Allgemein

Pfanner sichert Lieferfähigkeit ab

25.01.2022 • 19:54 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Pfanner</span>
Pfanner

Fruchtsafthersteller reagiert auf weltweit schwächelnde Lieferketten.

Die Bedrohung globaler Lieferketten durch international unterschiedliche Pandemiebekämpfungsmaßnahmen, Produktionsausfälle und Preisexplosionen hat den Fruchtsaft- und Getränkehersteller Pfanner dazu veranlasst, seine ständige Lieferfähigkeit durch gezielte Maßnahmen deutlich zu erhöhen.

„Im Gegensatz zu anderen Branchen würden unsere Kunden im Lebensmittelhandel wochenlange Lieferverzögerungen niemals akzeptieren. Als Lebensmittelproduzent müssen wir eigentlich immer lieferfähig sein“, sagte Vorstand Peter Pfanner im wpa-Gespräch.

Rohware und Hilfsstoffe

Folglich habe das Unternehmen seine durchschnittliche Lieferfähigkeit seit dem Frühjahr 2020 von bisher zwei Monaten auf jetzt drei Monate verlängert. Dies entspricht einer Erhöhung um rund 50 Prozent. „Das bedeutet, wir sind auch dann noch voll lieferfähig, wenn relevante Teile unserer Lieferkette mehrere Wochen unterbrochen sind oder nur mit Verzögerungen arbeiten“, sagt Pfanner. Die Lager seien nicht nur mit Fertigware, sondern auch mit Rohware, Hilfsstoffen und zum Beispiel Verpackungsmaterial gut gefüllt. Um diese Erhöhung zu ermöglichen, habe Pfanner insbesondere die Lagerkapazitäten an mehreren Standorten in der Firmengruppe bereits ausgebaut und werde das in den kommenden Monaten noch weiterhin tun. So wurden sowohl in Österreich als auch im Ausland diverse Außenlager angemietet. Beim Werk Enns in Oberösterreich hat Pfanner soeben angrenzende Grundstücke gekauft, um dort die Lagerflächen aufzustocken. In Lauterach entsteht derzeit ein neues und größeres Lager für Hilfsstoffe. Die gesamten Investitionen dafür gingen in die Millionenhöhe, berichtete Peter Pfanner.

Vorstand Peter Pfanner berichtete über die Herausforderungen mit den Lieferketten. <span class="copyright">Hartinger</span>
Vorstand Peter Pfanner berichtete über die Herausforderungen mit den Lieferketten. Hartinger

Die zeitliche Vorausplanung, um die Produktion und die Lieferfähigkeit am Laufen zu halten, unterscheide sich dabei je nach Produkt, Rohware oder Hilfsstoff. „Tee kommt aus Asien und hier müssen wir fünf bis sechs Monate im Voraus planen und bestellen.“ Bei Verpackungen wie PET oder Kartonagen genüge aufgrund der regionalen Nähe der Vorlieferanten oftmals auch nur ein Monat.

Gegenseitiges Vertrauen

Diese Erhöhung des Lagerbestandes ist naturgemäß mit einem erhöhten Kapitalaufwand verbunden. „Das muss man finanziell auch stemmen können“, erklärte Pfanner. Neben dem Kauf für das eigene Lager gebe es auch die Variante, dass die Waren von den Lieferanten gekauft und vorübergehend in deren Lager untergebracht werden. „Wir versprechen im Gegenzug die garantierte Abnahme zu einem vorab definierten Preis.“ Die Voraussetzung für diese Vorgehensweise sei eine jahrelange Geschäftsbeziehung, bei der sich die Geschäftspartner gegenseitig vertrauen müssen, so Peter Pfanner.

„Ein gutes Jahr“

Das Familienunternehmen erzielte im Geschäftsjahr 2020 einen Umsatz von 302 Millionen Euro, ein Plus von 2,4 Prozent. Das Plus vom ersten Halbjahr 2021 in Höhe von vier Prozent werde der Getränkehersteller im Gesamtjahr übertreffen, sagte der Vorstand. „2021 war für uns ein gutes Jahr.“ Die konkreten Umsatzzahlen würden derzeit noch nicht vorliegen. Pfanner unterhält Produktionsstätten in Lauterach, Enns (Oberösterreich), Hamburg (Deutschland), Policoro (Italien) und Bar (Ukraine). Mit rund 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern werden in diesen Fruchtsäfte, Nektare, Eistees, Teegetränke, Fruchtpürees, Fruchtsaft- und Beerenkonzen­trate sowie Weine und Edelbrände produziert.

Günther Bitschnau/wpa