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1,94 Promille wegen Desinfektionsmittel

20.01.2022 • 15:18 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Angeklagte kam mit einer Diversion davon.                            <span class="copyright">Shutterstock</span>
Die Angeklagte kam mit einer Diversion davon. Shutterstock

Richter glaubte im Zweifel der angeklagten Autofahrerin und gewährte ihr eine Diversion.

Die Staatsanwaltschaft Feldkirch klagte die Autofahrerin wegen fahrlässiger Körperverletzung unter besonders gefährlichen Verhältnissen an. Im Strafantrag wurde ihr vorgeworfen, sie habe im März vergangenen Jahres in Rankweil mit ihrem Pkw auf einem Schutzweg eine Radfahrerin angefahren und dabei schwer verletzt. Die Fahrzeuglenkerin sei, so die Anklage, unachtsam gefahren und dabei mit 1,94 Promille beträchtlich alkoholisiert gewesen.

In der Hauptverhandlung am Landesgericht Feldkirch erklärte die Angeklagte ihre starke Alkoholisierung so. Sie habe vor dem Unfall nur wenig Alkohol getrunken, unter der Strafbarkeitsgrenze. Sie habe aber leicht nach Alkohol gerochen. Um das vor der Polizei zu verbergen, habe sie nach der Kollision in ihrem Schock Desinfektionsmittel getrunken. Das Desinfektionsmittel enthalte viel Alkohol. Nur deshalb habe ihr polizeilicher Alkoholtest einen derart hohen Promillewert ergeben.

Skurril klingende Angaben

Der Strafrichter sagte, er folge im Zweifel den skurril klingenden Angaben der Angeklagten, die er freilich nicht widerlegen könne. Er müsse daher davon ausgehen, dass sie beim Unfall nicht im strafbaren Bereich alkoholisiert gewesen sei. Damit sei nur fahrlässige Körperverletzung und nicht fahrlässige Körperverletzung unter besonders gefährlichen Verhältnissen anzunehmen. Ihre Schuld sei geringer zu bewerten, als ihr im Strafantrag zur Last gelegt werde.
Zudem sei bei der Strafbemessung zu berücksichtigen, dass nach Ansicht des Unfallgutachters die Hauptschuld an der Kollision bei der unvermittelt den Schutzwegen befahrenden Radlenkerin liege.

Deshalb gewährte der Richter der unbescholtenen Angeklagten eine Diversion. Wenn sie dem Gericht als Geldbuße 400 Euro bezahlt und der verletzten Radfahrerin als Teilschmerzengeld 200 Euro, wird das Strafverfahren gegen sie eingestellt werden, ohne Eintrag ins Strafregister. So würde der 28-Jährigen eine Vorstrafe erspart bleiben.

Der Richter hatte ein gerichtsmedizinisches Gutachten einholen lassen. Demnach schnellt nach der Einnahme eines Desinfektionsmittels der Promillewert tatsächlich in die Höhe, die Wirkung verpufft aber rasch. Innsbrucker Gerichtsmediziner hatten bei Selbsttests Desinfektionsmittel aber nicht geschluckt, sondern nur gegurgelt. Die Flüssigkeit habe im Mund höllisch gebrannt, zitierte der Richter testende Rechtsmediziner.