Allgemein

Junge Generation der SPÖ fordert Linkskurs

15.01.2022 • 21:31 Uhr / 9 Minuten Lesezeit
Der Vorsitzender der Jungen Generation hat auch für den Landesparteivorsitz der SPÖ kandidiert. Am Parteitag im Oktober zog er die Kandidatur jedoch zurück. <span class="copyright">Steurer</span>
Der Vorsitzender der Jungen Generation hat auch für den Landesparteivorsitz der SPÖ kandidiert. Am Parteitag im Oktober zog er die Kandidatur jedoch zurück. Steurer

Alp Sanlialp wurde als Vorsitzender der Jungen Generation wiedergewählt.

Was bringt einen jungen Menschen dazu, in Vorarlberg in der SPÖ aktiv zu werden?
Alp Sanlialp:
Das Erste ist, dass man unzufrieden damit ist, wie sich die Situation im Land derzeit darstellt. Dann schaut man sich an, welche Alternativen es zur ÖVP gibt. Die Grünen fallen als Koalitionspartner, der mitverantwortlich ist, schon einmal weg. Dazu habe ich von meiner Familie Wertvorstellungen wie Gerechtigkeit oder Hilfsbereitschaft mitbekommen. Das war sicher ein Hauptgrund für mich, zur SPÖ zu gehen.

Und wie kommt man als junger Mensch dazu, sich politisch zu engagieren?
Sanlialp:
Wir leben immer noch in einer sozial ungerechten Welt. Auf Deutsch gesagt heißt das: Die alten Politiker haben es nicht geschafft, das zu ändern, jetzt versuchen wir es.

Sowohl im Land als auch in der Gemeinde Götzis, wo Sie Gemeindevertreter sind, ist die SPÖ aber in Opposition. Wie schwierig ist das?
Sanlialp:
Es ist zum Teil frustrierend, wenn man der Überzeugung ist, dass die eigenen Ansichten und Lösungsvorschläge die richtigen sind, aber dann trotzdem das Falsche gemacht wird. Auf der anderen Seite motiviert einen das aber auch, sich noch mehr einzusetzen und noch mehr Leute von seinen Ideen zu überzeugen.

<span class="copyright">Hartinger</span>
Hartinger

Hilft es da, wenn man jung ist?
Sanlialp:
Auch hier gibt es zwei Seiten. Einerseits hat man noch die Power, die die ältere Generation vielleicht nicht mehr hat. Und man ist eher am Puls der Zeit. Andererseits ist die Tätigkeit auch sehr zeitintensiv. Zugleich ist man aber gerade in einer Phase, in der man sich sein Leben aufbaut, von Zuhause auszieht oder in einen neuen Job hineinkommt. Es ist also ein zweischneidiges Schwert.

Welche Themen beschäftigen die jungen Menschen?
Sanlialp:
Das ist sicher die soziale Ungerechtigkeit. Dabei geht es zum einen um Ungerechtigkeit gegenüber der LGBT-Community oder anderen Minderheiten. Zum anderen geht es natürlich auch um das Finanzielle. Wir leben in einem der teuersten Bundesländer in einem der teuersten Länder Europas. Damit sich das ändert, muss sich die Politik ändern. Die meisten in meinem Alter sind – wie gesagt – in einer Phase, in der sie sich ein Leben aufbauen sollten. Dabei sind sie mit hohen Kosten für Mieten, Häuser, Autos, öffentliche Verkehrsmittel und anderes konfrontiert. Das frustiert, und gerade die Politik könnte etwas dagegen tun. Man muss schon Glück haben, wenn man eine Starterwohnung für unter 600 Euro im Monat findet. Ein einzelner Jugendlicher kann sich aber nicht einmal das leisten.

Was wären denn mögliche Lösungsansätze etwa beim Wohnen?
Sanlialp:
Die Junge Generation hat beim Landesparteitag der SPÖ zusammen mit anderen einen Antrag eingebracht, in dem wir eine rote Wohnbaupolitik in Vorarlberg fordern. Diese soll sich auch ein Beispiel an Wien nehmen. Es soll wirklich kommunaler Wohnbau sein, bei dem nicht nur das Nötigste getan wird. Hier muss das Land viel aktiver werden. Dazu braucht es eine Leerstandsabgabe. Ich kenne zum Beispiel in Götzis genügend Wohnungen, die schon lange leer stehen. Was man auch nicht unterschätzen darf, ist die Frage von Grund und Boden. Hier müsste das Land sich ebenfalls stärker engagieren. Die Gemeinden haben dazu eher nicht die finanziellen Mittel. Außerdem muss man verhindern, dass heimische Großunternehmer Grundstücke als Wertanlage horten.

