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Impfkritik: Zwei Ärztinnen angezeigt

13.12.2021 • 22:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Allgemeinmedizinerin Gitte Nenning veröffentlichte Videobotschaft.
Allgemeinmedizinerin Gitte Nenning veröffentlichte Videobotschaft.

Medizinnerinnen machten Impfkritik öffentlich.

Dass man bei einem Anruf beim Arzt in einer Telefonwarteschleife hängen bleibt, soll schon vorgekommen sein. Eher ungewöhnlich ist es hingegen, wenn eine Medizinerin in einer fast fünf Minuten dauernden Sprachnachricht mitteilt, dass ihre Praxis heute wegen der „drohenden Impfpflicht, der Spaltung der Gesellschaft und der Vorgehensweise so mancher Institutionen heute geschlossen bleibt“. Letzteres bekam man am Montag unter der Rufnummer von Sharon Tagwerker, Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde in Bludenz, zu hören. Auch auf ihrer Webseite ließ die Medizinerin ihrem Unmut über die Impfpflicht und die Behandlungsmethoden bei Corona-Erkrankungen freien Lauf.

„Wo sind wir gelandet?“

Die 46-jährige Medizinerin ist niedergelassene Ärztin und war zuvor Oberärztin an der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde am Landeskrankenhaus Feldkirch. Seit 2017 führt sie eine eigene Wahlarztpraxis in Bludenz, in der sie auch Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) anbietet. Ihre Kritik richtet sich vornehmlich gegen die Politik und die Standesvertretung, sprich Ärztekammer. Letztere hatte vor wenigen Tagen einen Brief an die Ärzteschaft geschickt, der bei einigen Medizinern für gro­ßen Unmut gesorgt hat. In dem Schreiben wies der Präsident der Österreichischen Ärztekammer Thomas Szekeres darauf hin, dass sich die Ärzte an die Empfehlungen des Nationalen Impfgremiums (NIG) halten müssen und nicht unbegründet von Corona-Impfungen abraten dürfen, ansonsten würden ihnen Disziplinarverfahren drohen. „Wo sind wir gelandet“, fragt sich Tagwerker, „wenn unsere Standesvertretung einen wissenschaftlichen Diskurs unterbindet, eine individuelle Nutzen-Risiko Bewertung für Patienten mit Disziplinarverfahren und Berufsausschluss bestraft?“

Kinderärztin Sharon Tagwerker. <span class="copyright">Bischof</span>
Kinderärztin Sharon Tagwerker. Bischof

Gegen Impfung von Kindern und Jugendlichen

Tagwerker lässt auch wissen, dass sie die Impfung von Kindern und Jugendlichen ablehnt. Die Medizinerin begründet ihre Haltung unter anderem damit, dass nach Covid-Impfungen vereinzelt Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündungen aufgetreten sind. „Solange diese Fälle nicht eindeutig geklärt sind, dürften niemals diese Medikamente der breiten Masse verimpft werden, sondern nur nach genauem Abwägen eines Nutzen-Risiko-Profils“, so Tagwerker. Was die Ärztin allerdings nicht anspricht, ist, dass junge Menschen laut einer aktuellen Studie meist einen milden Verlauf erleben. Zudem, so sagen Experten, übersteige der Nutzen der Impfung weiterhin deutlich das Risiko.

Die hohe Hospitalisierungsrate und Fallsterblichkeit in Österreich begründet Tagwerker damit, dass hierzulande „sämtliche präklinischen Therapien abgelehnt“ werden.

Burkhard Walla, Vizepräsident der Vorralberger Ärztekammer. <span class="copyright">hartinger</span>
Burkhard Walla, Vizepräsident der Vorralberger Ärztekammer. hartinger

reaktion der Ärztekammer Voralberg

Die Aussagen und Handlungen der beiden Ärztinnen seien der Vorarlberger Ärztekammer zugetragen worden, sagt Vizepräsident Burkhard Walla auf NEUE-Anfrage. Man habe daraufhin umgehend eine Prüfung bzw. Anzeige bei den zuständigen Behörden (Staatsanwaltschaft, Landeshauptmann) veranlasst. Dabei gehe es um die Frage, ob Maßnahmen getroffen werden können oder müssen, bzw. inwieweit eine Verletzung der Berufspflicht vorliege. Der Sachverhalt wurde laut Walla an die Disziplinarkommission der österreichischen Ärztekammer zur weiteren Prüfung weitergeleitet. Die Prüfung erfolge durch unabhängige Institutionen.

Bedauern. Aus medizinischer Sicht kann der Ärztekammer-Vizepräsident die Ausführungen der Medizinerinnen nicht nachvollziehen. „Wir bedauern daher, dass derartige Inhalte von Ärztinnen verbreitet werden und halten dies auch für unverantwortlich“ Walla kündigt an, dass die Ärztekammer derartige Sachverhalte auch weiterhin konsequent den zuständigen Behörden zur Prüfung möglicher Maßnahmen übermitteln werde.

Offener Brief

Die Kinderärztin ist auch eine jener 36 Mediziner, die sich jüngst in einem offenen Brief an den Ärztekammer-Präsident Szekeres kämpferisch zeigten. „Wir werden uns weder durch Sie noch durch andere Kammerfunktionäre mit ähnlicher Gesinnung einschüchtern lassen“, heißt es in dem Brief, der von insgesamt fünf Medizinern aus Vorarlberg unterschrieben wurde.
Für die unterzeichnenden Ärzte ist die „Schutzwirkung der Covid-19-Impfungen – wenn überhaupt – lediglich für Personen mit einem hohen Risiko für einen schweren Verlauf bei Covid-19 relevant“.

„Gentechnischer Feldversuch“

Weitaus schärfer fällt die Kritik der Dornbirner Allgemeinmedizinerin und Homöopathin Gitte Nenning aus. In einer im Internet kursierenden Videobotschaft bezeichnet sie die Impfung unter anderem als „gentechnischen Feldversuch“, der gefährlicher sei als das Virus selbst. Zudem behauptet die Medizinerin, dass der Großteil der Ärzte bei der Impfung keine Rücksicht darauf nehmen würden, wenn es Patienten schlecht gehe oder diese krank seien. Und sie berichtet von ihr angeblich persönlich bekannten Patienten, die nicht wegen einer Coronainfektion, sondern wegen einer Lungenembolie nach einer Impfung auf der Intensivstation lägen. Sie sei sich bewusst, dass sie aufgrund ihrer Aussagen ihre Berufszulassung verlieren könne, allerdings lasse sie sich von der Ärztekammer nicht das Wort verbieten.

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