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Wo Farbe ist, ist auch Licht

05.12.2021 • 12:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Der Bregenzer Franz Herbert (65) ist Pionier für sogenannte Farbmanagement-Lösungen.<span class="copyright">hartinger</span>
Der Bregenzer Franz Herbert (65) ist Pionier für sogenannte Farbmanagement-Lösungen.hartinger

Franz Herbert ist Pionier. Im Bereich Licht, Farben und Technik.

Mit Licht kennt der Informatiker Franz Herbert sich aus. „Das Licht ist der kritischste Faktor“, sagt er. „Objekte sehen in unterschiedlichem Licht unterschiedlich aus.“ Das gilt auch für Computerbildschirme, die ja von seitlichen Lampen mit Licht unterlegt sind.

Aber Herbert kennt sich nicht nur mit Wellenlängen und Farb­räumen aus – sondern auch mit Kameraprofilen. Schließlich entwickelt er Software, die die genaue Wiedergabe von Farben auf dem Computerbildschirm zum Ziel hat. Das ist nicht einfach. Denn Farben in der wirklichen Welt bestehen aus Farbpigmenten und Farben auf dem Bildschirm werden aus Licht gemacht. Gerade, wenn die Farbe exakt so sein soll wie in echt, ist das nach wie vor schwierig. Man muss eine gute Fotokamera haben, vorher einen Weißabgleich machen, Reflexionen vermeiden und die Lichtbedingungen beim Fotografieren optimieren.

Zu Herberts Kunden zählen die „Library of Congress“, die Forschungsbibliothek des Kongresses der Vereinigten Staaten, und das New Yorker „Metropolitan Museum of Art“. <span class="copyright">Hartinger</span>
Zu Herberts Kunden zählen die „Library of Congress“, die Forschungsbibliothek des Kongresses der Vereinigten Staaten, und das New Yorker „Metropolitan Museum of Art“. Hartinger

Wenn man auf mehreren Bildschirmen die gleichen Bilder sehen will, muss man diese kalibrieren, auf eine bestimmte Helligkeit, Farbtemperatur und Tonwertkurve. Das wird mit Hilfe von speziellen Messgeräten gemacht und mit Software, die man zum Übersetzen der Farben braucht. Genau solche Softwarelösungen hat Herbert entwickelt.

Farbüereinstimmung

„Jetzt, wo viel im Homeoffice gearbeitet wird, geht es bei manchen Firmen darum, dass alle Mitarbeiter exakt dieselben Farben sehen, auch wenn der eine vielleicht in China sitzt. Oder es geht darum, die Farben genau so zu sehen, wie sie nachher in der gedruckten Anzeige erscheinen werden. Oder es geht um Museen, die ihre Bestände digitalisieren wollen. Dabei ist es enorm wichtig, dass die Farben so auf dem Bildschirm erscheinen, wie wir sie in der Natur sehen”, erklärt der 65-Jährige. Das ist fast immer ein Kompromiss, weil unser visuelles System einen extremen Kontrast- und Farbumfang erfassen kann, dem wir uns auf Bildschirmen erst sehr langsam nähern.

„Farbe ist nur eine Empfindung, die durch die Anregung von Rezeptoren in unserer Netzhaut erzeugt wird. Dies ist wiederum abhängig von der Reflektanz eines Materials in einer bestimmten Wellenlänge, das durch eine Beleuchtungsquelle bestrahlt wird“, erklärt der Informatiker.

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Roland Fasching ist einer der Fotografen, die mit ihm zusammenarbeiten. Dass ein Softwareentwickler noch direkt mit seinen Kunden Kontakt hat und speziell für deren Bedürfnisse Lösungen sucht, ist heutzutage die Ausnahme. Zu Herberts Kunden zählen aber auch Größen wie die „Library of Congress“, die Forschungsbiblio­thek des Kongresses der Vereinig­ten Staaten, und das New Yorker „Metropolitan Museum of Art“ sowie die „Walt Disney Archives“, die entsprechendes historisches Filmmaterial sammeln.

Immer wieder der Erste

Die Karriere des heute Mittsechzigers begann in Wien, wo er 1974 Informatik studierte – im dritten Jahr, in dem der Studiengang offeriert wurde. Für ein Jahr verlegte er seinen Studien­ort an die Ostküste der USA, dann an die ETH Zürich, wo er Forschungsassistent wurde. Schließlich bekam er ein Jobangebot in San Diego. Um für die Druckindustrie die entsprechende Farbsoftware zu entwickeln, tat er sich mit einem Partner zusammen und entwarf das erste Farbprodukt für die Mac-Welt.

1993 gründete er dann eine eigene Firma und schuf das erste Farbmanagement-Produkt. Im Jahr 2000 brachte er das erste Softproofing-Produkt der Welt auf den Markt. Damit konnte die farbmetrische und inhaltliche Korrektheit von digitalen Druckdaten am Bildschirm überprüft werden, und diese Bildschirmdarstellung kann nun an der Druckmaschine anstatt eines „Hardproofs“ verwendet werden.

2004 zog Herbert mit seiner Familie nach Bregenz – dem Ort, an dem er aufgewachsen ist. Ausgemacht war mit seiner Frau, ein Jahr zu bleiben. Doch der Sohn wollte nicht schon wieder umziehen und alle seine Freunde verlieren, seine Frau, die Amerikanerin ist, gab nach. Heute ist die Familie immer noch hier – nur sein Sohn hat ebenfalls eine Firma gegründet und lebt in Wien.

Ein Mann, ein Motto

In die Zukunft denken, im Hier und Jetzt entwickeln, das könnte man als Herberts Motto formulieren. Er hat unter anderem schon seit den 1990er-Jahren Software für die deutsche Firma “basICColor” produziert. Heute publiziert er drei Softwarepakete unter dieser Marke, die er alleine entwickelt. „Mein Weg in die Zukunft wird es sein, langfristige Kunden zu betreuen, ohne dabei 200 Prozent zu arbeiten. Meine Kunden werde ich nicht im Stich lassen.“ Heißt auch, ans Aufhören denkt er so bald nicht. „Über die Jahre habe ich mir einen guten Namen aufgebaut als Pionier für Farbmanagement-Lösungen.“

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Dafür hat Franz Herbert eng mit seinen Kunden zusammengearbeitet, denn sie konnten ihm Fehler und Probleme schildern. Eine Beziehung, die sich wechselseitig befruchtet, und die noch längst nicht an ihrem Ende angelangt ist.

Weitere Infos unter:
www.epu.wko.at