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Ohrwürmer und die Schicksale ihrer Schöpfer

03.02.2022 • 20:07 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das T-Café im Landestheater ist Schauplatz der Produktion.     <span class="copyright">Anja Köhler</span>
Das T-Café im Landestheater ist Schauplatz der Produktion. Anja Köhler

“Ach, schön ist die Welt” ist der Titel eines Musik-Theater-Projekts, das im Landestheater zu sehen ist.

“Ach, schön ist die Welt“ ist eine Zeile aus dem Lied „Die Novaks aus Prag“.

Darin beschreibt der Wiener Kabarettist und Komponist Hermann Leopoldi (1888–1959) auf tragikomische Weise die Flucht einer jüdischen Prager Familie aus Europa. „Ach, schön ist die Welt“ ist auch der Titel eines von Sibylle Fritsch konzipierten Musik-Theater-Projekts, das genau diese Widersprüchlichkeit zwischen beschwingten Melodien und tragischen Schicksalen zum Inhalt hat. Zu sehen ist er am Samstag, 12. Februar im T-Café des Vorarlberger Landestheaters in Bregenz.

„In der Bar zum Krokodil“, „Mein Schatz, der muss ein Russe sein“ oder „Ausgerechnet Bananen“ sind Schlager aus den 20er- und 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts, die vielen bekannt sind. „Diese Lieder habe ich natürlich auch gekannt“, sagt die Journalistin Sibylle Fritsch, eine gebürtige Bregenzerin, die seit vielen Jahren in Wien lebt. Erst später sei sie dann aber auf das Schicksal der Komponisten, Sänger und Librettisten aufmerksam geworden, die in vielen Fällen vor den Nazis fliehen mussten oder das nicht mehr schafften, erzählt sie.

Tod im KZ

Leopoldi konnte aus einem Konzentrationslager entkommen, sein Kollege Franz Engel wurde 1944 in Auschwitz ermordet. Fritz Grünbaum starb 1941, Louis Taufstein in Theresienstadt. Auch eine Frau ist dabei, die polnische Lyrikerin Tamar Radzyner, die als Widerstandskämpferin im Ghetto von Lodz aktiv war und mehrere KZ, darunter Auschwitz-Birkenau, überlebte. Sie hat später in Wien Liedtexte für Georg Kreisler geschrieben.

In „Ach, schön ist die Welt“ bilden nun rund 15 Lieder aus der Zwischenkriegszeit, der Nazi- und der Nachkriegszeit die Vorlage für die Auseinandersetzung mit dem Schicksal ihrer Schöpfer und Interpreten, so Fritsch. Verbunden werden diese musikalischen Passagen vom Schauspieler Thomas Kamper, der in der Rolle eines Conférenciers aus dem Leben dieser Menschen erzählt oder liest. Die Texte hat Fritsch zusammengestellt und geschrieben. Dafür habe sie auch viele Tagebuchaufzeichnungen gelesen, sagt sie.

Interpreten

Interpretiert werden die Lieder von der Wiener Mezzospranistin Natascha Petrinsky, die auch gelegentlich als Chansonsängerin zu erleben ist, und von der Schauspielerin und Sängerin Gabriele Schuchter. Am Klavier begleitet werden sie vom Dirigenten Vasilis Tsiatsianis, der als Klavierbegleiter unter dem Pseudonym Willi Konstantin auftritt.

Der Abend beginnt recht beschwingt, schildert Fritsch den Ablauf, dann werde es düster und die ersten Anzeichen von Antisemitismus tauchen auf. Prinzipiell sei das Ganze so angelegt, dass „das Unterhaltsame und das Schreckliche aufei­nanderprallen“. Zum Abschluss gebe es dann noch eine Überraschung, „aber die verrate ich nicht“, so Fritsch.
Anmeldung: ticket@landestheater.org, Tel. 05574-42870600

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