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13.000 ELGA-Abmeldungen

07.12.2021 • 17:09 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
ELGA ist die elektronische Gesundheitsakte, sie ermöglicht Ärzten Einsicht und erlaubt telefonische Rezeptverschreibung
ELGA ist die elektronische Gesundheitsakte, sie ermöglicht Ärzten Einsicht und erlaubt telefonische Rezeptverschreibung Elmar Gubisch

Impfgegner wollten mit der ELGA-Abmeldung die Impfpflicht umgehen.

Nach den Aufrufen von Impfgegnern haben sich in den letzten fünf Wochen rund 13.000 Menschen von der Elektronischen Gesundheitsakte ELGA abgemeldet. Diese Zahl hat der Dachverband der Sozialversicherungsträger am Dienstag bekannt gegeben. Sowohl ELGA-Geschäftsführer Franz Leisch als auch der Co-Vorsitzende des Dachverbandes, Peter Lehner, stellten aber klar, dass mit einer ELGA-Abmeldung keine Abmeldung vom E-Impfpass erfolgt.

In den vergangenen Wochen ist in verschiedenen Social-Media-Gruppen von Impfgegnern zu einem Ausstieg aus der elektronischen Gesundheitsakte aufgerufen worden. Impfskeptiker wollten so offenbar die bevorstehende Impfpflicht umgehen.

Tatsächlich haben sich nach Daten des Dachverbandes zuletzt rund 13.000 Menschen von ELGA abgemeldet. (Die in Medien zuvor genannte Zahl von 40.000 Abmeldungen erklärt man im Dachverband damit, dass so viele Formulare heruntergeladen worden seien, aber nicht alle davon hätten sich dann auch tatsächlich abgemeldet.)

Am 1. November waren noch 257.000 Abmeldungen registriert worden, mit Stand von gestrigem Montag (6.12.) waren es 270.000. Bemerkenswert ist dabei, dass diese Zahl immer noch geringer ist als vor einem Jahr. Mit 1. Dezember 2020 war die Zahl der Abmeldungen bei 297.000 gelegen. Im Laufe des Jahres hatten sich aber rund 40.000 Menschen wieder angemeldet – wohl auch wegen der Gratistests in Apotheken, für die die automatische ELGA-Registrierung erforderlich war.

Deshalb haben E-Akte und E-Impfpass nichts miteinander zu tun

ELGA ist die Kurzformel für die elektronische Gesundheitsakte, die diese Daten miteinander verknüpft. Dort sind zum Beispiel ärztliche und pflegerische Entlassungsbriefe, Laborbefunde, Radiologiebefunde und E-Medikationsdaten einsehbar.

Ärzte, Apotheken, Pflegeeinrichtungen können auf die ELGA-Daten zugreifen. Vor dem Zugriff durch Dritte sind diese Daten gut geschützt. Keinen Zugriff haben Ärzte und Ärztinnen, die für staatliche Einrichtungen, private Versicherungen, Sozialversicherungen oder Unternehmen tätig sind. Dazu gehören Amtsärzte, Schulärzte, Betriebsärzte etc.

Künftig können in der ELGA auch Wahlärzte und Apotheken Daten abspeichern.

Die ELGA-Abmeldung (“opt-out”) hat zur Folge, dass die Daten nicht elektronisch gesammelt werden und den Nachteil, dass die Patientin/der Patienten selbst die Daten nicht einsehen kann und auch nicht sehen kann, wer die Daten wann abgerufen hat. Ein Arzt kann nicht sehen, was der andere behandelt hat.

Man kann sich auch für einzelne Anwendungen abmelden, zum Beispiel E-Befund oder E-Medikation. Und man kann urgieren, dass die Daten in Bezug auf einzelne Krankheiten nicht elektronisch miteinander verknüpft werden, etwa HIV oder psychische Erkrankungen.

Im E-Impfpass wiederum werden alle Impfungen verzeichnet, die eine Person bekommen hat. Die Bestätigung aus dieser Verzeichnung heraus in Bezug auf die Corona-Impfung, in Kombination mit Nachweisen über eine Genesung oder einem negativen Test, gilt als “Grüner Pass”.

Vom Impf-Verzeichnis kann man sich nicht abmelden. Technische Basis ist aber die ELGA und über den ELGA-Zugang kann man seine Impfdaten auch einsehen und abrufen. Wenn man kein ELGA-Teilnehmer ist, kann man sich den Grünen Pass in der Apotheke ausdrucken lassen.

Das Gesetz über die Impfpflicht wird zur Folge haben, dass Daten aus dem elektronischen Impfpass ausgelesen werden, um die Ungeimpften erreichen zu können.

Für Lehner ist die Abmeldung “in vielerlei Hinsicht bedenklich” und zeige, “wie dringend eine Entemotionalisierung und Versachlichung der Diskussion sowie eine Aufklärung in der Impfthematik nötig ist“. Und der Co-Vorsitzende der Konferenz der Sozialversicherungsträger stellte in einer Stellungnahme gegenüber der APA klar: “Mit einer ELGA-Abmeldung erfolgt keine Abmeldung vom E-Impfpass. Es gibt kein Opt-out für den E-Impfpass.

Leisch führte zudem die sich durch eine Abmeldung ergebenden Nachteile an: “Wenn man sich bei ELGA abmeldet, verliert man die Vorteile zur Patientensicherheit und Komfort. Etwa die telefonische Verschreibung durch die Ärzte oder dass Mediziner auf Rohbefunde zugreifen können. Den Impfpass behält man aber weiter”, betonte der ELGA-Geschäftsführer im ORF.

Lehner betonte auch, dass der E-Impfpass auch ein essenzieller Baustein in der Pandemiebekämpfung sei. “Wir kennen in Echtzeit die Durchimpfungsraten für Altersgruppen und auf Bezirksebene. So können gezielt Zielgruppen angesprochen werden.”

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