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Kein fehlerloser Start ins neue Jahr

09.01.2022 • 20:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Kopfkino von Heidi Salmhofer <span class="copyright">neue</span>
Kopfkino von Heidi Salmhofer neue

Heidi Salmhofer mit Ihrer Sonntags-Kolumne in der NEUE am Sonntag.

Bei meinem letzten „Tagebucheintrag“ ist mir ein zeitlicher Verwurstler passiert, für den ich mich entschuldigen und diesen auch gleich richtigstellen möchte. Mein Großvater war mit Koloman Wallisch im Widerstand gegen den Austrofaschismus. Wallisch und wurde 1934 hingerichtet. Er stand nicht in Zusammenhang mit dem Widerstand gegen Hitlerdeutschland. Also: Mein Großvater war zuerst gemeinsam mit Koloman Wallisch und der Arbeiterbewegung unterwegs und nach dem Anschluss von Österreich im heimlichen Widerstand gegen die Nazis. Und zack, schon hab ich ein Thema für den heutigen Gedankengang. Ich mag das gar nicht, Fehler machen. Ehrlich gesagt, lässt mich so etwas dann tagelang nicht los. Da wälz ich mich dann im Bett herum, ärgere mich maßlos über mich und kann nicht schlafen. Die Krux dabei, das „Nicht-Schlafen“, macht mich nicht schlauer. Im Gegenteil. Das ist ein immerwährender Lernprozess von mir, zu akzeptieren, dass Fehler passieren und dann auch mal wieder los zu lassen. Ich hoffe hierfür noch auf einen WIFI-Fortbildungskurs. Wirklich unglaublich positiv überrascht haben mich die Reaktionen auf meine versehentliche Geschichtsverfälschung. Freundliche Mails, liebe Hinweise und kein einziges böses Wort. Das war schön. Auf einen Fehler hinweisen sollte nicht mehr oder weniger sein, als Hilfestellung und aufmerksam-Machen und kein Maßregeln. Zu oft wird noch immer das Finden von Fehlern anderer dazu benutzt, sich selbst in einen höheren Status zu katapultieren. Da kann man dann schon mal zwischen den Zeilen ein „Du Depp hast keine Ahnung. Ich bin viel besser, gescheiter und schöner als du!“ lesen. Fehler machen, Scheitern, Blödsinn veranstalten oder mal ins Fettnäpfchen treten, das passiert doch jedem von uns irgendwann einmal. Ich finde, es darf zum guten Ton gehören, das auch unangeprangert zu dürfen. Wenn ich das philosophisch weiterspinnen darf, würde das doch bedeuten, dass viel öfter Menschen in gescheiten Positionen wären, welche immer wieder über sich selbst reflektieren könnten, dazu lernen und sich entwickeln und weniger solche, die sich selbst als unfehlbar und unantastbar halten.  Denn das sind höchstens meine Orchideen am Fensterbankerl. Unfehlbar. Die können nix falsch machen, weil die tun auch nichts außer sich gießen lassen und blühen. Wenn man mehr vom Leben erwartet als trinken und wachsen, dann passieren unweigerlich Fehler und Patschertheiten. Lernen sollten wir draus. Die. Geschichte von. Koloman Wallisch jedenfalls hat sich bei mir eingebrannt. Danke.