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Wie sich Omikron bemerkbar macht 

10.01.2022 • 15:30 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Geschmacks- und Geruchsverlust scheint bei einer Infektion mit Omikron seltener zu sein, Fatigue hingegen dürfte häufiger vorkommen
Geschmacks- und Geruchsverlust scheint bei einer Infektion mit Omikron seltener zu sein, Fatigue hingegen dürfte häufiger vorkommen Kawee/stock.adobe.com

Worauf ist bei einem Ansteckungsverdacht zu achten?

Es gibt zwei Dinge, die mittlerweile mit der Omikron-Variante des Coronavirus assoziiert werden: Die neue Variante verbreitet sich noch schneller als Delta und sie verursacht grundsätzlich mildere Verläufe. „Wobei mild nicht harmlos bedeutet“, sagte Clemens Wendtner, Chefarzt der Infektiologie und Tropenmedizin der München Klinik Schwabing, in einer Presse-Information des Science Media Centers.

Gemeinhin werden Verläufe als mild oder moderat bezeichnet, wenn symptomatisch an Covid-19 erkrankte Personen nicht in einem Krankenhaus medizinisch betreut werden müssen. Es heißt also nicht, dass ein milder Verlauf mit einem Schnupfen gleichzusetzen ist. Hohes Fieber ist ebenso möglich wie starke Kopf- und Gliederschmerzen, aber auch Schwierigkeiten beim Atmen.

Zudem macht es einen Unterschied, ob Personen schon einmal Kontakt mit dem Virus hatten, sei es durch eine Infektion oder durch die Impfung. Diese Grundimmunität könnte die Ursachen sein, wieso sich die Symptomatik bei Omikron etwas anders darstellt. „Insbesondere weil wir ja jetzt doch erhebliche Teile der Bevölkerung haben, die grundimmunisiert sind. Und wenn die am Infektionsgeschehen wieder teilnehmen, davon ist bei Omikron auszugehen, dass dann natürlich auch häufiger Infektionen auftreten, mit einer milden, vielleicht sogar gar keiner Symptomatik“, erklärte Jörg Timm, Leiter des Instituts für Virologie, Universitätsklinikum Düsseldorf. Auch ein wichtiger Aspekt: Ein milder beziehungsweise auch ein asymptomatischer Verlauf schützt nicht vor Long Covid.

Welche Symptome Omikron hervorruft

Doch wie erkennt man eine Infektion mit Omikron? Zwei jener Symptome, die während der letzten Monate verlässlich einen Coronatest zur Folge hatten, scheinen bei Omikron seltener aufzutreten – der Verlust des Geschmacks- sowie des Geruchssinns. “Interessanterweise haben wir beobachtet, dass Geruchs- und Geschmacksverlust viel seltener auftrat”, berichteten die Forscher hinter der ZOE Covid Study, in der Wissenschafter von Infizierten in Großbritannien via App gemeldete Symptome auswerten. “Dies lag früher im Jahr 2021 in den Top-Ten der häufigsten Symptome und rangiert nun auf Platz 17, mit nur mehr einem von fünf Betroffenen.”

„Nach den Berichten, die wir aus Südafrika und Großbritannien haben, ist die klinische Symptomatik wohl leicht verschoben. Fatigue steht bei den Patienten sehr im Vordergrund“, erklärt Wendtner. Mit Fatigue ist ein massiver Erschöpfungszustand gemeint. Häufiger dürfte auch Appetitlosigkeit vorkommen.

Ähnlich wie bei einer Delta-Infektion dürften auch Omikron-Infizierte an Halsschmerzen, Niesattacken, Kopfschmerzen sowie einer laufenden Nase leiden. 73 Prozent der Infizierten berichten in Großbritannien aktuell über eine rinnende Nase, 68 Prozent über Kopfschmerzen, 64 Prozent über leichte oder schwere Müdigkeit/Erschöpfung und je 60 Prozent über Niesen und/oder Halsschmerzen, erläuterte Claire Stevens vom King’s College London. Danach folgen Husten (44 Prozent) und Heiserkeit (36 Prozent).

Für den Vergleich zwischen Delta und Omikron wurden die Meldungen via App von Infizierten in Großbritannien im Dezember, als Omikron im Land dominant wurde, mit Daten von Anfang Oktober verglichen, als Delta die vorherrschende Variante war. Außerdem sind die Ergebnisse durch die Analyse von Daten einiger weniger weiterer Covid-19-Kranker bestätigt, deren PCR-Tests vermutete oder nachgewiesene Omikron-Infektionen ergaben.

Zwischen Delta und Omikron gibt es demnach bei den Symptomen “keinen klaren Unterschied”. Außerdem hätten nur 50 Prozent der Menschen die zu Beginn der Pandemie als klassisch geltenden drei Symptome Fieber, Husten oder Verlust des Geruchs- oder Geschmackssinns, betonten die Forscher. Ebenso wie dass Omikron erst vor wenigen Wochen entdeckt wurde, sich die Wissens- und Datenlage zu den Symptomen also noch ändern kann.

Länder nicht 1:1 miteinander vergleichen

Auch wenn die Neuinfektionen durch Omikron zunehmen, scheine der Anteil der Krankenhauseinweisungen und Todesfälle in den meisten Ländern, in denen die Mutation nachgewiesen wurde, zu sinken. “Dasselbe gilt für unsere Analyse in London, obwohl es oft eine Verzögerung zwischen der Erkrankung mit Covid und Komplikationen sowie einem Krankenhausaufenthalt gibt, sodass sich dies in den kommenden Wochen ändern könnte”, warnten die Forscher. Einige Länder hätten zudem durchaus einen Anstieg in ihren Spitälern verzeichnet. Jede Region sei mit ihrer Bevölkerung und Impfrate einzigartig.

“Wir müssen noch viel über Omikron lernen und es ist noch nicht klar, welchen Druck es auf die globalen Gesundheitssysteme ausüben wird”, hieß es weiter. Auch bei einem sinkenden Anteil der Krankenhauseinweisungen und Sterbefälle würde es bei sehr hohen Fallzahlen unweigerlich eine hohe Zahl von Toten und Spitalsaufenthalten geben. Während sich Omikron und Delta für viele Menschen wie eine Erkältung anfühle, könne das Virus weiterhin tödlich sein oder zu lang anhaltenden Symptomen führen, die das tägliche Leben beeinträchtigen, betonen die Wissenschafter.

Egal ob Delta oder Omikron – in jedem Fall gilt: beim Verdacht einer Infektion, egal mit welcher Variante, die Hotline 1450 anzurufen, sich testen zu lassen, Kontakte zu reduzieren und potenzielle Kontaktpersonen kontaktieren.