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Bau boomt , aber das Personal fehlt

17.12.2021 • 20:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Es wird kräftig gebaut.      <span class="copyright">APA</span>
Es wird kräftig gebaut. APA

Auftragsbestand der Bauunternehmen auf Vor-Corona-Level.

Die Coronapandemie hat viele Branchen schwer getroffen, mit Rekordarbeitslosigkeit und Kurzarbeit. Die Bauwirtschaft blieb davon jedoch weitgehend verschont. Nicht zuletzt aufgrund der Covid-Investitionsförderung hat rasch ein regelrechter Bauboom eingesetzt, der den Firmen volle Auftragsbücher bescherte. Private trugen ebenfalls dazu bei, indem sie ihr Geld in unsicheren Zeiten lieber verbaut haben, als es auf die hohe Kante zu legen. Sorgen bereiten der Bauwirtschaft allerdings die immens gestiegenen Rohstoffpreise, die Materialknappheit sowie der Mangel an Fachpersonal.

Auch für das erste Halbjahr 2022 sind die Erwartungen stabil, wie eine Blitzumfrage der Wirtschaftskammer Vorarlberg unter den heimischen Bauunternehmen zeigt. So wird die aktuelle Auftragslage zum Jahresende 2021 im Vergleich zum Dezember 2020 mit einem Plus von 7,5 Prozent eingeschätzt. Vorsichtig optimistisch sind die Betriebe für das erste Halbjahr 2022 – da wird auf einer soliden Basis ein moderater Zuwachs von vier Prozent erwartet. Der Auftragsbestand der Vorarlberger Bauunternehmen sei wieder auf dem Level von vor Corona angekommen, teilt der stellvertretende Bauinnungsmeister Alexander Stroppa mit. Zum dritten Quartal konnte Vorarlberg einen Auftragsbestand von 19,7 Wochen vorweisen, das ist ein Plus von 1,8 Wochen im Vergleich zum Vorjahr. „Das stimmt uns positiv“, so Stroppa.

Mangel an Aushubdeponien

Neben der Materialknappheit verbunden mit einer drastischen Preissteigerung bezeichnet Stroppa die schwierige Rohstoffversorgung sowie den Mangel an Bodenaushubdeponien als das größte Problem in der Baubranche, „Diese sind Voraussetzung, um Bauprojekte in einer angemessenen Zeit zu vernünftigen Kosten realisieren zu können. Hier ist die Politik gefordert, endlich zu konstruktiven Lösungen zu kommen“, so Stroppa. Wie berichtet sollte die sogenannte Rohstoff- und Deponiestrategie bereits Anfang dieses Jahres präsentiert werden. Doch die Gespräche zwischen Land und Bauunternehmen verliefen bisher im Sand. Der zuständige Landesrat Johannes Rauch habe die ausgestreckte Hand bislang nicht ergriffen, so Hilmar Müller, Geschäftsführer der Bauinnung, auf Nachfrage.

Nach wie vor problematisch zeigt sich auch die Personalsituation. Laut Stroppa sind zahlreiche Betriebe in ihrer Entwicklung eingeschränkt. „Sie könnten wesentlich mehr Mitarbeiter beschäftigen, die es aber leider am Markt nicht gibt.“ Allein seine Firma könnte sofort 30 bis 50 Mitarbeiter mehr gebrauchen, ließ der stellvertretende Innungsmeister und Geschäftsführer des Bau­unternehmens Hilti & Jehle wissen. Dringend gesucht werden in allen Bereichen Fachkräfte und Lehrlinge.

Wohnbau stabil

Als unverändert stabil eingeschätzt wird in der Blitzumfrage der Wohnbau. Im Jahr 2021 wurden in Vorarlberg insgesamt rund 3300 Wohnungen und Wohnhäuser errichtet. Damit werde das Niveau der bewillig­ten Wohneinheiten der letzten Jahre fortgesetzt, sagt Günther Ammann, Fachgruppenobmann der Immobilien- und Vermögenstreuhänder. „Die Nachfrage nach Immobilien ist in Vorarlberg ungebrochen – daran haben weder die Pandemie noch stark gestiegene Grundstückspreise und hohe Kosten für den Wohnungskauf etwas geändert“, schildert Ammann die anhaltende Preisdynamik in Vorarlberg. Ammann geht aktuell von einem Bedarf von 3000 bis 3200 Neubauwohnungen pro Jahr aus.

Anlass zur Sorge gibt die Eigentumsquote junger Erwachsener, die laut Ammann stark rückläufig ist. Nach seinen Angaben waren vor zehn Jahren noch 38 Prozent der Wohnungsbesitzer unter 30 Jahre alt, heute liege der Anteil der jungen Erwachsenen bei unter 30 Prozent, Tendenz weiter sinkend.
Als Gründe nennt Ammann die deutlich gestiegenen Immobilienpreise, aber auch die fehlende Anpassung der Wohnbauförderung an die reale Kostensituation. Die hohen Grundstückspreise und die gestiegenen Rohstoffpreise sollten daher genauso berücksichtigt werden wie zusätzliche Aufwendungen für gesetzlich verordnete Auflagen.

Dass das Land ab Jänner 2022 die Deckelung der Wohnbauförderung nun anhebe, sei ein erster wichtiger Schritt, sagt Ammann.

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