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Flüchtlingshilfe sucht Personal und Unterkünfte

30.12.2021 • 19:58 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Bernd Klisch leitet die Caritas-Flüchtlingshilfe. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Bernd Klisch leitet die Caritas-Flüchtlingshilfe. Klaus Hartinger

Seit dem Sommer kommen wieder mehr geflüchtete Menschen nach Vorarlberg.

Wie viele Flüchtlinge betreuen Sie derzeit?
Bernd Klisch: Aktuell werden 1149 geflüchtete Menschen in 73 Unterkünften von der Caritas-Flüchtlingshilfe im Auftrag der Landesregierung betreut.

Wie viele sind in den letzten Wochen nach Vorarlberg gekommen?
Klisch: In den Monaten Oktober bis Dezember hat das Land Vorarlberg 303 Asylwerber und -werberinnen vom Bund übernommen.

Sind es wieder mehr geworden?
Klisch: Ja, die Asylantragszahlen sind in Österreich dieses Jahr wieder gestiegen. Dies hatte zur Folge, dass auch Vorarlberg seit Sommer dieses Jahres wieder mehr Asylwerber und -werberinnen vom Bund übernimmt. Im Sommer hat die Landesregierung daher beschlossen, die Kapazitäten zu erhöhen. Seither sind wir im Auftrag des Landes aktiv auf der Suche nach Wohnungen und Häusern zur Unterbringung von geflüchteten Menschen.

Wie war bei der Flüchtlingshilfe die Situation seit Beginn der Coronapandemie?
Klisch: In Gemeinschaftsunterkünften, in denen sich Flüchtlinge ja Küchen, den Hygienebereich und Gemeinschaftsräume teilen, ist das Infektionsrisiko naturgemäß höher als in Kleinwohnungen. Aber die Bewohnerinnen und Bewohner hatten großes Verständnis für die vorgegebenen Schutzmaßnahmen. In den von der Caritas betreuten Unterkünften gab es im Verhältnis gleich viele Infektionen wie in der gesamten Bevölkerung von Vorarlberg.

Und wie ist es den Menschen gegangen?
Klisch: Die Bemühungen der Flüchtlinge, sich die Sprache anzueignen und sich in unsere Gesellschaft zu integrieren, wurden leider durch die vielen Pandemie-bedingten Einschränkungen in hohem Maße beeinträchtigt. Persönliche Kontakte und gemeinsames Deutschlernen lassen sich nicht durch virtuelle Kontakte ersetzen – wenn auch die elektronischen Geräte in der Betreuung sehr hilfreich waren.

Im Schulbrüderheim leben wieder geflüchtete Menschen.                       <span class="copyright"> Dietmar Stiplovsek</span>
Im Schulbrüderheim leben wieder geflüchtete Menschen. Dietmar Stiplovsek

Vor einigen Tagen wurde bekannt gegeben, dass das Grundversorgungsquartier Schulbrüderheim in Feldkirch reaktiviert wurde. Müssen auch andere Quartiere wieder in Betrieb genommen werden?
Klisch: Die meisten der früheren Unterkünfte, die während der letzten Jahre geschlossen wurden, werden nun in anderer Weise verwendet. Ein paar Objekte können aber reaktiviert werden, wie das erwähnte Schulbrüderheim in Feldkirch, wo seit Mitte Dezember wieder geflüchtete Menschen wohnen. Die Landesregierung ist derzeit gemeinsam mit dem Gemeindeverband und der Caritas auf der Suche nach weiteren Objekten für die Unterbringung von Asylwerbern und -werberinnen.

Wie schwierig ist das?
Klisch: Bleibeberechtigte Menschen belegen derzeit mehr als die Hälfte der Quartierplätze, die eigentlich für Asylwerber und Asylwerberinnen vorgesehen wären. Es ist in Vorarlberg für bleibeberechtigte Flüchtlinge sehr schwierig, auf dem privaten Wohnungsmarkt leistbare Wohnungen zu finden. Wir suchen daher dringend Wohnungen für jene Menschen, die bereits ein Bleiberecht haben, aber immer noch in den Unterkünften der Grundversorgung wohnen. Wer bereit ist, geflüchteten Menschen Wohnraum anzubieten, kann dies der Caritas-Flüchtlingshilfe melden.

Im Schulbrüderheim sollen etwa 80 Menschen untergebracht werden. Werden Sie auch wieder Großquartiere brauchen?
Klisch: Aktuell hat die Caritas keinen weiteren Auftrag für Großquartiere.

Wer kommt derzeit nach Vorarl­berg?
Klisch: Fast 70 Prozent der in Vorarlberg aufgenommenen überwiegend männlichen Flüchtlinge kommen aus Syrien. Gesunken ist der Anteil der Flüchtlinge aus Afghanistan und Somalia. Der beträgt jeweils circa zehn Prozent. Insgesamt betreut die Caritas Flüchtlinge aus 23 Nationen.

Erfüllt Vorarlberg aktuell seine vom Bund festgelegte Aufnahmequote?
Klisch: Da alle Bundesländer die Kapazitäten abgebaut haben, erfüllt außer Wien kein Bundesland die Aufnahmequote. Vorarlberg fehlen zur Erfüllung der mit dem Bund vereinbarten Quote rund 400 Asylwerber und -werberinnen.

Wie schaut die personelle Situation in der Caritas-Flüchtlingshilfe aus – haben Sie genug Personal?
Klisch: Mit dem Aufbau der Bettenkapazitäten stellen wir auch wieder mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Betreuung der Flüchtlinge ein. Da wir in Vorarlberg allerdings einen Fachkräftemangel im Sozialbereich haben, stellt die Rekrutierung eine große Herausforderung dar.

Wie viele Stellen sollten Sie besetzen?
Klisch: Die Berechnung und Planung der genauen Zahlen für die kommenden Monate erfolgt in diesen Tagen.

Wie wird sich die Flüchtlingssituation im Land Ihrer Ansicht nach in den kommenden Monaten weiterentwickeln?
Klisch: Laut Informationen der Landesregierung, welche mit dem Innenministerium in engem Kontakt ist, werden auch in den kommenden Wochen die Asylantragszahlen auf dem aktuellen Niveau bleiben.

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