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„Vielleicht gibt es einen Sommerfunken“

14.01.2022 • 20:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
„Vielleicht gibt es einen  Sommerfunken“
Ein Bild aus vergangenen Jahren: Funkenabbrennen und das traditionelle Scheibenschießen im Montafon. Montafon Tourismus / Patrick Säly

Frastanzer Funkenzünfte haben Funken abgesagt, andere warten noch ab. Es gibt bereits kreative Alternativen.

Absagen statt Abbrennen. Unter diesem Titel verschickte die Marktgemeinde Frastanz gestern eine Presseaussendung. Gemeint ist damit die Absage der vier Funken in Frastanz, die am Funkenwochenende vom 5. und 6. März gelodert hätten.

Die Absage wurde bei einem Treffen der Funkenzünfte und -gemeinschaften Amerlügen, Fellengatter, Frastafeders und Sonnenheim mit Bürgermeister Walter Gohm vereinbart. Denn: Ein Abbrennen der Funken und die damit verbundenen Menschenansammlungen seien unter den derzeitigen Umständen nicht tragbar. Die NEUE hat sich umgehört, wie der Stand bei anderen Funkenzünften ist.

Wohin mit 700 Palletten?

Abgesagt ist bereits auch der Funken der Funkenzunft Bludenz. Deren Zunftmeister, Chris­tian Pellini, sagt: „Wir müssen immer langfristig planen, da wir ab November beginnen, 700 Stück Palletten zu organisieren. Wenn wir nun diese 700 Paletten haben und wir sie nicht für den Funken verwenden können, stellt sich die Frage, wie wir sie entsorgen. Wir können sie nämlich nicht ein ganzes Jahr lang an dem Platz, wo wir den Funken abbrennen, stehen lassen.“ Die Entsorgung sei mit viel Arbeit und Kosten verbunden. Deshalb habe man sich schon früh für die Absage entschieden – aber auch für eine Alternative.

Ursprung des Funken

Pellini: „Wir planen eine kleine Geschichte, die mit Brauchtum und den sogenannten Fackelzügen zu tun hat.“ Diese habe es gegeben, bevor ab dem 8. Jahrhundert der Brauch des Funkenabbrennens aufkam. „Sie sind der Ursprung des Funkens“, so der Zunftmeister. Mit einer brennenden Fackel in der Hand zogen die Menschen damals durch die Dörfer, um Wintergeister auszutrieben und den Frühling einzuläuten. Die Funkenzunft Bludenz hat bereits viel Erfahrung mit Fackeln, da sie seit 50 Jahren Fackelbaukurse für Kinder anbietet. Sie bereitet heuer so viel Material vor, dass 200 Fackeln gebaut werden können. „Wenn es aufgrund der aktuellen Situation machbar ist, werden wir einen Umzug – unter Auflage der Sicherheitsvorkehrungen – veranstalten“, sagt Pellini.

„Vielleicht gibt es einen  Sommerfunken“
Christian Pellini, Zunftmeister der Funkenzunft Bludenz.

Ihm und der Funkenzunft Bludenz ist es nämlich wichtig, dass das Brauchtum nicht in Vergessenheit gerät. Schließlich ist heuer der zweite Winter, in dem die Bludenzer keinen Funken abbrennen. Das letzte Mal loderte das Funkenfeuer im Jahr 2020, das nächste Mal voraussichtlich erst im Jahr 2023.

Funken im Sommer

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Bernd Schwendinger, Funkenmeister und Obmann der Fasnatzunft Dornbirn-Haselstauden. privat

Einen kreativen Plan B hätte auch die Fasnatzunft Dornbirn-Haselstauden. Der Obmann der Fasnatzunft und Funkenmeister Bernd Schwendinger erzählt: „Wenn wir den Funken im März nicht abbrennen können, überlegen wir, einen Sommerfunken zu machen.“ Noch aber stehen die Pläne für den Winter-Funken: „Heute sammeln wir die Christbäume. Wir lassen uns alles offen. Wenn die Situation es erlaubt, werden wir das Funkenfest im März durchführen.“

