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Kein Lockdown wie die anderen

11.12.2021 • 21:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Weihnachtsmärkte und Gastronomiebertiebe sind in Vorarlberg nun wieder geöffnet.<span class="copyright">Hartinger</span>
Weihnachtsmärkte und Gastronomiebertiebe sind in Vorarlberg nun wieder geöffnet.Hartinger

Mehr Intensivpatienten in Spitälern, als zu Lockdown-Beginn.

Im Laufe der Pandemie hat sich der Umgang der Politik mit dieser deutlich verändert. Versuchte man zu Beginn noch, die Krankheit auszurotten, wurde man später beim Einschränken der Lebensbereiche zögerlicher und beim Öffnen mutiger.

Das wird vor allem deutlich, wenn man die Zahlen vor und nach den Lockdowns vergleicht. In den ersten Lockdown ging Österreich mit 226 laborbestätigten Covid-19-Fällen pro Tag, aus dem vierten kommt es mit etwa zwanzig mal so vielen.

Unterschiedliche Maßstäbe

In Vorarlberg wurde am 16. März 2020 bei einer Inzidenz (Infizierte pro 100.000 Einwohner) von 23,5 alle Geschäfte und Lokale geschlossen, nun öffnet man bei einer Inzidenz von über 800 sogar die Gastronomie. Was nach einer völlig erratischen Pandemiebekämpfung aussieht, hat freilich mehrere Hintergründe:

Zum einen war das Virus beim ersten Lockdown noch weniger bekannt, man ging beispielsweise davon aus, dass Schmierinfektionen eine größere Rolle spielen könnten, als dies tatsächlich der Fall war. Zum anderen gab es zum damaligen Zeitpunkt noch keine Impfung. Wie katastrophal sich die Infektionszahlen der vierten Welle ohne Impfangebot ausgewirkt hätten, lässt sich nur erahnen. Tatsächlich steckten sich auch etliche Geimpfte an, entwickelten aber weitgehend harmlosere Krankheitsverläufe.

Zum Höhepunkt der dritten Welle im April 2021 waren bei knapp 46.000 Infizierten österreichweit 615 Intensivbetten mit Coronapatienten belegt. Am Höhepunkt der vierten Welle lagen bei insgesamt etwa 166.000 Infizierten 664 Menschen wegen Covid-19 auf den Intensivstationen. Ohne Impfung hätte es entweder einen früheren Lockdown oder mehr Tote gegeben.

Zahlen sprechen für die Impfung

Das belegt auch ein Vergleich der Sterbezahlen der früheren Wellen. Allein am 4. Dezember 2020, dem tödlichen Höhepunkt der zweiten Welle, starben 115 Menschen an oder mit Covid-19. Am 29. November dieses Jahres, an dem die Todesfallstatistik 2021 ihren bisherigen Höhepunkt erreichte, starben trotz der wesentlich höheren Inzidenz jedoch nur 64 Covid-19-Patienten.

Dass von der vierten Welle vor allem jüngere Personen betroffen waren, zeigt der Vergleich nach Altersgruppen: Die höchste Inzidenz wiesen zuletzt die fünf- bis 15-Jährigen auf, gefolgt von den 35- bis 44-Jährigen.

Rechnet man die Covid-Fälle auf 100.000 Personen um, sind ältere Personengruppen mittlerweile weniger betroffen, weil bei ihnen die höchste Durchimpfungsrate vorliegt.

So sind seit Ausbruch der Pandemie unter den 75- bis 84-Jährigen in Vorarlberg laut der Gesundheitsagentur Ages bisher 7,8 der Frauen und neun Prozent der Männer an Covid-19 erkrankt. In dieser Altersgruppe sind aktuell 90 Prozent geimpft. Bei den 15- bis 24-Jährigen sind hingegen bereits 19 Prozent der Männer und 18,9 Prozent der Frauen erkrankt, während die Impfquote in dieser Altersgruppe nur bei 68 Prozent liegt.

Die weitgehende Öffnung in Vorarlberg hat auch deshalb für bundesweites Aufsehen gesorgt, weil das westlichste Bundesland trotz der höchsten Inzidenz hier weitreichendere Schritte setzt, als beispielsweise Wien. Dass die Öffnung risikobehaftet ist, weiß man auch beim Land, wo auf zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen und Testangebote verwiesen wird.

Immer noch viele Patienten

Als Vorarlberg am 15. März vorzeitig aus dem Lockdown ging, lagen lediglich 13 Covid-19-Patienten in den heimischen Spitälern, diesen Freitag waren es 112, 28 davon Intensivpatienten. Damit liegen kurz vor der Öffnung fünf Menschen mehr auf den Vorarlberger Intensivstationen als zu Beginn des Lockdowns.
Dabei darf freilich nicht vergessen werden, dass die Zahl der Spitalsbelegungen der Inzidenz verzögert folgt: Wenn sich heute weniger Menschen anstecken, spüren das die Krankenhäuser erst in einigen Tagen.

So folgte der höchsten Inzidenz während der dritten Welle am 2. April erst am 11. April der Gipfel der Auslastung auf den Intensivstationen. Mit diesem Rückgang ist trotz der nach wie vor hohen Auslastung der Vorarlberger Spitäler auch jetzt zu rechnen – wenn die Fallzahlen bei den Infektionen nicht wieder steigen.

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