Diese Dinge – gerade der Wohnbau – sind aber auch kostenintensiv.
Sanlialp:
Bei Wohnungen hat man da ja aber auch einen Gegenwert. Die Errichtung kostet zwar etwas, aber schlussendlich hat man dann auch Wohnungen, die dem Land gehören. Meiner Meinung nach gleicht sich das aus und da werden mir auch die Buchhalter zustimmen.

Zur Person

Alp Sanlialp ist 24 Jahre alt und stammt aus der Marktgemeinde Götzis. Er wurde im Jänner 2020 erstmals von der Landeskonferenz der Jungen Generation in der SPÖ Vorarlberg zum Landesvorsitzenden gewählt. Vor einer Woche wurde er in seinem Amt bestätigt. Er ist auch in der Gemeindepolitik in Götzis aktiv und dort einer von insgesamt drei SPÖ-Gemeindevertretern.

Der Klimaschutz hat in jüngster Zeit ebenfalls stark an Bedeutung gewonnen. Ist das auch bei der Jungen Generation der SPÖ so?
Sanlialp:
Auf jeden Fall eine große. Was die SPÖ und die Grünen jedoch unterscheidet, ist der Zugang. Bei den Grünen geht es um eine Verbotspolitik. Wir Roten sagen, dass Klimapolitik eng mit sozialer Politik zusammenhängen muss. Es ist schön und gut, wenn man höhere Preise für Fleisch möchte oder dass die Menschen mehr Bio-Produkte kaufen. Dann muss man aber auch dafür sorgen, dass sie sich das leisten können. Sonst ist das eine asoziale Politik. Außerdem sollten wir nicht vergessen: 80 Prozent des CO2 wird von einer Handvoll Konzernen und Privatpersonen verursacht.

Die Junge Generation hat kürzlich auch einen offenen Brief an den Landeshauptmann gegen die Ansiedlung von Amazon in Dornbirn geschrieben. Wie ernst wird die Jugend in der Politik genommen?
Sanlialp:
Leider viel zu wenig – vor allem von der Regierungsseite. Wir haben bis heute noch keine Antwort von einem Vertreter der ÖVP oder der Grünen bekommen.

<span class="copyright">Hartinger</span>
Hartinger

Sie sind jüngst beim Landesparteitag als Kandidat der Jungen Generation ins Rennen um den Parteivorsitz gegangen. Wie ernst werden die jungen Menschen in der SPÖ genommen?
Sanlialp:
In den vergangenen zwei Jahren hat es hier eine interessante Entwicklung gegeben. Als ich das Amt als Vorsitzender der Jungen Generation übernommen habe, habe ich darum gebeten, dass die Partei die JG stärker unterstützt – sei es in Form von Schulungen, finanziell oder auf andere Weise. Im besten Fall hat man mich damals belächelt, im schlimmsten Fall hat man nur klipp und klar „Nein“ gesagt. Mittlerweile werden gerade Schulungen vorbereitet, und es werden Strategien beraten, wie man weiter vorgeht, und die JG ist mit vorne dabei. Es hat sich also sehr viel geändert. Die Parteijugend wird endlich wahrgenommen. Ich habe außerdem eine gute Beziehung zur Gabi (Anmerkung: SPÖ-Landesparteivorsitzende Gabriele Sprickler-Falschlunger), weil sie klar hinter uns steht und uns unterstützt.

Ihre Kandidatur war unter anderem auch eine Reaktion auf die internen Streitigkeiten. Wie wurde das aufgenommen?
Sanlialp:
Es ist uns nicht um Personen gegangen, sondern um das Inhaltliche. Wir fordern eine alternative Politik und einen Linkskurs. „Mehr links wagen“ würde ich in Anlehnung an Willy Brandt sagen. Das war für uns das Ausschlaggebende. Darum bin ich auch nicht als Person angetreten, sondern als nominierter Kandidat der Jungen Generation.

„Wir Roten sagen, dass Klimapolitik eng mit der sozialer Politik zusammenhängen muss.“

Alp Sanlialp, Vorsitzender der Jungen Generation der SPÖ Vorarlberg

Ist es ein allgemeines Problem der Sozialdemokratie in Europa, dass zu wenig linke Politik gemacht wird?
Sanlialp:
Ich glaube, dass die linken Strömungen nach dem Mauerfall und dem Zusammenbruch der Sowjetunion Jahrzehnte gebraucht haben, um sich wieder selbst zu finden. Darum haben wir viel von unserer Glaubwürdigkeit verloren. Man muss offen sagen, dass wir eine Zeit lang versucht haben, neoliberale Politik zu machen. Das ist richtig in die Hose gegangen, wie man heute an den gestiegenen Kosten sieht. Deswegen freut es mich, dass wir jetzt wieder in der richtigen Richtung unterwegs sind. Die SPD macht es vor. Doch wir können noch besser werden – und der Start dafür ist in Vorarl­berg.