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Lockdown-Ende: „Wir sind sehr froh, aber . . .“

09.12.2021 • 21:52 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Ab Sonntag ist vieles wieder offen. <span class="copyright">Hartinger</span>
Ab Sonntag ist vieles wieder offen. Hartinger

Große Erleichterung in der Wirtschaft. Minus durch Lockdown ist aber nicht mehr aufzuholen.

Im Handel, der Gastronomie und Hotellerie sowie bei den körpernahen Dienstleis­tern ist man erleichtert über das Lockdown-Ende.

Man habe auch hart dafür gekämpft, ist aus allen Sparten zu hören. Dasselbe sagen Gewerkschaft, Arbeiter- und Wirtschaftskammer.

Super, aber

Günther Plaikner. <span class="copyright">Sams</span>
Günther Plaikner. Sams

Günther Plaikner, Innungsmeister der Friseure, reagiert auf das Lockdown-Ende kurz und bündig: „Das ist super.“ Es gibt jedoch viele Abers: Die Auslastung im Dezember liege bei den Friseuren normalerweise bei 120 Prozent. Das werde heuer nicht mehr zu erreichen sein. Nicht nur wegen des Lockdowns, sondern auch: Anlässe, zu denen man zum Friseur geht, fallen weg wie zum Beispiel Weihnachtsfeiern oder Maturabälle. Und nach wie vor fehlen durch 2G ungeimpfte Kunden. Dazu gibt Plaikner zu bedenken: „Diejenigen, die nicht kommen dürfen, müssen ihre Haare natürlich trotzdem schneiden lassen. Sie lassen das schwarz machen. Das tut mir als Unternehmer weh: Ich habe mir die Kundenbindung hart erarbeitet, und das wird nun zunichte gemacht.“ Negativ sei auch: Die Umsatzerstattungen seien im vierten Lockdown um einiges schlechter als in den vorigen Lockdowns. Nur diejenigen, denen es wirklich schlecht ging, erhalten etwas. „Wenigstens konnten wir unsere Mitarbeiter durch die Kurzarbeit halten“, findet Plaikner noch etwas Positives und hofft, dass bald alle Kunden wieder in die Friseursalons dürfen, sei es mit 3G oder 2,5G.

Dringend notwendig

Michael Tagwerker. <span class="copyright">Mauche</span>
Michael Tagwerker. Mauche

Michael Tagwerker, Geschäftsführer der Sparte Handel, ist „sehr zufrieden und froh“ über das Lockdown-Ende und dankt dafür Landeshauptmann Wallner, der es ermög­licht habe. „Die Wiedereröffnung ist auch dringend notwendig“, führt Tagwerker weiter aus. Von den drei geschlossenen Wochen wären zwei klassisches Weihnachtsgeschäft gewesen. „Das ist nicht mehr aufholbar. Aber wir hoffen, dass wir einiges retten können.“ Diesbezüglich sei sehr positiv, dass am Sonntag, den 19. Dezember, die Geschäfte offenhalten dürfen.

Wichtige Botschaft

Markus Kegele. <span class="copyright">Sams</span>
Markus Kegele. Sams

Markus Kegele ist Fachgruppenobmann der Hotellerie und des Tourismus und natürlich ebenfalls froh sowie dem Landeshauptmann dankbar für das Ende des Lockdowns. Er sagt: „Die Öffnung ist eine wichtige Botschaft an unsere Mitarbeiter und die Gäste.“ Dass die Hotels überhaupt geschlossen wurden, obwohl 70 Prozent Ende November/Anfang Dezember sowieso im Betriebsurlaub waren, sei das falsche Signal gewesen. Viele Gäste waren unsicher und stornierten deshalb – in manchen Häusern über 50 Prozent. Jetzt kommen wieder Anfragen herein, und auch die Ausgangslage sei durch die Schneefälle sehr gut. Die Hotellerie kennt die Schutzmaßnahmen und ist an sie gewohnt. „Wir sind gerüstet, und es ist uns klar, dass wir uns an die Bestimmungen halten werden. Wenngleich es in der Hotellerie bisher keine Clusterbildungen gab“, sagt Kegele.

Kein Pandemietreiber

Mike Pansi. <span class="copyright"> WKV</span>
Mike Pansi. WKV

Mike Pansi, der Fachgruppenobmann der Gastronomie, sieht das Lockdown-Ende „natürlich sehr positiv.“ Es sei auch sehr wichtig, da die Gastronomie wieder einmal hart getroffen wurde. „Dabei ist sie bekanntermaßen kein Pandemietreiber.“ Vom Weihnachtsgeschäft sei nun wenigstens ein bisschen etwas zu retten. Ganz wichtig sei auch, dass die Mitarbeiter nun wieder die Sicherheit haben, dass sie arbeiten können. Wermutstropfen sei freilich die Nachtgastronomie. Wenigstens seien dieser Sparte Wirtschaftshilfen zugesagt worden. „Das war jetzt hoffentlich der letzte Lockdown“, sagt Pansi weiters. „Die Politik muss überlegen, wie die Pandemie auch ohne das Herunterfahren beendet werden kann. Denn, ich lehne mich jetzt bei Angela Merkel an: „Wir schaffen das nicht mehr.“ Unverschuldet seien die Betriebe in diese Situation geraten, und dabei sei zu bedenken: 90 Prozent sind Familienbetriebe, dahinter stehen Lebenswerke und Schicksale.

Schadet Wirtschaft

Rainer Keckeis.<span class="copyright"> gorbach</span>
Rainer Keckeis. gorbach

Arbeiterkammer-Direktor Rainer Keckeis sagt: „Grundsätzlich sehen wir das Lockdown-Ende positiv, weil der Wirtschaft durch die Lockdowns geschadet wird.“ Dass die Gastronomie öffnen dürfe, sei unerwartet, man habe da an eine einheitliche Regelung in ganz Österreich gedacht. Wichtig sei aber auch, dass eine klare Entscheidung getroffen wurde.

Erleichterung für Arbeitnehmer

Reinhard Stemmer. <span class="copyright">Hartinger</span>
Reinhard Stemmer. Hartinger

Reinhard Stemmer, Vorsitzender des Gewerkschaftsbundes Vorarlberg, begrüßt die Öffnungen ebenfalls. „Es ist eine Erleichterung für die Arbeitnehmer. Es waren viele betroffen, da sie nicht mehr angestellt und auch nicht in Kurzarbeit waren.“ Jetzt gebe es für sie wieder Planungssicherheit. Wichtig ist dem Gewerkschaftschef auch, dass ungeimpfte Arbeitnehmer nicht diskriminiert werden. Die Regeln dafür bestimmen andere – die Regierung –, aber die Gewerkschaft schaue, dass sie das Beste für die Arbeitnehmer herausholen könne.

Nicht mehr verkraftbar

Hans Peter Metzler. <span class="copyright">Sams </span>
Hans Peter Metzler. Sams

Hans Peter Metzler, Präsident der Wirtschaftskammer, sagt: „Etwas anderes als Öffnen wäre für die Betriebe nicht mehr zu verkraften gewesen.“ Nun komme es auf zwei Punkte an: dass die begleitenden Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt und die Wirtschaftshilfen rasch nachgebessert werden. Außerdem ruft Metzler die Politik auf, ihre Corona-Politik auf neue Beine zu stellen. „Es kann nicht sein, dass die Betriebe herhalten müssen, weil die Hebung der Impfquote nur schleppend vorangeht.“

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