Allgemein

Verschwundenes Inventar: Familienzwist vor Gericht

11.01.2022 • 20:41 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Prozess am Landesgericht feldkirch.<span class="copyright"> hartinger</span>
Prozess am Landesgericht feldkirch. hartinger

Keine Beweise dafür, dass 35-Jährige aus dem von zwei ihrer Schwestern ersteigerten Elternhaus Inventar gestohlen hat.

Langjährige Streitigkeiten haben sogar dazu geführt, dass zwei Schwestern Privatanklage gegen eine ihrer Schwestern erhoben haben.

Darin werfen die Frauen im Alter von 40 und 37 Jahren ihrer jüngeren Schwester (35) schweren Diebstahl vor. Demnach soll die Privatangeklagte zwischen 10. und 30. Juni 2021 Inventar im Wert von 30.600 Euro aus dem ehemaligen Elternhaus gestohlen haben. Am 10. Juni 2021 haben die beiden Privatanklägerinnen ihr Elternhaus samt Inventar um 1,4 Millionen Euro ersteigert.

Freispruch im Zweifel

Im Strafprozess am Landesgericht Feldkirch wurde die unbescholtene Privatangeklagte am Dienstag im Zweifel vom Vorwurf des schweren Diebstahls freigesprochen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, denn die beiden Privatanklägerinnen nahmen drei Tage Bedenkzeit in Anspruch. Aus Sicht des Strafrichters liegen keine Beweise dafür vor, dass tatsächlich die 35-Jährige Inventar aus der bis vor zwei Jahren von ihr bewohnten Wohnung im Erdgeschoss und aus dem Keller entwendet hat. Niemand habe gesehen, dass sie Mobiliar, Maschinen und Gebrauchsgegenstände mitgenommen habe, sagte der Richter.

Privatanklagevertreter spricht von Verleumdung


Die Privatangeklagte sagte, sie habe bei ihrem Auszug aus dem Elternhaus nur ihr Eigentum mitgenommen, nämlich den von ihr bezahlten Herd, ein Kästchen und einen Schrank, den ihr Vater ihr nach der gemeinsamen Herstellung geschenkt habe. Privatanklagevertreter Horst Lumper beantragte mit Erfolg einen Freispruch für seine Mandantin und bezeichnete die Vorwürfe als Verleumdung.

Wohnung plötzlich leergeräumt

Privatanklagevertreterin Natalie König-Bechter behauptete, dass für das Verschwinden des Inventars nur die 35-Jährige infrage komme. Nach der Versteigerung sei die Erdgeschosswohnung plötzlich leergeräumt gewesen. Nach dem Tod der Eltern sei das Haus im gemeinsamen Miteigentum der Kinder gestanden. 2020 sei wegen der geschwis­terlichen Streitigkeiten am Bezirksgericht Bregenz eine Benützerregelung getroffen worden: Die beiden Privatanklägerinnen hätten die Wohnung im ersten Stock benützen dürfen und die Privatangeklagte und eine weitere Schwester die Wohnung im Erdgeschoss.

Diebstahl im Familienkreis

Behauptete Diebstähle im Familienkreis werden nicht von der Staatsanwaltschaft angeklagt, sondern müssen von mutmaßlichen Opfern selbst angeklagt werden. Für den Fall eines Schuldspruchs hätte die mögliche Höchststrafe nicht drei Jahre Haft betragen, sondern nur sechs Monate.

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.