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Emotionale Achterbahnfahrt

29.01.2022 • 22:34 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
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Stiplovsek

Ernst Seidl hat im vergangenen Jahr ein Megaprojekt abgeschlossen.

Eine Achterbahnfahrt der Gefühle war für Ernst Seidl das vergangene Jahr. Einerseits war da die Freude darüber, dass nach rund zwei Jahren Bauzeit sein „Firmament“ in Rankweil offiziell die Pforten geöffnet hat. Beim Megaprojekt hat der Cateringunternehmer nicht nur ein neues Hauptquartier für seinen Betrieb geschaffen, sondern gleich auch noch ein Businesshotel mit Restaurant und einer großen Halle für Events errichtet. Andererseits gab es durch eine weitere Coronawelle samt dem nächsten Lockdown im Herbst einen weiteren Rückschlag. Zahlreiche Weihnachtsfeiern und andere geplante Events wurden abgesagt, was die Aufbruchsstimmung nach der Eröffnung wieder drückte.

Menschen glücklich machen

Trotz des Rückschlags ist Seidl die Begeisterung über sein Firmament deutlich anzumerken, wenn er durch die Räumlichkeiten führt und über diese spricht. Er sieht seine Location als Werkzeug dazu, um Menschen glücklich zu machen. Sei es im Rahmen von Geschäftsreisen, Kongressen, Firmenevents oder auch bei privaten Anlässen. So wie er das auch in seinem Cateringunternehmen bereits seit über 25 Jahren tut.

Trotz der schwierigen Situation aufgrund der Pandemie konnte im Firmament im vergangenen Jahr schon gefeiert werden. Sei es beim Sommerempfang der Industriellenvereinigung oder auch bei der offiziellen Eröffnung im Oktober. Diese ging mit einem Tag der offenen Tür einher, zu dem fast 2000 Besucher kamen, berichtet der Unternehmer stolz. Genauso hat es in der Eventhalle schon Konzerte gegeben. Sogar die Vorstellung eines E-Porsche in Kombination mit einer Schmuckpräsenation ist bereits über die Bühne gegangen. Bis zu 800 Personen haben je nach Art der Veranstaltung Platz in der großen Halle.

Gastköche

Gut angenommen wurde seit der Eröffnung auch das Restaurant. Hier gibt es von Montag bis Freitag jeweils ein Mittagsmenü. Zudem stehen von Montag bis Samstag ab 16 Uhr jeweils internationale Gastköche am Herd in der großen offenen Küche. Einen Monat lang zaubern sie für die Gäste Gerichte aus ihrem Heimatland. Im Jänner stand mit den Wagyu-Wochen Japan auf dem Speiseplan. Das Rindfleisch dafür stammt jedoch aus dem Ländle – von der Familie Lässer aus Sulzberg. Im Februar wird es bei der kulinarischen Reise nach Griechenland gehen.

Anlaufphase

Noch nicht ganz so gut angelaufen ist dagegen das Geschäft im Hotel. „Das braucht eine gewisse Anlaufphase“, meint Seidl. Zudem gebe es derzeit aufgrund der Pandemie so gut wie keine Geschäftsreisen. Über 120 Zimmer, acht Suiten und zwölf Long Stay Apartments stehen zur Verfügung. Sie sollen vor allem Businesskunden beherbergen. Seien es Geschäftsleute, die zu Besuch in Vorarlberg sind, seien es Unternehmen, die mit ihren Mitarbeitern etwa Schulungen durchführen oder auch im Rahmen von Teambuilding-Seminaren das Ländle kennenlernen wollen.

Zu diesem Zweck hat der Unternehmer auch über 80 Kooperationen mit Partnern in der Region abgeschlossen. Auf diese Weise kann den Gästen ein Komplettpaket angeboten werden. Sie können dann mit ihren Mitarbeitern beispielsweise untertags Seminare in den dafür zu Verfügung stehenden Räumlichkeiten abhalten und ihnen auch ein Freizeitprogramm bieten. Vom Golfspielen oder anderen sportlichen Betätigungen über kulturelle Events bis hin zur Sennereibesichtigung ist alles möglich.

Seidl legt großen Wert auf Kooperationen in der Region. So werden etwa Möbel von reiter design in Rankweil verwendet. An das Restaurant angeschlossen ist zudem eine Vinothek, die von Bevanda als Shop geführt wird. Im Garten werden Grills der Hörbranzer Grill Garten Manufaktur verwendet. Wichtig ist es dem Unternehmer, dass bei diesen Partnerschaften beide Seiten profitieren, indem etwa potenzielle Käufer bei einem Besuch im Firmament die Grills der Hörbranzer Manufaktur ausprobieren können.

