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Erklärungsversuch über die Wichtigkeit von Geschichte

23.01.2022 • 15:49 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Neue </span>Kopfkino von Heidi Salmhofer
Neue Kopfkino von Heidi Salmhofer

Heidi Salmhofer mit Ihrer Sonntags-Kolumne in der NEUE am Sonntag.

Wieso muss ich das lernen? Was interessiert es jemanden, was vor 100 Jahren war? Später wird Corona auch niemand mehr interessieren!“ Tochter „Groß“ zeigt beim Lernen von Geschichte etwas Widerwillen und mir bohrt sich ein schmerzender Pfeil direkt in mein Herz. Mein Kind! Und nicht einen Funken an Begeisterung für Historisches. Hätte sich der Geburtsschmerz nicht tief in meiner Seelenerinnerung eingebrannt, ich würde sofort einen Mutterschaftstest machen. Nun denn, was man nicht im Blut hat, kann ja über den Verstand ins Herz kommen.

Ein Vermittlungsversuch über die Wichtigkeit der Beschäftigung mit unserer Geschichte startete somit im gemütlichen Kuschelbett. Wie das so ist mit Lernen und Entwickeln wissen die meisten von uns. Wir schauen zurück auf unsere persönlichen Erfahrungen und in seltenen Fällen sogar auf jene unserer Eltern. Daraus lernen wir und es kann deshalb vorkommen, dass sich gewisse Fehler oder schlechte Erfahrungen nicht mehr wiederholen. Wir entwickeln unsere Persönlichkeit. Diese ist aber nicht nur eine Conclusio aus nicht mehr wiederholten Fehlern, sondern ein Sammelsurium aus Erinnerungen an Erlebnisse, Gefühle, Gerüche und Geschmäcker. Mit unserer Gesellschaft, unserem Umfeld, in dem wir leben, verhält es sich genauso. So wie wir uns als Gemeinschaft entwickelt haben, die Erfahrung, die wir gesammelt haben, all das, was wir früher erlebt, gefühlt und geleistet haben, hat genau dahin geführt, wo wir uns jetzt befinden. Wir lernen aus unserer Geschichte, versuchen als Gemeinschaft, Fehler nicht zu wiederholen und für uns Erfolgreiches weiter zu entwickeln. Wir gucken zurück und schöpfen Wissen aus den Erfahrungen unserer Vorfahren. Ein Blick auf das, woher wir kommen, kann uns zeigen, wohin wir gehen. „Vor 100 Jahren hat es die Spanische Grippe gegeben. Jetzt schauen viele Wissenschaftler nochmals genau dorthin, um zu erkennen und zu sehen, was hat damals funktioniert, was nicht. Wie sind die Menschen mit dieser Situation umgegangen und was könnten wir daraus für unsere jetzige Situation lernen?“
Meine Tochter war still und nickte. Ich bin mir nicht hundertprozentig sicher, ob das sofort und gleich von ihrem hormonüberfluteten Gehirn im richtigen Teilbereich verarbeitet wurde, aber ich bin überzeugt, es hat sich eingenistet. Ein Blick auf die Geschichtsbücher wird zukünftig nicht mehr derselbe sein. Was ich jetzt aber schleunigst verstecke, sind meine alten Tagebücher. Daraus kann Tochter ziemlich sicher nichts lernen.

Heidi Salmhofer ist freiberufliche Theatermacherin und Journalis­tin. Sie lebt als alleinerziehende Mutter mit ihren Töchtern in Hohenems.

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