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Absichtlich mit Covid anstecken?

17.01.2022 • 12:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Coronaparties sind kein gute Idee, man sollte es dem Virus aus mehreren Gründen nicht zu leicht machen
Coronaparties sind kein gute Idee, man sollte es dem Virus aus mehreren Gründen nicht zu leicht machen (c) Davide Angelini – stock.adobe.co

Hier sind fünf Gründe, wieso das keine gute Idee ist.

Täglich nehmen die Fallzahlen in Österreich zu, Omikron verbreitet sich äußerst schnell. Es ist also keine Überraschung, dass sich manch einer sagt, „es wird ohnehin alle treffen, besser ich infiziere mich gleich und habe es hinter mir“. Und manche übertragen diesen Gedanken in die Realität, veranstalten „Coronapartys“, um sich absichtlich mit Sars-CoV-2 zu infizieren. Die Gründe sind vielfältig: Um es hinter sich zu haben, um die „natürliche Immunität“ zu boostern, um ein Genesenen-Zertifikat zu bekommen. Schließlich sei Omikron ja mild.

Dennoch ist es keine gute Idee, sich absichtlich mit einer Krankheit zu infizieren – egal ob mit Covid-19 oder einer anderen. Fünf Gründe gegen eine Virenparty.

1 Auch Omikron ist nicht nur eine „Erkältung“

Omikron ist per se keine milde Variante. Richtig ist: Omikron verursacht weniger oft schwere Verläufe. Menschen, die aufgrund der neuen Variante an Covid-19 erkranken, müssen seltener in Krankenhäusern behandelt werden. Musste bei Delta eine von vier Personen, die wegen Covid-19 ins Spital eingeliefert worden waren, auf die Intensivstation, dürfte es bei Omikron eine von zehn sein. „Nur weil wir mehr mildere Verläufe sehen, bedeutet das nicht, dass es keine schweren Verläufe gibt, dass Menschen nicht schwer erkranken“, sagt Bernd Lamprecht, Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde am Kepler Universitätsklinikum.

Die Teilnahme an Coronapartyes kann er nicht empfehlen: „Bei der echten Infektion besteht ein Risiko für eine schwere Erkrankung. Auch für jüngere und gesunde Menschen ist dieses nicht null. Wenn es eine Alternative zur Infektion gibt, und die gibt es mit der Impfung, dann ist die Impfung zu bevorzugen“, sagt Lamprecht.

Die Symptome der Erkrankung können sehr unterschiedlich sein. Hohes Fieber, starke Kopf- und Gliederschmerzen, Atemprobleme, Erschöpfung bzw. Fatigue. Während das grob nach einer schweren Erkältung oder einem grippalen Infekt klingt, ist die Gefahr, dass Covid für längerfristige gesundheitliche Schäden sorgt, gegeben. Schon milde Verläufe können Organe schädigen – wir haben hier darüber berichtet.

2 Das Risiko an Long Covid zu erkranken

Viele Menschen, die der Impfung skeptisch gegenüber stehen, führen die möglichen Langzeitwirkungen der Vakzine als Grund an. Nachdem mittlerweile die Covid-Impfstoffe milliardenfach verimpft wurden und diese auch engmaschig überwacht werden, hat sich noch keine dieser Langzeitfolgen manifestiert. Allerdings gibt es eine wirkliche Langzeitfolge der Infektion: Long Covid. Die internationale Studienlage geht aktuell davon aus, dass zwischen zehn und zwanzig Prozent all jener Menschen, die an Covid-19 erkranken, auch an der Folgeerkrankung leiden. Diese kann zudem auch nach asymptomatischen sowie milden Verläufen auftreten und zahlreiche Menschen aus der Bahn werfen. Dies erzählt etwa die Betroffene Maarte Preller in unserem Podcast.

3 Man könnte Kinder und andere Risikopersonen anstecken

Mit Omikron können sich auch dreifach geimpfte Personen infizieren, sie sind aber zu einem sehr hohen Prozentsatz vor einer schweren Erkrankung geschützt. Wie sich Omikron aber in ungeschützten Personen verhält, das kann noch nicht abgeschätzt werden. Zu diesen Personen zählen Risikopersonen, etwa mit Vorerkrankungen wie Krebs, und vor allem Kinder, die zu großen Teilen noch nicht durch eine Impfung geschützt sind. Einigen von ihnen können überhaupt noch nicht geimpft werden, da etwa für unter Fünfjährige noch kein Covid-Impfstoff zugelassen ist. Ältere Kinder haben zu einer großen Zahl noch keinen vollständigen Impfschutz, weil die Vakzine noch nicht so lange zugelassen sind.

Und auch wenn Kinder seltener schwer erkranken als Erwachsene, das Risiko besteht, ebenso wie jenes, Long Covid zu entwickeln. Oder auch die überschießende Immunreaktion PIMS, die sich erst Wochen nach einer Infektion bemerkbar macht, und in den allermeisten Fällen eine Hospitalisierung auf einer Intensivstation nach sich zieht.

4 Das Gesundheitssystem ist überlastet genug

Wie in zahlreichen anderen Ländern auch, schreibt Österreich Rekordzahlen in Bezug auf Neuinfektionen. Es mögen die Omikron-Verläufe milder sein, doch die schiere Anzahl der Fälle wird auch in Österreich die Normal- wie auch die Intensivstationen an ihre Grenzen bringen. Das Prognosekonsortium etwa sagt für kommende Woche pro Tag Neuinfektionen von bis zu 30.000 Fällen vorher. Die hohen Zahlen werden sich mit Zeitverzögerung auch in den Krankenhäusern bemerkbar machen.

Über Weihnachten hat sich die Lage auf den Stationen zwar etwas entspannt, aber noch sind die Nachwirkungen der Delta-Welle nicht abgeebt. Zusätzlich ist das Pflegepersonal nach zwei Jahren Pandemie müde – wie wir alle. Abgesehen davon leiden vor allem Patientinnen und Patienten, die aufgrund anderer Krankheiten in Spitälern behandelt werden müssten, unter dieser Situation – weil etwa Operationen verschoben werden müssen.

5 Die Sache mit der „natürlichen“ Infektion

Viele vertrauen auf ihr Immunsystem. Zurecht, denn es ist ein sehr komplexes, schlagkräftiges Schutzschild, das unser Körper zur Verfügung hat. Aber auch dieses alleine ist zu schwach gegen ein Virus, dass sich im Moment unsagbar schnell ausbreitet und sich ständig verändert. Je häufiger es dies tut, desto eher stehen wir auch vor neuen Mutationen, die uns wieder das Leben schwer machen werden.

Die Aufgabe von Viren ist es, sich zu vermehren und zu überleben, unser Immunsystem versucht uns zu schützen und diese Viren zu bekämpfen, damit wir nicht erkranken und eventuell an dieser Infektion sterben. Sich diese Infektion auf „natürlichem“ Wege zu holen, um eine bessere Immunität zu erreichen, ist keine gute Idee. Denn durch die Impfung wird das Immunsystem trainiert, kann sich auf das Virus vorbereiten. Bei der natürlichen Infektion trifft es hingegen ungeschützt auf das Virus. Und den Ausgang dieses Treffens kann man nie vorhersagen.