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Stiplovsek (3)

Ähnliches gilt auch für die Kunstwerke, die in den Open Workspaces zu sehen sind. Diese stammen von Mercedes und Franziska Welte (Nonos) und wurden extra für die Räumlichkeiten angefertigt. Immer wieder gebe es auch Anfragen von anderen Künstlern, die ihre Werke im Firmament ausstellen möchten. Doch diese werden abgelehnt. „Es geht uns darum, nichts zu verwässern, indem wir plötzlich Werke von lauter unterschiedlichen Künstlern hier stehen haben. Davon hat niemand etwas“, meint der Unternehmer. Und so wird eben den Nonos eine Bühne geboten.

Discokugel

Die Kooperationen sind laut Seidl eine der wenigen positiven Nebenwirkungen der Coronapandemie. Durch Lockdowns und Einschränkungen hatte er die Zeit dafür, neue Ideen zu sammeln, Kontakte zu knüpfen und Partnerschaften zu schließen. Eine weitere positive Errungenschaft aus der Zeit der Lockdowns ist in der Eventhalle zu sehen. An der Decke hängt dort eine riesige Discokugel mit über zwei Metern Durchmesser. Diese hat der Unternehmer gemeinsam mit seinen Mitarbeitern angefertigt. Nachdem das Grundgerüst für die Kugel von einem Handwerker hergestellt und mit einem speziellen Gewebe überzogen worden ist, haben Seidl und sein Team insgesamt mehr als 16.000 kleine Spiegel-Quadrate auf die Kugel geklebt. In drei Tagen wurde die Aufgabe bewältigt. Auch derartige Erfolgserlebnisse helfen, die Motivation trotz widriger Umstände hoch zu halten. Schließlich wurde gemeinsam etwas Besonderes geschaffen.

Herausforderung

Abseits dieser kleinen Highlights ist die Pandemie für den Unternehmer jedoch eine große Herausforderung. So seien die ersten drei Monate des Firmaments, das schon vor der offiziellen Eröffnung im Oktober in Betrieb war, sehr erfolgreich verlaufen. Durch den neuerlichen Lockdown seien dann aber wieder alle Veranstaltungen – wie etwa Weihnachtsfeiern – abgesagt worden. Und auch derzeit ist noch unklar, wann die nächsten Events oder Cateringaufträge anstehen. Seidl rechnet damit, dass das Geschäft ab April oder Mai wieder anlaufen wird.

Die Discokugel in der Eventhalle wurde selbst angefertigt. <span class="copyright">Firmament</span>
Die Discokugel in der Eventhalle wurde selbst angefertigt. Firmament

Herausfordernd ist es für ihn vor allem, die Mitarbeiter bei der Stange zu halten. „Es ist ohnehin schon schwer genug, neues Personal zu finden. Da wollen wir unsere bestehenden Mitarbeiter nicht verlieren“, verdeutlicht der Unternehmer. Durch die unsichere Lage in der Gastronomie würden aber immer mehr Beschäftigte die Branche wechseln. Auch die bevorstehende Impfpflicht könnte aus Sicht von Seidl dafür sorgen, dass Arbeitnehmer ins benachbarte Ausland abwandern. Er hält es daher für umso wichtiger, im Umgang mit der Pandemie wieder vermehrt auf Eigenverantwortung zu setzen. Daneben brauche es auch Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel wie beispielsweise Änderungen bei der „Rot-Weiß-Rot-Card“.

“Mit den Besten zusammenarbeiten”

Gutes, motiviertes Personal zu haben, ist für den Unternehmer von großer Bedeutung. „Ich möchte mit den Besten zusammenarbeiten“, bringt er seine Philosophie auf den Punkt. Das gilt nicht nur im eigenen Unternehmen, sondern auch wenn es um externe Partner geht. Und so gerät Seidl beinahe ins Schwärmen, wenn er von der Zusammenarbeit mit Projektentwickler Peter Mostögl (Investraum GmbH) und Architekt Veit Rausch berichtet. Sie haben ihn dabei unterstützt, seine Vision vom Firmament umzusetzen, und mit dem Ergebnis ist er vollends zufrieden. Was nun noch fehlt zum Glück, ist ein Ende der Coronakrise.

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