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Viele Firmen warten auf Entschädigungen

20.12.2021 • 20:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Anträge auf Vergütungen müssen bei den Bezirkshauptmannschaften gestellt werden.<br><span class="copyright">Hartinger</span>
Anträge auf Vergütungen müssen bei den Bezirkshauptmannschaften gestellt werden.
Hartinger

Über 15.000 offene Vergütungsanträge. Entspannung nicht in Sicht.

Die Entschädigungszahlungen für Firmen, deren Mitarbeiter aufgrund einer Covid-19-Infektion oder eines K1-Status behördlich abgesondert wurden, ziehen sich in Vorarlberg weiter gehörig in die Länge.

Die Redaktion der Wirtschaftspresseagentur erhielt Informationen aus Unternehmen, die auf die „Vergütung des Verdienstentganges gemäß Epidemiegesetz“ seit Jänner oder Februar 2021 warten. Damit nähert sich die Wartefrist dem Zeitraum eines Jahres, innerhalb dessen die Behörde entscheiden muss. Stellvertretend für die vier Vorarlberger Bezirkshauptmannschaften ist der Bludenzer Bezirkshauptmann Harald Dreher für das sogenannte Entschädigungsteam zuständig, das in der Messehalle 14 in Dornbirn angesiedelt ist. Dort werden die Anträge der Unternehmen auf Vergütungen nach Absonderungen der Belegschaft geprüft und gegebenenfalls mittels Bescheid freigegeben.

Harald Dreher ist für das Entschädigungsteam zuständig. <span class="copyright">Vlk</span>
Harald Dreher ist für das Entschädigungsteam zuständig. Vlk

Aktuell blicke man auf rund 15.450 offene Anträge von Vorarlberger Unternehmen, so Dreher. Damit sei die Zahl der offenen Anträge (jeweils eine abgesonderte Person) höher als im Sommer 2021. Angesprochen auf die Bearbeitungsdauer sagte Dreher, dass man gegenwärtig an den Anträgen dran sei, die zu Jahresbeginn 2021 eingebracht wurden. „Das Jahr 2020 haben wir zum allergrößten Teil abgeschlossen. Offen sind nur wenige Spezialfälle.“

Weniger Mitarbeiter

Dreher begründet die langen Bearbeitungszeiten und den immer noch höheren Berg an offenen Anträgen folgendermaßen: Einerseits seien aufgrund der jüngsten Infektionswelle wieder viele Mitarbeiter vom Entschädigungsteam auf Vorgabe der Landesregierung in das Contact Tracing versetzt worden. „Im Sommer hatten wir rund 50 Mitarbeiter, gegenwärtig liegen wird bei elf“, erklärt Dreher. Das sei die Untergrenze, mit der das Entschädigungsteam arbeiten könne. Die Folge: Die Zahl der wöchentlich abgewickelten Fälle sank von mehr als 500 Bescheiden im Sommer auf derzeit etwa 250 Bescheide.

„Die jüngste Infektionswelle hat dazu geführt, dass die Neuanträge beinahe explosionsartig angestiegen sind.“

Harald Dreher, Bezirkshauptmann Bludenz


Andererseits habe die jüngste Infektionswelle dazu geführt, dass die Neuanträge beinahe explosionsartig angestiegen seien, sagt Dreher. Zwischen Sommer und der letzten November-Woche 2021 sei es dem Entschädigungsteam noch gelungen, mehr Anträge abzuarbeiten, als neu hereingekommen seien. Als Beispiel nennt der Bludenzer Bezirkshauptmann die Kalenderwoche 47 mit 189 Neuanträgen und 244 hinausgegangenen Bescheiden. Vergangene Woche gab es dann aber 687 Neuanträge und nur noch 212 erledigte Bescheide. Dass sich diese Situation in den kommenden Monaten aufgrund der deutlich ansteckenderen Omikron-Variante entspannt, dürfte wohl eher nicht der Fall sein.

46,6 Millionen an Vergütungen

Seit Pandemiebeginn wurden insgesamt 8000 Anträge mittels Bescheid abgearbeitet. Dafür erhielten die Firmen in Vorarlberg rund 46,6 Millionen Euro an Vergütungen, so Dreher. Seit Februar 2021 können Unternehmen die Anträge auf Vergütung des Verdienstentganges für ihre Arbeitnehmer auch über ein Online-Formular stellen. Mittlerweile kämen weit mehr als 90 Prozent der Anträge über die Online-Schiene. „Das verkürzt die Bearbeitungsdauer erheblich, da viele Daten im gleichen Format schneller verarbeitet werden können“, sagt Dreher. Dass sich die Wartezeiten trotzdem nicht wesentlich verkürzt haben, hänge mit dem Umstand zusammen, dass jeder einzelne Antrag dennoch manuell geprüft werden müsse.

Günter Bitschnau / wpa

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