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Corona: Systeme des Landes am Limit

01.02.2022 • 19:57 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
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Symbolbild/AFP/INA Fassbender

Hohe Zahl an Neuinfektionen bringt auch hohe Belastung für Impf- und Testteams sowie Labore.

Genau 1491 neue Coronafälle hat es in Vorarlberg von Montag auf Dienstag gegeben. Das berichtete Landessanitätsdirektor Wolfgang Grabher am Dienstag im Pressefoyer nach der Sitzung der Landesregierung

Am Höhepunkt der dritten Welle seien es nie über 850 Fälle pro Tag gewesen, verdeutlichte er die Dynamik, die durch die Omikron-Variante ausgelöst worden ist. Seit dem 18. Jänner liege die Zahl der Neuinfektionen jedoch konstant bei mehr als 1000 pro Tag, einmal sei sogar die 2000er-Marke überschritten worden. Die Systeme seien daher am Limit, meinte Grabher. Sowohl das Infektionsteam als auch das Testteam und die Labore würden auf Volllast arbeiten.

Freitesten

Gegengesteuert wird seitens des Landes mit einer Erhöhung der Kapazitäten sowie mit verstärkter Digitalisierung, berichtete Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher (ÖVP). So sei es mittlerweile wieder für alle positiv getesteten Personen möglich, sich ab dem fünften Tag freitesten zu lassen. Die Betroffenen würden per SMS kontaktiert und einen konkreten Testtermin erhalten. Rüscher gab jedoch zu bedenken, dass der Freitest-Versuch am fünften Tag in vielen Fällen nicht von Erfolg gekrönt sei. Sie appellierte vor allem an Personen, die noch nicht symptomfrei sind, ihren Freitesttermin abzusagen.

Landessanitätsdirektor Wolfgang Grabher. <span class="copyright">VLK</span>
Landessanitätsdirektor Wolfgang Grabher. VLK

Die hohe Zahl an Neuinfektionen bringt auch einen hohen Verwaltungsaufwand mit sich. Schließlich würden derzeit wöchentlich rund 20.000 Absonderungsbescheide ausgestellt, sagte Rüscher. Gehe man davon aus, dass diese im Schnitt drei Seiten umfassten, so werde jede Woche ein sechs Meter hoher Papierstapel produziert. Um das Pensum bewältigen zu können, werden Erkrankte nicht mehr telefonisch befragt. Stattdessen werden sie gebeten, ein digitales Formular auszufüllen. Erst wenn jemand dies nicht innerhalb von 24 Stunden tue oder die Angaben nicht plausibel seien, werde mittels Telefonanruf nachgefragt. In der vergangenen Woche hätten 11.151 Personen das Formular genutzt – eine Rücklaufquote von etwa 75 Prozent.

Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher. <span class="copyright">VLK</span>
Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher. VLK

Trotz der nach wie vor hohen Zahl an neuen Coronafällen hatten die Landesverantwortlichen auch Positives zu berichten. So schaue es derzeit so aus, als sei in manchen Bundesländern in Sachen Neuinfektionen das Plateau erreicht, sagte Grabher. Von Entspannung könne dennoch noch keine Rede sein. Die Lage in den Spitälern sei zwar „ernst, aber nicht besorgniserregend“. 72 Personen mussten am Dienstag im Spital behandelt werden – fünf von ihnen auf der Intensivstation.

Milderer Verlauf

Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) sah zwar ebenfalls noch keine Entspannung der Situation, aber er zeigte sich zumindest froh darüber, dass die Omikron-Variante tatsächlich einen milderen Krankheitsverlauf mit sich bringe. Das zeige sich auch an der durchschnittlichen Verweildauer der Spitalspatienten auf der Normalstation, die bei fünf Tagen liege.

23.800 Personen ohne Zertifikat

Mit dem gestrigen 1. Februar hat das Impfzertifikat von etwa 23.800 Menschen in Vorarlberg seine Gültigkeit verloren. Denn die Zertifikate nach der ersten Impfserie (zwei Impfungen beziehungsweise Genesung plus einmalige Impfung) gelten seit gestern nur noch 180 statt zuvor 270 Tage. Sobald eine Booster-Impfung im E-Impfpass eingetragen wurde, kann der Grüne Pass wieder aktiviert werden. Laut den Zahlen des Gesundheitsministeriums verfügten am gestrigen Tag 235.066 Vorarlbergerinnen und Vorarlberger über 18 Jahren noch über ein gültiges Impfzertifikat. 13.164 Menschen gelten als genesen. 79,2 Prozent der Vorarlberger Bevölkerung über 18 Jahren sind damit geimpft oder genesen.

Landesrätin Martina Rüscher (ÖVP) informierte zudem über die Impfbefreiungen. Jene, die derzeit im Umlauf sind, um in Verbindung mit einem PCR-Test Zugang zu Bereichen mit 2G-Regel zu haben, seien noch bis 27. Februar gültig. Derzeit gebe es Abstimmungen zwischen Ländern und Bund, wie Impfbefreiungen im Hinblick auf die kommende Impfpflicht künftig geregelt sein sollen.

Landeshauptmann Markus Wallner. <span class="copyright">VLK</span>
Landeshauptmann Markus Wallner. VLK

Neben der Omikron-Variante seien die milderen Verläufe aber auch der Tatsache geschuldet, dass es eine hohe Grundimmunisierung in der Bevölkerung gebe, meinte Rüscher. 72,8 Prozent aller Personen über 18 Jahren sind in Vorarlberg geimpft. Weitere 6,4 Prozent sind von einer Infektion genesen. Die jüngste Entwicklung bei der Impfung war aus Sicht von Landessanitätsdirektor Grabher jedoch eher „deprimierend“. Während es im November und Dezember noch 99.000 beziehungsweise 109.000 Impfungen gegeben habe, sei diese Zahl im Jänner auf 46.000 zurückgegangen. Noch ernüchternder sei, dass darunter nur 4049 Erstimpfungen gewesen seien. Grabher appellierte daher, sich impfen und auch boostern zu lassen.

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