Entscheidung später

„Vielleicht gibt es einen  Sommerfunken“
Bernhard Manser, Obmann der Funkenzunft Schoppernau. privat

Abwarten und Christbäume sammeln ist auch in Schoppernau angesagt. In der Bregenzerwälder Gemeinde werden ebenfalls heute die Weihnachtsbäume von der Funkenzunft abgeholt. Aber, Bernhard Manser, Obmann der Funkenzunft Schoppernau, berichtet: „Ich glaube, dass wir den Funken schluss­endlich eher absagen werden.“ Denn mit Auflagen wie Zwei-Meter-Abstand und Tragen einer Maske sei das Ganze schwer durchführbar. Die definitive Entscheidung werde drei Wochen vor dem Funkensonntag getroffen.

Große Zweifel

Vom Bregenzerwald ins Montafon. Jürgen Wachter, der Obmann der Funkenzunft Gortipohl, sagt: „Wir haben schon viel vorbereitet. Aber: So wie es momentan ausschaut, zweifeln wir sehr, dass der Funken stattfinden kann.“ Das Funkenfest in Gortipohl wird immer an einem Platz durchgeführt, der sehr exponiert liegt. Der Weg dorthin muss geschaufelt, die Christbäume per Schlitten angeliefert werden. Der Einsatz eines Kranes ist nicht möglich. Das alleine gibt schon sehr viel Arbeit, und dabei ist der Aufbau des Zeltes, der Einkauf und der Transport der Verpflegung noch nicht eingerechnet. „Was ist, wenn wir am Aschermittwoch mit dem Funkenbau beginnen, und einen Tag darauf kommen neue Regeln, die ein Funkenfest unmöglich machen?“, verdeutlicht Wachter die Probleme.

Scheibenschießen

In Gortipohl wird am Funkensonntag immer auch das Brauchtum des Scheibenschießens – auf Montafonerisch „Schibaschüßo“ – hochgehalten. Die dafür notwendigen Holzscheiben werden normalerweise im Jänner hergestellt. 500 Stück werden gemacht, für eines benötigt man zehn Minuten Zeit. Das sind in Summe 5000 Minuten, also knapp über 83 Stunden. Würden die Holzscheiben heuer im März nicht gebraucht, würden sie bis zum nächsten Jahr vertrocknen und nicht mehr zu verwenden sein. Verständlich also, wenn Obmann Wachter die momentane Situation – eingerechnet des Funken – so beschreibt: „Es ist alles miserabel.“

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Jürgen Wachter, Obmann der Funkenzunft Gortipohl. privat

Welche Alternative?

Auf die Frage, ob es eine Alternative zum Funken gäbe, antwortet Wachter mit einer Gegenfrage: „Was ist die Alternative zu einem 25 Meter hohen Funken?“ Er gibt noch ein weiteres Problem zu bedenken: „Wir haben zwei Einnahmequellen: Spenden und den Verkauf von Essen und Getränken beim Funken.“ Dieses Geld werde auch dazu verwendet, während des Jahres etwas Geselliges für die ehrenamtlich arbeitenden Mitglieder der Funkenzunft anzubieten; einen Ausflug zum Beispiel. „Heuer findet der Funken wahrscheinlich zum zweiten Mal nicht statt. Wir haben deshalb weniger Geld und können den Mitgliedern weniger anbieten.“ Dadurch könnte dem einen oder anderen die Motivation abhandenkommen, sich zu engagieren.
Doch zurück zum Funken. Sollte die Funkenzunft Gortipohl das Fest heuer absagen, scheint das verständlich zu sein. Doch gibt es dieses Verständnis von allen Seiten? Wachter: „Im letzten Jahr, als wir den Funken nicht abhalten konnten, bekam ich Rückmeldungen, dass es absolut nicht gehe, keinen Funken zu machen.“ Dabei war dies nicht die Entscheidung des Obmanns oder der Funkenzunft, sondern der Regierung. Wachter hofft, dass es heuer mehr Verständnis gibt.