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Die Nachwuchs-Glücksbringer

30.12.2021 • 20:03 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Manuel Kohler, Niclas Flatz und Laurin Raidel (von links). <span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>
Manuel Kohler, Niclas Flatz und Laurin Raidel (von links). Dietmar Stiplovsek

Herausgeputzt: Die pechschwarzen Uniform wird leider nur zu besonderen Anlässen getragen.

Rauchfangkehrer gelten von jeher als Glücksbringer. Einmal kurz den güldenen Knopf an der schwarzen Kluft mit den Fingern berührt, und schon ist einem das Glück das ganze Jahr hold. So der Glaube. Allerdings erkennt man die Zunft heute kaum noch. Die „Ausgehuniform“ wird – wie der Name schon sagt – nur zu besonderen Anlässen getragen. Verständlich, sind doch Zylinder und feiner Zwirn schlicht unpraktisch als Arbeitsoutfit.
Erkennen kann man die Rauchfangkehrer dennoch: An den oft rußverschmierten Wangen, die das Kaminkehren nun einmal mit sich bringt.

Laurin Raidel, 15 Jahre aus Krumbach ist Rauchfangkehrer im ersten Lehrjahr. <span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>
Laurin Raidel, 15 Jahre aus Krumbach ist Rauchfangkehrer im ersten Lehrjahr. Dietmar Stiplovsek

Viel zu tun

Das Handwerk des Kaminkehrers ist keineswegs ein aussterbender Beruf. Geheizt werden muss schließlich immer. Öl, Holz, Gas. Und selbst Hausbewohner mit einer Wärmepumpe haben oft zusätzlich einen Schwedenofen in der Wohnstube – wegen der Gemütlichkeit. Die Anlagen müssen regelmäßig ein bis zwei Mal im Jahr gewartet, sprich: gekehrt, gereinigt und die Abgaskontrolle durchgeführt werden. Genug zu tun also.


In Vorarlberg gibt es 27 Kehrgebiete, jedes wird von einem Fachbetrieb bedient. Richard Bilgeri ist Innungsmeister der Rauchfangkehrer. Sein Betrieb sitzt in Riefensberg, sein Einsatzgebiet ist Hohenems. Zwei Lehrlinge bildet der 56-Jährige derzeit aus. Den 17-jährigen Manuel Kohler aus Riefensberg (zweites Lehrjahr) und Laurin Raidel, 15 Jahre alt aus Krumbach und im ersten Lehrjahr.
Was sie dazu bewegt hat, den Beruf des Rauchfangkehrers zu erlernen? Beide junge Männer hat ein Praktikum, das „Schnuppern“, überzeugt. „Ich habe mir auch andere Berufe angeschaut, aber das hier hat mir mit Abstand am besten gefallen“, sagt Laurin Raidel.

Manuel Kohler, 17 Jahre aus Riefensberg ist im zweiten Lehrjahr und Ausbildungsbotschafter. <span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>
Manuel Kohler, 17 Jahre aus Riefensberg ist im zweiten Lehrjahr und Ausbildungsbotschafter. Dietmar Stiplovsek

Ausbildungsbotschafter

Manuel Kohler wurde direkt von Innungsmeister Bilgeri zum Schnuppern in den Betrieb geholt. Mit Erfolg. Das Schnupper-Konzept scheint aufzugehen. „Die vergangenen vier bis fünf Jahre war es gut um den Nachwuchs bestellt. Man hat aber auch etwas dafür getan, ist an die Schulen gegangen, um den Beruf vorzustellen. Momentan sind wir also gut aufgestellt“, berichtet Bilgeri. Der 17-Jährige Manuel Kohler ist heute selbst ein Ausbildungsbotschafter. Den Kurs dazu hat er jedenfalls absolviert. Die Pandemie hat bisher leider verhindert, Schülern von seinem geschätzten Beruf zu berichten. „Ich hoffe, das wird nächstes Jahr was“, sagt er.

