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Cobra stürmte zwei falsche Wohnungen

20.12.2021 • 15:57 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Cobra, hier bei einer Übung, trat den falschen die Türen ein. <span class="copyright">Paulitsch</span>
Die Cobra, hier bei einer Übung, trat den falschen die Türen ein. Paulitsch

Republik einigte sich mit einem der Opfer, anderem bot man 1000 Euro.

Auf der Suche nach einem wegen häuslicher Gewalt Tatverdächtigen drangen Cobra-Polizisten am 25. Jänner nach Mitternacht in einer Wohnanlage im Leiblachtal zunächst irrtümlich in zwei falsche Wohnungen ein. Daraufhin klagten die beiden betroffenen Mieter der Wohnungen am Landesgericht Feldkirch die Republik Österreich als Dienstgeberin der Polizisten auf Schadenersatz.

Vergleich und Klage

Die Mieterin in der zweiten Wohnung wurde nach Angaben ihres Anwalts Daniel Wolff traumatisiert und musste psychologische Hilfe in Anspruch nehmen. Wie berichtet, endete ihr Zivilprozess im September mit einem Vergleich. Demnach bezahlt die Republik der 60-jährigen Frau 5000 Euro.

Zuvor hatten die Cobra-Beamten bei dem Vorfall versehentlich eine andere Wohnung gestürmt. Sie brachen die Tür auf und fixierten den Bewohner. Der 27-jährige Syrer sei dadurch retraumatisiert worden, sagte sein Anwalt Florin Reiterer am Montag in der ersten Verhandlung. Der Kläger fordert 20.000 Euro und die Haftung für allfällige künftige Schäden.

Nicht nachgefragt

Zivilrichterin Sieglinde Stolz wird in der nächsten Verhandlung die als Zeugen vorgeladenen Cobra-Polizisten wohl auch fragen, warum sie sich nicht schon in der ersten Wohnung nach dem Standort der gesuchten Wohnung erkundigten.

Es kam am Montag zu keiner gütlichen Einigung. Sophie Kreuzbauer von der Finanzprokuratur, die die Republik vertritt, bot nur 1000 Euro an. Die Beklagtenvertreterin sagte, durch den um 1.37 Uhr abgesetzten telefonischen Notruf sei die genaue Lage der Wohnung des Beschuldigten in der Wohnanlage nicht bekannt gewesen. Zudem seien keine Namensschilder vor den Wohnungen angebracht gewesen. Die Anwältin der Republik entschuldigte sich im Gerichtssaal beim Kläger für den Vorfall. Sie beantragte dennoch eine Abweisung der Klage, weil die Vorgangsweise der Beamten angesichts der Umstände nicht unvertretbar gewesen sei.

Verdächtiger bekannt

Klagsvertreter Reiterer wies darauf hin, dass der Tatverdächtige amtsbekannt gewesen sei. Polizisten hätten ihn in den Monaten vor dem nächtlichen Vorfall schon mehrfach in seiner Wohnung aufgesucht.

Das mutmaßliche Opfer hatte mangels Telefonverbindung per Instagram-Messenger ihre Freundin verständigt, die dann die Polizei alarmierte. Die Frau sagte ihrer Freundin, sie habe sich im Badezimmer eingesperrt. Ihr Freund hantiere davor mit seinem Revolver und drohe ihr damit, sie zu erschießen.

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