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Frau erstochen, auch mutmaßlicher Täter tot

15.12.2021 • 17:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Auch die Cobra war im Einsatz.<span class="copyright">Pascal Pletsch</span>
Auch die Cobra war im Einsatz.Pascal Pletsch

Wieder wurde eine Frau im Land Opfer einer Bluttat. Vermutet wird, dass ihr Lebensgefährte sie tötete.

Nach der Bluttat in Bürs Ende Oktober, bei der eine 47-jährige Frau nach einer Würgeattacke ihres Lebensgefährten (59) verstorben war, wurde gestern in Hohenems neuerlich eine Frau mutmaßlich von ihrem Partner getötet.

Gegen 10.40 Uhr am Vormittag wurde die Polizeiinspektion Hohenems darüber verständigt, dass sich vor einem Mehrparteienhaus in der Rudolf-von-Ems-Straße eine verletzte Frau befinden würde.
Die Zeugen, die die verwundete Frau im Freien fanden, waren zunächst davon ausgegangen, dass es sich um das Opfer eines Verkehrsunfalls handle, da die Frau stark blutete, erzählte ein Polizeisprecher.

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Mit Messer attackiert

Die eintreffenden Sicherheitskräfte entdeckten an der 35-jährigen Frau dann allerdings schnell mehrere schwere Schnitt- und Stichverletzungen. Die Verletzte wurde zunächst durch den Notarzt versorgt und in der Folge in das Landeskrankenhaus Feldkirch eingeliefert, wo sie notoperiert wurde. Allerdings konnte ihr Leben auch durch die rasch ergriffenen Rettungsmaßnahmen und die Operation nicht mehr gerettet werden. Die 35-Jährige erlag noch am Donnerstag im Spital ihren schweren Verletzungen.

Das Opfer und der mutmaßliche Täter wurden ins LKH Feldkirch eingeliefert. <span class="copyright">Pascal Pletsch</span>
Das Opfer und der mutmaßliche Täter wurden ins LKH Feldkirch eingeliefert. Pascal Pletsch

In Wohnung eingesperrt

Als die Polizei in der nahegelegenen gemeinsamen Wohnung in einem kleinen Mehrfamilienhaus nach ihrem 47-jährigen dringend tatverdächtigen Lebensgefährten suchte, hatte sich dieser dort eingesperrt.
Mit Unterstützung des Einsatzkommandos Cobra wurde schließlich die Tür aufgebrochen. In der Wohnung wurde der Mann ebenfalls mit schweren Schnitt- und Stichverletzungen vorgefunden.

Der 47-Jährige wurde auch ins Landeskrankenhaus Feldkirch gebracht, wo er ebenfalls not­operiert werden musste. Auch er überlebte die Verletzungen, die er sich nach derzeitigem Ermittlungsstand selber zugefügt haben dürfte, nicht.
Nach den Erhebungen der Vorarlberger Polizei dürfte der Tat ein Beziehungsstreit vorausgegangen sein. Das Landeskriminalamt Vorarlberg hat die Ermittlungen übernommen.

Opfer männlicher Gewalt

Jede Hilfe kam zu spät. <span class="copyright">Pascal Pletsch</span>
Jede Hilfe kam zu spät. Pascal Pletsch

In Österreich ist statistisch jede fünfte Frau körperlicher oder sexueller Gewalt ausgesetzt. Die Zahl der Frauenmorde (Femizide) hat in den vergangenen Jahre zugenommen.
Allein heuer wurden bereits 29 Frauen von Männern, meist aus ihrem persönlichen Umfeld, getötet. Sollte sich der Verdacht gegen den Lebensgefährten der 35-jährigen, getöteten Hohenemserin erhärten, wäre dies österreichweit der 30. Frauenmord des Jahres 2021.
Damit wäre beinahe der Wert des Vorjahres erreicht, in dem laut den autonomen österreichischen Frauenhäusern 31 Frauen Opfer tödlicher Gewalt geworden waren. Den traurigen Höhepunkt in der Femizidstatistik der vergangenen Jahre bildete 2018 mit bundesweit 41 weiblichen Mordopfern. Österreich liegt mit seiner hohen Rate an Frauenmorden europaweit an der Spitze.

Obduktion angeordnet

Die Obduktion der Leichname soll nach Möglichkeit bereits am Freitag stattfinden.
Sollte sich der verstorbene Lebensgefährte der Frau im Rahmen der Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft als wahrscheinlicher Täter herausstellen, ohne dass weitere mögliche Mittäter feststellbar wären, wird das Ermittlungsverfahren eingestellt.

Hilfe bei Gewalt

Die Frauenhelpline bietet unter der Nummer 0800 222 555 kostenlose Beratungen für alle Frauen, die von Gewalt betroffen oder durch diese bedroht sind. Auch Menschen aus dem Umfeld der Betroffenen können sich mit Fragen an die Hotline wenden. Die Telefongespräche bleiben anonym. Außerdem können sich Betroffene täglich zwischen 15 und 22 Uhr online auf der Webseite www.haltdergewalt.at mit Fachkräften chatten.

In Vorarlberg ist die Gewaltschutzstelle unter der Nummer 05 1755 535 zu erreichen. Für Frauen, die sexueller Gewalt ausgesetzt sind, gibt es unter der Nummer 05 1755 536 ein zusätzliches Beratungsangebot.