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Eine Einladung zum Verweilen und Studieren

26.12.2021 • 08:10 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Thomas Feurstein zeigt sich für den Bau mitverantwortlich. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Thomas Feurstein zeigt sich für den Bau mitverantwortlich. Klaus Hartinger

Die Vorarlberger Landesbibliothek wurde umgebaut und erstrahlt in neuem Glanz.


Erhaben thront die Vorarlberger Landesbibliothek am Fuße des Gebhardsberges über der Landeshauptstadt Bregenz. Seit 1986 ist die Bibliothek in dem ehemaligen Benediktinerkloster St. Gallusstift beheimatet und hat sich über die Jahre zu einer der modernsten ihrer Art im deutschsprachigen Raum etabliert.

Zumindest wenn es nach den Inhalten und der Freihandaufstellung geht.
In Bezug auf die Räumlichkeiten bot das ehemalige Kloster schon jeher einen interessanten Rahmen, der allerdings in den vergangenen 30 Jahren so gut wie nicht verändert wurde. Um den Ansprüchen der heutigen Zeit aber nicht nur inhaltlich, sondern auch architektonisch zu entsprechen, wurde das altehrwürdige Gebäude umgebaut. In enger Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt und den Verantwortlichen der Bibliothek, plante das Vorarlberger Architekturbüro Ludescher+Lutz den Haupttrakt der Landesbibliothek neu.

Der Eingang wurde nun großzügig gestaltet.<span class="copyright"> Klaus Hartinger</span>
Der Eingang wurde nun großzügig gestaltet. Klaus Hartinger

Einladung

Bereits der Eingangsbereich lässt erahnen, welches Konzept hinter dem Umbau steht. Weitläufig, breit angelegt mit einem kleinen Park und Stufen zum Verweilen, ist er eine Einladung. Eine Einladung für alle Menschen, die Bibliothek zu nutzen und die Vorteile zu genießen. Mit Blick auf den See versteht sich.
„Die Neugestaltung des Außenbereichs hatte die Intention, die Einrichtung zur Stadt hin zu öffnen. Das Gebäude diente früher als Kloster und ein solches lebt mehr nach Innen als nach Außen. Daher war der Eingangsbereich auch seitlich und man musste an der Mauer entlangschleichen. Das galt es aufzuheben und es einladender gestalten“, erklärt Thomas Feurstein. Der Leiter der Abteilung Vorarlbergensien war vonseiten der Landesbibliothek federführend beim Umbau beteiligt, um die Expertise von Innen einzubringen.

Klar erkennbar ist nun auch der Schriftzug. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Klar erkennbar ist nun auch der Schriftzug. Klaus Hartinger

Über dem Eingang prangt in großen Lettern der Schriftzug Vorarlberger Landesbibliothek, um jeden Zweifel über die Nutzung des Gebäudes gleich zu zerstreuen. In der Vergangenheit war dies nicht der Fall. Einzige Ausweisung als Bibliothek im Außenbereich war ein kleiner, unscheinbarer Schaukasten. „Man wusste eigentlich nicht wirklich, wo man ist und wo man hinmöchte. Das haben wir grundlegend geändert“, erklärt Feurstein.

Für den Bau des Lesesaals mussten 50.000 Bücher von der Freihandaufstellung ins Depot wandern. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Für den Bau des Lesesaals mussten 50.000 Bücher von der Freihandaufstellung ins Depot wandern. Klaus Hartinger

Im Eingangsbereich fällt der Blick sofort auf die großzügige Infotheke, die durch den Baustoff Holz eine angenehme Wärme ausstrahlt. Die Verbindung zum Gebäude Babenwohl, wo sich früher die Infotheke befand, wurde entfernt. Das Schlösschen mit Grundmauern aus dem 14. Jahrhundert ist nun durch einen unterirdischen Gang erreichbar und steht wieder für sich alleine.
Die Infothek hingegen, ist erster Kontaktpunkt beim Betreten des Gebäudes und eine weitere Einladung, sich mit den Inhalten der Landesbibliothek zu beschäftigen. Zwar sind derzeit noch keine längeren Aufenthalte möglich, Corona lässt es schlicht nicht zu, dennoch läuft der Betrieb weiter. Um das Haus zu betreten, braucht es einen 2G-Nachweis, aber viele, vor allem junge Menschen sind nicht geimpft und aus diesem Grund haben die Verantwortlichen aus der Not eine Tugend gemacht.

Die neue Infotheke. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Die neue Infotheke. Klaus Hartinger

„Corona macht derzeit von dem Grundkonzept ziemlich viel kaputt. Aber es werden auch wieder andere Zeiten kommen. Derzeit kann bei uns jeder unabhängig von seinem Impfstatus Bücher bestellen und bekommt diese kostenlos zugeschickt. Das ist eine Sonderaktion für die Coronazeit. Bibliotheken wollen niemanden ausschließen und sind für jeden da“, sagt Feurstein.

Mittels Benutzerkarte werden die Schließfächer abgesperrt.<span class="copyright"> Klaus Hartinger</span>
Mittels Benutzerkarte werden die Schließfächer abgesperrt. Klaus Hartinger

Neuer Lesesaal

Wenn die Pandemie ein Ende gefunden hat, soll auch der neue Lesesaal entsprechend seiner Funktion von den Kunden genutzt werden. „Bibliotheken waren vor 20 Jahren ein Ort rein um Bücher auszuleihen. Das hat sich weltweit geändert. Bibliotheken sind zum Verweilen gemacht. In den Lesesälen wird studiert, gelernt und gelesen. Die Menschen wollen immer weniger in den eigenen vier Wänden lernen, sondern eine Umgebung, die sie inspiriert und motiviert. Dafür ist dieser Saal gedacht.“
Die Decke des neuen Lesesaals wurde mit einer goldenen Spiegelfolie überzogen. Dadurch gewinnt der Raum an Höhe, wirkt größer und sorgt für das entsprechende lernunterstützende Flair.

Der Lesesaal mit seiner Spiegeldecke. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Der Lesesaal mit seiner Spiegeldecke. Klaus Hartinger

Neben dem Lesesaal wurden vier weitere Räume für Gruppenarbeiten geschaffen. Ausgestattet mit einem großen Smartboard, können Interessierte den Raum über ein Online-Buchungssystem kostenlos mieten. Eingeladen sind alle Altersgruppen, diesen Service zu nutzen. Das gilt aber nicht nur für die „Seminarräume“, sondern für die gesamte Bibliothek.

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