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Unterschiedliche Ansichten zur Pflege

16.12.2021 • 21:12 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Am Mittwoch machten Pflegekräfte in Rankweil auf ihre Situation aufmerksam. <span class="copyright">vol.at</span>
Am Mittwoch machten Pflegekräfte in Rankweil auf ihre Situation aufmerksam. vol.at

Sozialdemokraten machten im Landtag auf die prekäre Situation der Pflegekräfte aufmerksam.

Die Pflege war am Donnerstag Thema der Aktuellen Stunde im Landtag.

Die Vertreter aller Fraktionen waren sich einig, dass es Probleme gibt, genügend Personal in diesem Bereich zu finden. Nicht ganz so groß war die Übereinstimmung bei der Frage, wie damit umzugehen ist. Zu Beginn der Debatte schilderte jedoch SPÖ-Pflegesprecherin Elke Zimmermann die aktuelle Situation in der Pflege. Sie wies dabei auf den Protest der Pflegekräfte am 10. November hin. In ganz Vorarlberg hatten Hunderte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Landeskrankenhäuser unter dem Motto „Es ist 5 nach 12“ auf die prekäre Lage im Gesundheitssystem aufmerksam gemacht. Dies zeige, wie wichtig das Thema sei. „Wir befinden uns seit fast zwei Jahren in der größten Gesundheitskrise der letzten 100 Jahre“, sagte die Abgeordnete, die auch Betriebsratsvorsitzende am Landeskrankenhaus Bludenz ist. Obwohl es Probleme gebe, hätten weder die Landes- noch die Bundesregierung nötige Reformmaßnahmen gesetzt. Umso wichtiger sei es, auf die missliche Situation aufmerksam zu machen.

Jobwechsel wird überlegt

Das Personal in den Krankenhäusern und Pflegeheimen sei aufgrund der hohen Arbeitsbelastung psychisch und physisch überfordert, betonte Zimmermann. Ein Fünftel der Mitarbeitenden überlege bereits, den Job zu wechseln. Es brauche nicht nur eine Evaluierung des Gehaltssystems, sondern auch das Arbeitsumfeld müsse attraktiver gestaltet werden. Dazu gehöre beispielsweise ausreichend Freizeit, um sich von den Strapazen erholen zu können, aber eben auch genügend Personal, damit weniger Überstunden anfallen und sich die Mitarbeiter auf die erstellten Dienstpläne verlassen können.

SPÖ-Gesundheitssprecherin Elke Zimmermann. <span class="copyright">Hartinger</span>
SPÖ-Gesundheitssprecherin Elke Zimmermann. Hartinger

Eine vom Land selbst in Auftrag gegebene Prognose aus dem Jahr 2017 komme zu dem Schluss, dass bis 2028 ungefähr 400 Pflegekräfte im Land fehlen werden. Hier müsse man gegensteuern und die Ausbildungsmöglichkeiten weiter verbessern. Der Sparkurs der vergangenen Jahre räche sich nun, meinte Zimmermann.

Mitarbeiter halten und motivieren

Unterstützung gab es für die Sozialdemokratin von den Gesundheitssprechern Hubert Kinz (FPÖ) und Johannes Gasser (Neos). Kinz vermisste einen wertschätzenden Umgang mit den Bediensteten im Gesundheitsbereich. Mit der Impfpflicht werde zusätzlicher Druck aufgebaut. Es gelte, bestehende Mitarbeiter zu halten und zu motivieren. Zusätzlich müsse bei Ausbildung und Rekrutierung die Geschwindigkeit erhöht werden.

FPÖ-Gesundheitssprecher Hubert Kinz. <span class="copyright">Hartinger</span>
FPÖ-Gesundheitssprecher Hubert Kinz. Hartinger

Johannes Gasser merkte an, dass die Ausgaben für die Pflegeheime im kommenden Jahr „nicht wirklich steigen werden“. Dies liege daran, dass es zu wenig Personal gebe, um die Betten zu füllen. Trotz 95 freier Plätze in den Heimen gebe es eine Warteliste mit 182 Interessenten. Um die freien Betten zu füllen, brauche es 55 bis 60 zusätzliche Vollzeit-Pflegekräfte, rechnete der Neos-Abgeordnete vor.

Alle Branchen betroffen

Grünen-Gesundheitssprecherin Nadine Kasper und ÖVP-Sozialsprecherin Heidi Schuster-Burda räumten ebenfalls ein, dass es an Personal fehle. Der Pflege gehe es hier jedoch nicht anders als vielen anderen Branchen, meinte Kasper. Man müsse einen Blick auf das Arbeitsumfeld werfen. Ebenso müsse man auch über gezielte Zuwanderung sprechen. Schuster-Burda brachte auch die Prävention ins Spiel. In Dänemark seien lediglich acht Prozent der Über-75-Jährigen stark pflegebedürftig. In Österreich seien es 22 Prozent.
Auch die beiden zuständigen Landesrätinnen Martina Rüscher (ÖVP/Gesundheit) und Katharina Wiesflecker (Grüne/Soziales) nahmen zur Situation Stellung. Rüscher wies auf das komplexe Ausbildungsangebot im Pflegebereich hin. Die Steuerung dafür sei seit heuer wieder an zentraler Stelle in der Landessanitätsdirektion zusammengeführt worden. Ebenfalls gebe es eine aktualisierte Pflegepersonalprognose. Diese soll im Jänner präsentiert werden.

Kein Sparkurs gefahren

Wiesflecker räumte ein, dass die Mitarbeiter am Limit sind. Sie müssten daher unterstützt werden. Allerdings wehrte sie sich gegen den Vorwurf, dass die Regierung einen Sparkurs gefahren sei. 2014 seien für die Langzeitpflege 99 Millionen Euro aufgewendet worden. Im kommenden Budget seien 189 Millionen Euro (um 91 Prozent mehr) dafür vorgesehen.
Bereits 2019 habe man beschlossen, den Personalschlüssel in den Pflegeheimen zu verbessern. Ebenso werde derzeit an einem Masterplan für die Pflege gearbeitet. Für diesen lägen schon 40 Vorschläge auf dem Tisch, die in alle Bereiche hinein reichen würden.

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