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„Jetzt geht das Theater von vorne los“

28.01.2022 • 19:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Weil der Grüne Pass früher an Gültigkeit verliert, müssen Skifahrer ihre Skipässe ab 1. Februar erneut freischalten lassen.<span class="copyright"> Apa</span>
Weil der Grüne Pass früher an Gültigkeit verliert, müssen Skifahrer ihre Skipässe ab 1. Februar erneut freischalten lassen. Apa

Verkürzung der Gültigkeit des Grünen Passes stellt Skigebiete erneut vor Herausforderungen.

Wie gestern in der NEUE berichtet, müssen ab 1. Februar alle Skipässe in Österreich neu für 2G freigeschaltet werden, weil die Gültigkeitsdauer des Grünen Passes von der Bundesregierung von neun auf sechs Monate verkürzt worden ist. Das betrifft alle Inhaber von Skikarten, egal ob geboostert oder nicht. Laut Seilbahnerverband sind österreichweit 270.000 Tickets davon betroffen.
Die neue Regelung löst in der Branche, die ohnehin schon sehr durch die Corona-Auflagen belastet ist, alles andere als Freude aus. „Das ist ein organisatorischer Aufwand, der kaum zu bewältigen ist“, sagt Klaus Wiethüch­ter, der Geschäftsführer der Skilifte Schröcken. Drei bis vier Mitarbeiter müsse er abstellen, die die Karten kontrollieren und allfällige Fragen beantworten. Diese Mitarbeitenden fehlen dann an anderen Stellen. Wird für diesen Ausfall eine Entschädigung bezahlt? „Natürlich nicht“, antwortet Wiethüchter.

Werden übelst beschimpft

Der Geschäftsführer berichtet, dass er und die Mitarbeitenden sich in dieser Saison schon sehr viel von aufgebrachten Kunden wegen der 2G-Regelung anhören mussten, sie beschimpft und mit Ausdrücken aus der untersten Schublade bezeichnet wurden. „Was manche Menschen aufführen, ist das Allerletzte. Und jetzt geht das Theater von vorne los.“
Ein weiteres großes Problem sei, dass die Informationen von den verantwortlichen Stellen kaum verlautbart würden. Er habe zum Beispiel gestern aus dem Radio erfahren, dass auch geboosterte Skifahrer ihre Karten neu aktivieren müssen.

Der erneute organisatorische Aufwand ist kaum zu bewältigen.

Klaus Wiethüchter, Skilifte Schröcken

„Ich verstehe, dass die Regierung Maßnahmen ergreift. Was ich aber nicht verstehe, ist: Hier wird nicht nur mit zweierlei, sondern drei- oder viererlei Maß gemessen“, so Wiethüchter. In allen anderen Transportmitteln gälten bei Weitem nicht so strenge Bestimmungen wie bei den Skiliften. Und dabei würden sich in Zügen und Bussen die Menschen manchmal dicht an dicht drängen.
„Von Schuldzuweisungen bin ich aber schon lange abgekommen. Wir leben in einer schwierigen Zeit“, sagt Wiethüchter und übt sich in Galgenhumor: „Das ist eine lustige Wintersaison.“

Elisabeth Bolter, Marketing Bergbahnen Brandnertal. <span class="copyright">Bergbahnen Brandnertal GMBH / Nöstler</span>
Elisabeth Bolter, Marketing Bergbahnen Brandnertal. Bergbahnen Brandnertal GMBH / Nöstler

Auch im Brandnertal ist man nicht begeistert über die neue Regelung. Elisabeth Bolter ist Leiterin des Marketings der Bergbahnen Brandnertal, die momentan den Vorsitz im Bergbahn-Pool Montafon Brandnertal innehaben. Sie sagt: „Die neue Regel ist eine enorme Zusatzbelastung. Viele Skifahrer und Gäste werden anrufen und sich erkundigen, was nun zu tun ist. Viele werden zu den Skipassenkassen kommen, um die Karten neu aktivieren zu lassen.“ Dabei ginge Letzteres auch online.

Warteschlangen vermeiden

„Ob es am Wochenende zu langen Wartezeiten kommen wird, können wir nicht abschätzen. Um Warteschlangen zu vermeiden, sollten möglichst viele Skifahrer ihre Skipässe online neu kodieren und freischalten lassen“, sagt Bolter.

Die Marketing-Leiterin berichtet wie Wiethüchter aus Schröcken, dass die Kontrollen der Skikarten und der Maskenpflicht belastend seien. „Die Liftbediensteten müssen sich viel anhören.“ Von beiden Seiten gebe es Kritik und Beschimpfungen: Die einen beklagen, man sei nicht streng genug. Die anderen schimpfen, es werde zu streng kontrolliert.
Aber auch der ständige Wechsel an Regelungen sei belastend, so Bolter. Zur neuen Regel mit der Verkürzung der Gültigkeit des Grünen Passes erklärt sie: „Ab 1. Februar werden bei allen Saison- und Jahreskarten sowie Mehrtageskarten automatisch 90 Tage abgezogen, deshalb werden die meisten Skikarten nicht mehr bis Ende der Saison gültig sein. Deshalb müssen alle – auch Kinder – ihre Skipässe kontrollieren und gegebenenfalls neu aktivieren.“ Die Bergbahnen Brandnertal und der Bergbahn-Pool Montafon-Brandnertal möchten jedenfalls die Umstellung gut umsetzen und es den Skifahrern so einfach wie möglich machen. „Wenn alle gut mitmachen, dürfte es reibungslos funktionieren.“

Umstellung und Rückerstattung

Wichtig ist, dass die Skipässe erst ab 1. Februar neu freigeschaltet werden. Wenn man es vorher macht, ist es nämlich nicht gültig. Die Skikarten können online neu verlängert werden, wozu die Seilbahnen raten. Damit werden Warteschlangen vermieden. Es gibt aber auch die Möglichkeit, die Karten an den Kassen oder bei mobilen Kodierstellen im Skigebiet zu verlängern.

Im Fall, dass der Grüne Pass eines Skifahrers nicht mehr gültig ist, weil ihm eine Impfung fehlt, gibt es keine Kostenrückerstattung.

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