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Anstieg bei Insolvenzen droht

04.01.2022 • 17:59 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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Hartinger

Im Vorjahr sanken Insolvenzen. Steigende Zahl an Anträgen lässt für heuer aber Anstieg erwarten.

Der Gläubigerschutzverband Creditreform hat die endgültigen Zahlen bei den Privat- und Firmeninsolvenzen für das Jahr 2021 analysiert. Die Gesamtzahl an Firmeninsolvenzen ist nach dem starken Einbruch seit Beginn der Coronapandemie österreichweit nur mehr ein Prozent zurückgegangen.

Vorarlberg verzeichnete zwar den stärksten Rückgang unter den Bundesländern, mit einem Minus von 30,1 Prozent, allerdings sind bei der grundsätzlich niedrigen Gesamtzahl der insolventen Unternehmen im Ländle – im Vorjahr waren es 51 – prozentuell höhere Schwankungen nicht ungewöhnlich. Die Vorarl­berger Unternehmen zeigten sich aber insgesamt stabil, auch was den bundesweiten Vergleich betrifft. Während in Wien zwölf von 1000 Unternehmen einen Insolvenzantrag stellen mussten, waren es in Vorarlberg nur drei von 1000. Damit zeichnete sich das westlichste Bundesland auch durch die österreichweit niedrigste Insolvenzrate aus. Im Bundesschnitt erklärten 2021 sechs von 1000 Unternehmen die Zahlungsunfähigkeit.

Anstieg erwartet

Ein Blick in die Details zeigt aber, dass dieser Trend der letzten eineinhalb Jahre nun zu Ende geht. Die Zahl der eröffneten Verfahren ist erstmals seit sechs Quartalen um 12,3 Prozent auf über 2000 gestiegen. Betrachtet man allein das vierte Quartal 2021, so zeigt sich, dass die Zahl der eröffneten Verfahren sogar um 174 Prozent angestiegen ist.
Als Grund für die Normalisierung des Insolvenzgeschehens sieht Gerhard M. Weinhofer, Geschäftsführer des Gläubigerschutzverbandes das Auslaufen der Stundungen durch Krankenkassen und Finanzämter. Dadurch kommt es vermehrt zur Antragsstellung auf Insolvenzeröffnung.

Anstieg bei Insolvenzen droht
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Dazu kommt, dass viele Unternehmer durch die volatile, stark verunsichernde Pandemiesituation, in der eine betriebswirtschaftliche Planbarkeit erschwert wird, die Reißleine gezogen haben. Die Insolvenzursachen liegen generell in Managementfehlern, im Wettbewerb – Preiskampf, und in sinkenden Margen – sowie im Mangel an Kapital und damit konkret in Problemen bei der Rückzahlung der gestundeten Abgaben und Steuern. Da es 2021 in Österreich nur wenige Großinsolvenzen gab, sind sowohl die Insolvenzpassiva als auch die betroffenen Arbeitsplätze stark rückläufig.

Transportgewerbe und Bau

Am stärksten stiegen die Insolvenzen im Transportwesen mit einem Plus von 19,7 Prozent im Handel (+4 Prozent) und im Bauwesen (+3,4 Prozent). ­Hingegen gingen die Insolvenzen im Tourismus mit einem Minus von 13,3 Prozent zurück, wobei hier vor allem staatliche Beihilfen eine Insolvenzwelle verhindert haben. Die größte relative Insolvenzbetroffenheit herrschte im Bau mit rund 18 von 1000 Branchenunternehmen.

Ein Bundesländervergleich zeigt, dass Wien auch bei den Privatinsolvenzen pro Einwohner an der Spitze liegt. Hier mussten 18 von 10.000 Einwohnern Insolvenz anmelden, während es im Bundesschnitt nur zehn waren. In Vorarl­berg sanken die ­Privatinsolvenzen im Vorjahr um 20 auf 354 und lagen damit etwas unter dem österreichischen Mittel. Bis in den Hochsommer 2021 ging die Zahl der Privatinsolvenzen stark zurück. Kurzarbeit und eine sich rasant erholende Wirtschaft sorgten für ­Entspannung am Arbeitsmarkt. Das Blatt hat sich aber spätestens im vierten Quartal gewendet. Die Zahl der Privatinsolvenzen ging in ­Vorarlberg im Jahr 2021 insgesamt nur leicht zurück. Im Bezirk Bregenz stiegen sie sogar um 31 Fälle auf 143 an.

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