtlich mit den Gebieten im süddeutschen Raum, dem damaligen Vorderösterreich, zusammen.

Die politische Landeswerdung machte, brauchte auch den Landesnamen. Nicht umsonst waren es die Landstände, die Vertreter der örtlichen Machtstrukturen, die zuerst das Wort „Vorarlberg“ verwendeten. Auch Bezeichnungen wie „Land vor dem Arlberge“, „Vorm Arlberg“ oder „Voramarlberg“ waren gebräuchlich. Landesarchivar Ulrich Nachbaur geht in einem Beitrag für die historische Zeitschrift Montfort allerdings davon aus, dass diese erst ab den 1780ern als „Die Stände des Landes Vorarlberg“ auftraten.
Der Name verfestigte sich, so Nachbaur, aber erst „in dieser Phase der Vereinheitlichung durch staatliche Reformen“ als die Landstände bereits an Bedeutung verloren hatten und Vorarlberg „zunehmend territorial verstanden wurde“.

Vorarlberg in der Zeitung

In diese Zeit fällt auch die erste Erwähnung des Landesnamens in einer österreichischen Tageszeitung, zumindest soweit Anno, das online-Archiv der Österreichischen Nationalbibliothek, diese erfasst.

1782 veröffentlichte die Wiener Zeitung eine von Kaiser Josef II. erlassene neue Gerichtsordnung, in der er unter anderem ein Berufungsgericht für „die gefürstete Grafschaft Tyrol, und die vorarlbergische drey Herrschaften“ und zwar in Klagenfurt errichtet wurde. Weiter hinten in der kaiserlichen Verfügung werden diese Herrschaften schließlich als „Vorarlberg“ bezeichnet. Von da an bürgerte sich der Begriff immer weiter ein. Schon 1786 bewarb die Weiner Zeitung eine um „das gebürzige Land Vorarlberg“ erweiterte Landkarte Tirols, die man für einen Gulden und 30 Kreuzer in der böhmischen Hofkanzlei in Wien erwerben konnte.
Die Steuerliste. Dieser Verbindung verdankt Vorarlberg auch die Namensnennung des Jahres 1721: Die Vertreter der Gebiete Vorderösterreichs trafen sich in diesem Jahr in Überlingen, wo mit der Steuerverteilung unter ihnen ein leidiges Thema zu besprechen war. Vorarlberg hatte demnach 17.800 Gulden aufzubringen, der ebenfalls österreichische Breisgau im Vergleich dazu 21.400 Gulden.

Die erste Erwähnung Vorarlbergs in einer Zeitung 1782<span class="copyright"> Anno/ÖNB</span>
Die erste Erwähnung Vorarlbergs in einer Zeitung 1782 Anno/ÖNB

Die Bezeichnung „Vorarlberg“ verwundert aus dieser Perspektive wenig: Für die vorderösterreichische Verwaltung, die zunächst in Konstanz und später in Freiburg residierte, lag das Land eben vor dem Arlberg.

Vorarlberg richtig ausgesprochen

Dass viele zugewanderte Innerösterreicher aus Vorárlberg ein Vórarlberg oder gar ein Voradlberg machten, stieß dem Landesschulrat schon 1955 sauer auf.
Die Behörde widmete sich der Frage daher in einem Erlass an die Schulen. Es sei auffällig, so hieß es darin, „dass das Wort ,Vorarlberg‘ sowohl auf dem Vokal a als auch auf dem Vokal o betont wird.“ Da es nur eine richtige Aussprache geben könne, sei die althergebrachte Aussprache vorzuziehen und der Landesname daher auf dem „a“ zu betonen.

Außerdem habe der Landesgesetzgeber die Frage ohnehin bereits 1949 durch das Gesetz über die Landeshymne „‚s Ländle, meine Heimat“ entschieden. In deren Refrain werde der Name Vorarlberg schließlich auch am Beginn der zweiten Silbe betont.

Landesamtsdirektor Grabherr, ein glühender Alemanne und Verachter Wiens, sandte den Erlass des Landeschulrates anschließen allen Behörden – vom Landesinvalidenamt in Bregenz bis zur Bundesforstverwaltung in Feldkirch – „zur gefälligen Kenntnis“. Sogar die Kirche entkam dem Schreiben nicht.

Einspruch aus Dornbirn

Laut Aktenbestand des Landes erhob zumindest der Dornbirner Bürgermeister Günther Moosbrugger leichten Protest: Er habe zwar „mit großer Befriedigung zur Kenntnis genommen“, wie der Landesname zu betonen sei, allerdings verwehrte er sich gegen die im Erlass erhobene Behauptung, bei der Bezeichnung „Voradlerberg“ handle es sich um eine Verballhornung.

Immerhin habe sein seliger Vater, ein gebürtiger Wälder, den Arlberg ebenfalls als „Adlerberg“ bezeichnet. Manfred Tschaikner, Archivar im Landesarchiv Bregenz spricht sich ebenfalls für die vom landesschulrat schon 1955 favorisierte Variante aus. Der Name Vorarlberg beinhalte „keinen örtlichen Gegensatz des Landes vor dem Arlberg zu einem ähnlichen Gebiet hinter dem Arlberg“. Vielmehr bedeute es dasselbe wie „beim Arlberg“, was für die genannte Betonung spreche.