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Der männliche Blick auf die Frauen

31.01.2022 • 19:09 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Alwin Rohner zwischen Arbeiten von Oswald Baer und Heinz Greissing.       <span class="copyright">Wolfgang Ölz</span>
Alwin Rohner zwischen Arbeiten von Oswald Baer und Heinz Greissing. Wolfgang Ölz

Lauterach: Ausstellung „Der kühle Blick“ mit Frauenbildern.

Es ist schon immer wieder erstaunlich, dass ein Privatmann wie der Lauteracher Alwin Rohner (Jahrgang 1939) über Jahrzehnte eine so qualitätsvolle Sammlung der Vorarlberger Kunst des 20. Jahrhunderts zusammentragen konnte. In der neuen Kabinettausstellung zum Thema „Frauen“ allgemein und „Der kühle Blick“ im Besonderen zeigt der Kunstsammler in seinem Privatmuseum Rohnerhaus unter anderem hervorragende Werke von Rudolf Wacker und Edmund Kalb genauso wie Arbeiten von Herbert von Reyl-Hanisch oder Otto Herbig.

Auch die jüngere Generation ist beispielsweise mit Günter Gruber und Thomas Hoor vertreten. In Rudolf Wackers Portrait von Frau Haller zeichnet sich im noch gestisch-expressionistischen Pinselstrich die Neue Sachlichkeit ab und bei Herbert von Reyl-Hanischs Seelenlandschaft ist die neue Gegenständlichkeit der 1920er-Jahre völlig verwirklicht.

Kalbs Porträt der Mutter

Die Entdeckung von Edmund Kalb (1900–1952) als ganz Großen der Vorarl­berger Kunstgeschichte geht ursprünglich auf Alwin Rohner zurück. In der aktuellen Kabinettausstellung zeigt er eine besonders schöne Kohlezeichnung, in der Kalb das Porträt der Mutter verewigt hat. Der tiefe, in sich gekehrte Blick lässt den Druck, der auf einem Frauenleben im Dornbirn der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts lastete, deutlich werden. Die Fixierung auf die Mutterrolle und das Aushalten der männlichen Unzulänglichkeiten bis Brutalitäten sind soziale Realitäten, die Kalb in dieses Porträt seiner Mutter implizit hineingezeichnet hat.

„Reflexions“ von Clement N. ist ein geheimnisvolles Bild. Ausgehend vom französischen Surrealismus über den Wiener Phantastischen Realismus zeigt sich diese feine naturalistische Malerei mit einem starken Hang zum Symbolismus in der Sammlung von Rohner. Vom Vögelchen, das im Gegensatz zur sinnenden Frau fliegen kann, über das aufgeschlagene Kunstbuch bis hin zu den stilllebenartigen Details ist man an den Großmeister Rudolf Wacker erinnert, der seine Werke der neuen Sachlichkeit ebenfalls mit psychologischer Raffinesse verfeinerte.

Instrumentalisierung

Oswalds Baers „Frauen am Wasser“ ist noch ganz der Instrumentalisierung des weiblichen Körpers für das Begehren des Mannes verschrieben. Das Spiel mit Nacktheit und Verhüllung durch Kleidung gemahnt an Gustav Klimt, der seine Triebhaftigkeit um die Jahrhundertwende ebenfalls mit nackten und bekleideten Frauen in ein und demselben Bild zur Schau stellte.

Die Ausstellung thematisiert insgesamt den männlichen Blick auf die Frauen genauso wie den Blick der Frauen auf die Welt. Selbstkritisch merken Rudolf Sagmeister und Alwin Rohner im Museumtext an, dass heute nicht mehr gelten darf, „was die feministische Künstlerinnengruppe Guerilla Girls, eine anonym operierende, feministische Künstlergruppe, vor Jahren feststellte, dass Frauen nahezu immer nur als Aktdarstellungen, aber nicht als Künstlerinnen in den Museen auftauchen“. Es ist eben nicht mehr en vogue das Goethezitat „Ewig lockt das Weib“ blauäugig und naiv zu zitieren, ohne berechtigten Widerstand und Aufbegehren zu provozieren.

Vorschau

Neben der Kabinett- und der permanenten Ausstellung ist zudem die Schau „Katalanische Expressionen“ im Erdgeschoß des Museums zu sehen. Im Mai folgt eine Ausstellung zum frühen Tone Fink und Graphik n Vorarlberg.
Geöffet ist das Museum jeden ersten Sonntag im Monat bei freiem Eintritt von 10.30 bis 17 Uhr – also auch kommenden Sonntag, 3. Februar.

Wolfgang Ölz
www.rohnerhaus.at