Niclas Flatz, 20-Jahre aus Doren - hat inzwischen den Meister. <span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>
Niclas Flatz, 20-Jahre aus Doren - hat inzwischen den Meister. Dietmar Stiplovsek

Bundessieger aus Vorarlberg

Und ein weiteres Ereignis hat dem Beruf des Rauchfangkehrers wieder zu mehr Popularität verholfen. 2019 wurde ein Vorarlberger Bundessieger im Lehrlingswettbewerb. Das war Niclas Flatz aus Doren. Auch er hat bei Bilgeri gelernt. Momentan absolviert der 20-Jährige seinen Zivildienst. Danach will er in den Betrieb in Riefensberg zurückkehren. Und danach? „Ich habe inzwischen den Meister gemacht. Irgendwann würde ich mich also gerne selbstständig machen“, sagt Flatz stolz und die Vorfreude ist ihm jetzt schon anzumerken.


Fragt man ihn und die beiden Nachwuchs-Rauchfangkehrer, was ihnen am meisten Freude bereitet, kommen alle zum gleichen Fazit. Es ist die Mischung zwischen Handwerk und dem Kontakt zu den Menschen. „Sofern sie nett sind.“ Versteht sich von selbst. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass es einem ein gutes Gefühl gibt, wenn einem so viel Vertrauen entgegen gebracht wird. Schließlich steigt der Rauchfangkehrer nicht nur auf das Dach, sondern betritt die privaten Räume der Menschen. Nach Absprache manchmal sogar, wenn sie gar nicht da sind. „Man sollte also nicht nur schwindelfrei, sondern auch unbedingt verlässlich und ehrlich sein“, zählen Manuel Kohler und Laurin Raidel jene Eigenschaften auf, die unbedingt zum Jobprofil gehören. Eine gewisse Fingerfertigkeit und technisches Verständnis sind natürlich auch von Vorteil.

Richard Bilgeri (56), Innungsmeister der Rauchfangkehrer. <span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>
Richard Bilgeri (56), Innungsmeister der Rauchfangkehrer. Dietmar Stiplovsek


„Im Gegensatz zu früher ist alles viel technischer geworden. Damals hat man hauptsächlich Holzherde und -öfen gereinigt. Heute gehört mehr dazu. Auch der Umweltschutz spielt heute eine große Rolle“, sagt sich Bilgeri.
Derzeit gibt es in Vorarlberg 13 Rauchfangkehrer-Lehrlinge, vom ersten bis zum dritten Lehrjahr. Bilgeri schickt seine Auszubildenden regelmäßig auch in andere Betriebe, um ihnen möglichst viel Erfahrungen mitzugeben. „Sie sollen auch sehen, wie in anderen Betrieben geschafft wird“, sagt er.
Neben der Praxis, also dem täglichen Unterwegs-sein mit Meister oder Geselle, verbringen die Lehrlinge insgesamt zehn Wochen im Lehrjahr in Absam bei Hall in Tirol in der Berufsschule. Dort kommen alle Vorarlberger, Tiroler und Südtiroler zum Blockunterricht zusammen.

Früher kam es durch die Pechablagerungen oft zu Kaminbrände. Durch die Reinigungen gingen die Brände zurück. Das „Unglück“ wurde durch den Rauchfangkehrer vom Haus ferngehalten.<br><span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>
Früher kam es durch die Pechablagerungen oft zu Kaminbrände. Durch die Reinigungen gingen die Brände zurück. Das „Unglück“ wurde durch den Rauchfangkehrer vom Haus ferngehalten.
Dietmar Stiplovsek

Glück und glücklich

Ob sie dort erfolgreich sind, hat weniger mit Glück zu tun, sondern eher mit Interesse und Fleiß. So viel dürfte klar sein. Glücklich sind die Nachwuchs-Rachfangkehrer aber allemal mit ihrer Berufswahl.
Tatsächlich werden sie ab und an darauf angesprochen. „Kürzlich hat mich ein Taxifahrer gefragt, was ich arbeite. Er hat sich dann darüber gefreut, dass ich ihm jetzt quasi Glück bringe. Solche Begegnungen sind natürlich nett“, erzählt Laurin Raidel.
Und zum Jahreswechsel kann es sogar immer wieder vorkommen, dass die Rauchfangkehrer tief in ihre Tasche greifen und eine goldige Glücksmünze hervorholen und verschenken. Ein bisschen Glück im neuen Jahr kann wohl keinem schaden. Viel Glück in 2022!

Knopf berühren und Glück haben – so ist der Glaube. <span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>
Knopf berühren und Glück haben – so ist der Glaube. Dietmar Stiplovsek

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