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Fast ein Drittel der Todesopfer in Pflegeheimen

09.02.2022 • 20:10 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Neos-Anfrage brachte Zahlen zu Coronatodesopfern in den Bundesländern.

Insgesamt 124 Bewohnerinnen und Bewohner von Vorarl­berger Pflegeheimen sind in den Jahren 2020 und 2021 an oder mit dem Coronavirus verstorben. Das geht aus der Beantwortung einer Parlamentsanfrage des Neos-Nationalratsabgeordneten Gerald Loacker hervor. Damit lebten 28 Prozent der Corona-Todesopfer in den beiden Jahren in einem Pflegeheim. Österreichweit stammte fast ein Drittel aller im Zusammenhang mit dem Virus Verstorbenen aus einer Pflegeeinrichtung (4237 von 13.365 Todesopfern).

Loacker: Mehr Testen

Für Loacker ist dies ein Zeichen dafür, „dass wir die Pflegeheime immer noch nicht sicher machen können“. Aus Sicht des Neos-Pandemiesprechers liegt die Lösung dafür auf der Hand: Das Personal muss noch engmaschiger getestet werden. Denn in seiner Anfrage wollte der Abgeordnete auch wissen, wie viele Tests 2020 und 2021 in den Heimen mit Bewohnern und Personal durchgeführt worden sind. Gemäß der Anfragebeantwortung waren es insgesamt mehr als 2,5 Millionen Testungen in den beiden Jahren. Allerdings fehlen die Zahlen aus Vorarlberg, Nieder­österreich, Oberösterreich und Salzburg. Aus diesen Bundesländern seien keine Daten gemeldet worden, heißt es seitens des Ministeriums.

Gerald Loacker hat eine Anfrage an das Gesundheitsministerium gestellt. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Gerald Loacker hat eine Anfrage an das Gesundheitsministerium gestellt. Stiplovsek

Warum es aus Vorarlberg keine Daten gibt, kann sich Landesrätin Katharina Wiesflecker (Grüne) nicht erklären. Denn natürlich werde in den hiesigen Pflegeheimen regelmäßig getes­tet. Es gebe genaue Vorgaben, deren Einhaltung auch geprüft werde. So stünden für das Personal wöchentlich drei Testungen (zwei Antigentests, ein PCR-Test) auf dem Programm. Die Zahlen würden auch erfasst.

Wiesflecker kann auch die Kritik des Neos-Abgeordneten nicht nachvollziehen. Jeder Todesfall in Zusammenhang mit der Pandemie sei zu bedauern. In den Zahlen aus der Anfragebeantwortung zeige sich jedoch auch deutlich, welch wichtige Rolle die Impfung spiele. Gerade in den ersten beiden Wellen sei Vorarlberg hart getroffen worden. So gab es im November und Dezember 2020 insgesamt 78 Corona-Todesfälle in den Pflegeheimen. Durch die hohe Impfquote von über 80 Prozent bei den Bewohnern seien schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle danach jedoch deutlich vermindert worden. Letzteres geht auch aus der Anfragebeantwortung hervor. Im November und Dezember 2021 lag die Zahl der Todesopfer in den Pflegeheimen mit insgesamt 19 trotz deutlich höherer Infektionszahlen in der Gesellschaft unter jener aus dem Jahr 2020.

Landesrätin Katharina Wiesflecker kann die Kritik nicht nachvollziehen. <span class="copyright">Hartinger</span>
Landesrätin Katharina Wiesflecker kann die Kritik nicht nachvollziehen. Hartinger

Der Schutz der Pflegeheime und deren Bewohner ist aus Sicht von Wiesflecker eine Gratwanderung. Zu Beginn der Pandemie im Jahr 2020 sei ein Besuchsverbot in den Einrichtungen erlassen worden. Allerdings sei dies auch „eine sehr einschneidende Maßnahme“ gewesen. Denn die daraus folgende Vereinsamung der in den Heimen Betreuten, sei ein hoher Preis für den Schutz gewesen. Ziel sei es daher gewesen, weitere Besuchsverbote zu verhindern. Nach der Öffnung habe man den Heimen empfohlen, weiterhin mit FFP2-Masken zu arbeiten und auch Besuchern das Tragen einer solchen nahezulegen. Mit Präventionskonzepten und regelmäßigen Tests gebe es weitere wirksame Schutzmaßnahmen, die sich seither bewährt hätten. Das jeweilige Infektionsgeschehen in der Gesellschaft spiegle sich jedoch auch in den Heimen wider.

Kaum Todesfälle

In der derzeit laufenden Omikron-Welle gibt es laut gestrigem Stand 213 Infektionen in den heimischen Pflegeheimen. Betroffen sind davon 136 Bewohner und 77 Beschäftigte in 33 von 49 Einrichtungen. Dennoch seien kaum Todesfälle zu verzeichnen. Problematischer seien die Auswirkungen auf die Personalsitua­tion.

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