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Die Geschichte zweier echter Vorbilder

10.01.2022 • 19:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Johannes Strolz auf seiner Fahrt zum Slalom-Sieg in Adelboden. <span style="color: rgba(111, 111, 111, var(--text-opacity)); font-size: 0.75rem; text-transform: uppercase;"><span class="copyright">GEPA/Patrick Steiner</span></span>
Johannes Strolz auf seiner Fahrt zum Slalom-Sieg in Adelboden. GEPA/Patrick Steiner

Gedanken über zwei Sportler, die beide große Sieger sind.

Ein Sieg ist per Definition ein abschließender Erfolg im Kampf, Krieg oder Wettkampf. Der Sieg über einen Gegner wird im militärischen oder sportlichen Kampf sowie im politischen oder künstlerischen Wettbewerb errungen. Der Erwerb von Preisen, Belohnungen, erobertem Gut und Ähnlichem macht den Sieger darüber hinaus zusätzlich oft zum Gewinner. Was schon in der Begriffserklärung zeigt, dass ein Sieg viele Gesichter haben kann. In den verschiedenen Lebensbereichen, aber auch im Sport. Dass Johannes Strolz am Sonntag einen Sieg gefeiert hat, ist unverkennbar. Der Warther war beim Weltcup-Slalom in Adelboden der Schnellste und damit als Bester der Sieger des Rennens.

Comeback

Dass tags zuvor aber auch Elisabeth Kappaurer eine Siegerin war, ist mitunter erst
auf den zweiten Blick erkennbar. Die Bezauerin belegte beim Weltcup-Riesentorlauf in Kranjska Gora mit einem Rückstand von 3,84 Sekunden den 47. Rang, verpasste somit den zweiten Durchgang um satte 1,51 Sekunden. Mit einem Sieg hat das wahrlich wenig zu tun; aber eben nur auf den ersten Blick. Denn
für die 27-Jährige war es nach etlichen Knochenbrüchen und schweren Gewebeverletzungen das Renn-Comeback nach 1401 Tagen. Einer quälend langen Zeitspanne, in der die Bregenzerwälderin Reha um Reha absolvieren musste.

Elisabeth Kappaurer oben bei ihrem Comeback in Kranjska Gora.<span class="copyright">GEPA/ Matic Klansek</span>
Elisabeth Kappaurer oben bei ihrem Comeback in Kranjska Gora.GEPA/ Matic Klansek

Nach ihrem Trainingssturz vom 27. August 2019 in Argentinien saß die
einstige Juniorenweltmeisterin sogar kurzzeitig im Rollstuhl – sie hatte beide Beine gebrochen. Dabei hatte sie erst Tage vor dem Sturz hatte nach ihrem
2018 erlittenen Schien- und Wadenbeinbruch ihr Comeback auf Ski gefeiert. Nahezu jeder hätte es nach dieser Verletzungsserie bleiben lassen mit dem Sport. Doch die lebensfrohe und immer optimistisch eingestellte Head-Läuferin gab allen Unkenrufen zum Trotz nicht auf. Sie weigerte sich schlichtweg dazu.

<span class="copyright">GEPA/Patrick Steiner</span>
GEPA/Patrick Steiner

Ihr 47. Platz in Kranjska Gora ist angesichts ihrer Geschichte daher ein regelrechtes Heldenepos. Ein Sieg, der ihr keiner mehr nehmen kann. Sie hat
nicht weniger als ihr Schicksal besiegt. Und man darf gespannt sein, welche Kapitel sie ihrer eigenen Geschichte in den kommenden Wochen und Monaten hinzufügt. Weltcuppunkte noch in dieser Saison sind keine Illusion mehr.

Olympia-Kandidat

Auch Johannes Strolz hat mehr oder minder sein Schicksal besiegt. Der 29-jährige Sohn von Olympiasieger und NEUE-Kolumnist Hubert Strolz fiel im Sommer aus dem ÖSV-Kader und war fortan auf sich alleine gestellt. Sowohl was die Organisation seiner Trainings betrifft als auch die Finanzierung. Sogar seine Ski präpariert er seither selbst. Im Dezember schaffte er es, sich für den Weltcup-Slalom in Val d’Isere zu qualifizieren. Er schied zwar in Frankreich aus, und auch zehn Tage später beim Nacht-Slalom in Madonna di Campiglio erreichte er nicht
das Ziel, aber er zeigte in Madonna mit dem 11. Platz nach dem ersten Durchgang auf. Und durfte zuletzt wieder beim ÖSV mittrainieren.

 Head-Läufer bejubelt seinen Premierensieg im Weltcup. Man sieht förmlich, was für ein befreiender Moment Strolz da erlebt. <span class="copyright">GEPA/Patrick Steiner</span>
Head-Läufer bejubelt seinen Premierensieg im Weltcup. Man sieht förmlich, was für ein befreiender Moment Strolz da erlebt. GEPA/Patrick Steiner

Hätte sich Adrian Pertl nicht das Kreuzband gerissen oder sich junge Läufer aufgedrängt – es wäre alles anders gekommen. So aber war Strolz in Adelboden
wieder am Start und feierte einen Sieg, der ein Sportmärchen wahrmachte. Denn mit diesem Sieg, man glaubt es kaum, wird es der Warther im Februar auch
ins ÖSV-Aufgebot der Olympischen Spiele schaffen. Und wer weiß, was Strolz bei den Spielen gewinnt. Unabhängig von seinem sportlichen Abschneiden wäre
dessen Olympia-Teilnahme ein ganz großer Sieg, dem er, eben ähnlich wie Kappaurer, seinem Schicksal abgerungen hätte. Mit Ehrgeiz, Fleiß, Durchhaltevermögen und ganz viel Glaube an sich selbst.

Kämpfer

Ja, ein Sieg hat viele Gesichter. Seit dem Wochenende sind dafür Johannes Strolz
und Elisabeth Kappaurer zwei Beispiele, die es lohnt, dass wir alle sie zu Herzen nehmen. Denn nicht aufzugeben, zu kämpfen und an sich zu glauben sind Tugenden, die wir alle gebrauchen können. Für unseren alltäglichen Kampf mit den Herausforderungen und Dämonen dieser Welt, der sich Leben nennt