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Eine Geschichte, besser als jeder Spielfilm

10.02.2022 • 21:51 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Johannes Strolz mit seiner Goldmedaille.<span class="copyright">Reuters</span>
Johannes Strolz mit seiner Goldmedaille.Reuters

Johannes Strolz ist Olympiasieger in der Kombination. Der Warther vollendete ein Märchen, das 1988 begann und vor einem Monat die entscheidende Wende nahm.

Mein Papa war in Calgary Kombinationsolympiasieger, wenn das funktionieren würde, wäre es unglaublich“, klärte Johannes Strolz den Norweger Aleksander Aamodt Kilde über seine Vorgeschichte auf. Der erwiderte nur: „Cool. Das wird schon.“ Strolz und Kilde standen im Zielraum des Slaloms, sie belegten zu diesem Zeitpunkt die Ränge eins beziehungsweise zwei und warteten auf den Start von Alexis Pinturault, dem letzten ernsthaften Rivalen um eine Medaille.
„Wenn es Silber wird, ist es mir auch egal“, legte Strolz nach, „aber schauen wir mal.“ Lange musste der 29-Jährige allerdings nicht zusehen, denn Pinturault schied im oberen Teil des Laufes aus und Strolz war plötzlich Olympiasieger.

Aleksander Aamodt Kilde (l.) und Johannes Strolz bei ihrem Dialog. <span class="copyright">APA</span>
Aleksander Aamodt Kilde (l.) und Johannes Strolz bei ihrem Dialog. APA

In den Fußstapfen.

Der Warther schrieb mit seiner Goldmedaille das vorläufig finale Kapitel eines Drehbuchs, das in Hollywood als zu unrealistisch abgelehnt werden würde.
34 Jahre vor dem Sieg von Johannes hatte Vater Hubert Strolz ebenfalls in der Alpinen Kombination die Olympische Goldmedaille gewonnen. Eine Konstallation, die es bei Winterspielen so noch nie gegeben hatte. Damit enden die Parallelen aber noch nicht: Ebenso wie sein Vater hatte Johannes Strolz seinen bislang einzigen Weltcupsieg einen Monat vor dem Triumph bei Olympia geholt.

Die Parallelen zwischen Hubert (l.) und Johannes Strolz (r.) sind unverkennbar. <span class="copyright">APA</span>
Die Parallelen zwischen Hubert (l.) und Johannes Strolz (r.) sind unverkennbar. APA

Die letzte Chance

Doch Strolz’ Geschichte hat noch eine weitere Komponente, die sie so unglaublich macht. Bis zum 9. Jänner sei er näher am Karriereende als an einer Teilnahme an Olympischen Spielen gewesen, so erzählte er selbst im NEUE-Interview. Seit Jahren auf den Durchbruch wartend, hatte Strolz im vergangenen Frühjahr den Kaderstatus und somit auch seinen Servicemann verloren. Mit Ende der Saison wäre es wohl vorbei gewesen mit der Karriere des 29-Jährigen, der bereits im Sommer bei der Polizeiinspektion Dornbirn Dienst geschoben hatte (siehe rechts). Strolz profitierte vom schwachen Slalomteam, in anderen Jahren hätte es keinen Weltcup-Startplatz für den „Kaderlosen“ gegeben.
Der Sieg in Adelboden hat alles verändert – und den Boden bereitet für den größtmöglichen Triumph in Peking. Es war seine allerletzte Chance, sonst hätte Strolz nicht die Europcupabfahrt wenige Tage später in Tarvisio bestreiten können, um die nötigen FIS-Punkte zu sammeln. Ohne diese wäre ein Start in der Kombination nicht möglich gewesen.

Strolz zeigte eine phänomenale Abfahrt.... <span class="copyright">APA</span>
Strolz zeigte eine phänomenale Abfahrt.... APA

Die Fortsetzung

Johannes Strolz hatte viel Pech in seiner Karriere, doch seit dem 9. Jänner hat er an jeder Abzweigung die richtige Entscheidung getroffen. So wählte er auch in der Kombinationsabfahrt eine perfekte Linie, der Slalomfahrer verlor als Vierter nur 0,75 Sekunden auf den Speed-Spezialisten Kilde. „Ich habe ständig die Medaille im Kopf gehabt, es war alles zum Greifen nahe“, erinnert sich der Bregenzerwälder in der Pause zwischen Abfahrt und Slalom. Rechtzeitig vor dem Torlauf verschob sich der Fokus wieder aufs Skifahren. Den Slalom absolvierte Strolz mit Bravur, die Größe der Aufgabe war ihm nicht anzumerken. Erst im Ziel schien er zu realisieren, was er soeben geschafft hatte. Dann kam es zum Dialog mit Kilde, Pinturault schied aus und Strolz war Olympiasieger.
Der 29-Jährige fiel seinen Betreuern in die Arme, einer seiner ersten Wege führten ihn zu Teamkollegen Marco Schwarz, der nach seinem verpatzten Slalom schwer enttäuscht war. „Ich hatte mit ‚Blacky‘ so eine schöne Zeit in Peking, wir hatten gute Speed-Trainings, haben viel miteinander gesprochen“, erzählte Strolz über die Beziehung zu seinem Teamkollegen.
Beide werden am kommenden Mittwoch wieder am Start stehen. Dann geht es im Spezial-Slalom um Edelmetall. Johannes Strolz wird nach Kombi-Gold zu den Mitfavoriten gehören, auch weil die Geschichte von Hubert Strolz bei Olympia 1988 noch weitergegangen ist. Eine Woche nach Gold in der Kombination gewann er Silber im Riesentorlauf. Davon erzählt sein Sohn Johannes am Mittwoch dann wieder im Zielraum.

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