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„Wenigstens einen fixen freien Tag“

16.12.2021 • 10:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
„Wenigstens einen fixen freien Tag“
Shoppen am Sonntag: Es soll eine Ausnahme bleiben.sams

Offener Sonntag soll kein Türöffner für generelle Sonntagsöffnung werden.

Gemütlich einkaufen am Sonntag, die letzten oder auch ersten Weihnachtsgeschenke besorgen: Am heutigen Sonntag können die Vorarlberger genau das tun.

Geschäfte, die während des Lockdowns geschlossen bleiben mussten, haben heute von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Grund dafür: Die Händler sollen den Umsatzausfall, den der Lockdown mitten im Weihnachtsgeschäft verursachte, wenigstens ein bisschen ausgleichen können. Der offene Sonntag heute ist eine Ausnahme. Doch wird er vielleicht Türöffner für weitere Liberalisierungen im Handel? Denn schließlich kommt – selbst ohne Corona – alle Jahre wieder nicht nur das Christkind, sondern auch die Debatte um Sonntagsöffnungen. Die NEUE am Sonntag hat mit einer Betriebsrätin, einem Händler und dem Wirtschaftslandesrat über eine generelle Sonntagsöffnung gesprochen.

Gibt keine Notwendigkeit

DM-Betriebsrätin Nadja Djuric.<span style="color: rgba(111, 111, 111, var(--text-opacity)); font-size: 0.75rem; text-transform: uppercase;"><span class="copyright">schatzl</span></span>
DM-Betriebsrätin Nadja Djuric.schatzl

Die Lustenauerin Nadja Duric ist Betriebsratsvorsitzende von DM in Österreich und betreut auch Vorarlberg. Eine generelle Sonntagsöffnung kommt für sie nicht infrage. Zum einen gebe es keine Notwendigkeit dafür: „Man kann von Montag bis Samstag einkaufen, teilweise sogar von 7.30 bis 20 Uhr. Da braucht es nicht auch noch den Sonntag.“ Zum anderen – und das sei der noch wichtigere Punkt – stehe den Mitarbeitenden im Handel wenigstens ein fixer freier Tag zu. „Der Sonntag ist der einzige Tag, von dem sie wissen, dass sie immer frei haben. Am Sonntag können die Mitarbeitenden Zeit mit dem Partner, der Familie oder Freunden verbringen“, sagt Djuric. Die Betriebsrätin arbeitet schon lange im Handel und kennt noch die Zeiten, als am Donnerstag- und am Samstag­nachmittag geschlossen war. Das alles ist weggefallen und mache den Sonntag als einzigen fixen freien Tag noch wichtiger.

Ein bis zwei offene Sonntage

Händler Clemens Sagmeister.  <span class="copyright">sagmeister</span>
Händler Clemens Sagmeister. sagmeister

Clemens Sagmeister, Geschäftsführer von „Sagmeister – Der Mann“ lehnt allgemeine Sonntagsöffnungen ganz klar ab. „In Vorarlberg wird sich niemand finden, der dafür ist“, meint er. Was er aber befürworten würde: ein bis zwei offene Sonntage im Jahr, die jede Gemeinde für sich festsetzen kann und die für diesen Ort passend sind. In Bregenz zum Beispiel der Sonntag vor der Festspieleröffnung oder in einem Grenzgebiet ein Sonntag, wenn der Schweizer Natio­nalfeiertag auf einen Montag fällt. Sinnvoll fände Sagmeister auch, wenn man den 8. Dezember eintauschen könnte: „In Deutschland ist am 8. kein Feier­tag. Händler in Grenznähe machen da nicht viel Geschäft. Sie könnten statt dem 8. Dezember an einem Sonntag, der gut für die Region passt, öffnen.“
Sagmeister, der auch Obmann der Wige Bregenz ist, erläutert einen weiteren Aspekt: Es gibt bereits offene Sonntage in Tourismusgemeinden, wie beispielsweise den „Goldenen Sonntag“ – das ist immer der vierte Adventsonntag – in Bezau und Mellau. „Es ist unfair, wenn die einen öffnen dürfen und die anderen nicht.“ Natürlich müssten die Rahmenbedingungen für die Mitarbeitenden passen, betont Sagmeister. Und: „Diese flexiblen offenen ein bis zwei Sonntage haben nichts mit einer generellen Sonntagsöffnung zu tun.“

Steht nicht zur Diskussion

Landesrat Marco Tittler.<span class="copyright"> Hartinger</span>
Landesrat Marco Tittler. Hartinger

Wirtschaftslandesrat Marco Tittler sagt zu dem Thema: „Eine generelle Sonntagsöffnung steht nicht zur Diskussion.“ Gleichzeitig spricht Tittler sich aber dafür aus: „Es soll auch weiterhin möglich sein, unter bestimmten Rahmenbedingungen Sonderlösungen zu finden, so wie dies aktuell bundesweit und unterstützt durch eine Sozialpartner­einigung geschehen ist“.
Angesprochen auf ein bis zwei flexible offene Sonntag pro Jahr, verweist der Landesrat darauf: Bereits jetzt bestehe die Möglichkeit, zu speziellen Anlässen wegen eines außergewöhnlichen regionalen Bedarfs zu öffnen. Davon wurde beispielsweise bei der Gymnaestrada oder bei der Bregenzerwälder Handwerksausstellung Gebrauch gemacht. Grundsätzlich sei ein Offenhalten von Geschäften möglich, wenn die Kollektivvertragspartner sich auf entsprechende Ausnahmen einigen, sagt Tittler.

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